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«Window Shopper» IV

Urs Rihs am Samstag den 11. März 2017

…oder die schönsten Schaufenster der Stadt, eingerichtet durch König Zufall, mit Eigenwille dekoriert, angenagt durch den Zahn der Zeit.
Hier gibts weder fabrikneue Ware noch die hipsten Ernährungstrends. Das ist die Fotoserie abseits der hegemonial marktlogisch gestalteten Vitrinen unserer Einkaufsmeilen. Und dazu ein Versuch, ihnen Graustufen des Zeitgeistes abzugewinnen.

Seidenweg 2, Länggasse, der Hi-Fi Quartierladen. Ein hyperrealistisches Schaufenster, in seiner Athentizität die analoge Romantik regelrecht überschärfend. Die Vitrine riecht schon von aussen nach Lötkolben und Staub – wie Papas Werkstatt. Hart nostalgisch, aber null Vintage-Kitsch. Von früher steht hier nicht wegen cool, sondern von früher steht hier weil für länger: Video T.V. HI-FI Technico / Electric – stabil, langlebig, zuverlässig.

Der Typ welcher den Laden führt, die Geräte restauriert, flickt und wartet, unterstreicht das. Ein leidenschaftlicher Elektrotechniker, ein Bastler, ein Kunsthandwerker. Und trotzdem, mit gesunder Distanz zur Materie, unverblendet, geerdet. Dabei diese beiläufige  Zärtlichkeit – zu Transistoren, Reglern, vergoldeten Steckern und Kondensern. Bosstyp.

Auf den Regalen stapeln sich Verstärker, VHS-Rekorder, Plattenspieler, Kassettendecks, hie und da ein Beamer, geordnet wie Bücher, weil die Dinger, die richtigen, eben auch Seele haben, so wie gute Romane.

Go there and get yourself a tapedeck!

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Ein Kommentar zu “«Window Shopper» IV”

  1. Peter Lutz sagt:

    Wenn man das Bild vergrössert, sieht man ein paar schöne Revox-Geräte.
    Sammler: Schlagt zu!