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«Mach kes Drama»

Milena Krstic am Mittwoch den 8. März 2017

Auf einmal erschien die Bernerin Lil Lou auf meinem Radar und liess mich ratlos zurück. Wer ist diese junge Frau, die wegen dem Rappen ihre Lehrstelle verloren hat und sich die Queen von Bern nennt?

Vor ein paar Monaten hat mich eine gute Seele auf diese «eine ihrer Freundinnen, die rappt» aufmerksam gemacht. Die erscheine bald auf der Bildfläche und das werde ein grosses Ding. Ball flach halten, dachte ich. Und doch war ich angefixt vom Gedanken, dass da eine neue Rapperin in den Startlöchern steckt. Kurz darauf erschien ein Video auf meiner Timeline. «Who’s back?! Lil Lou’s back!» stand dazu und ich wusste: Das ist die, von der die Rede war.


Wer ist sie, die noch keine zwanzig Jahre zählt und schon ein Comeback feiert? Fangen wir im Jahr 2015 an, da hat sie bei Swiss VBT mitgemacht, einer Plattform, in der sich RapperInnen per Videobotschaft duellieren. Lil Lou erreichte in einem User-Voting den ersten Platz und wurde an der Gewerbeschule zum Gesprächsstoff. Ihr Lehrbetrieb bekam Wind davon und hat sie gekickt. Das ist die Kurzversion.

Die Begründung des Lehrbetriebs: Louisa (wie Lil Lou mit bürgerlichem Namen heisst) sei mit ihren provokativen Aussagen als Kleindkinderzieherin für die Kita nicht mehr tragbar. Lou und ich haben beim Kaffeetrinken gewerweisst, ob ihr dasselbe hätte passieren können, wäre sie ein Kerl. Um diese Mutmassung zu bestätigen, hätte ich mehr recherchieren müssen, aber auch ohne Recherche weiss ich: Es ist noch immer ein grösseres Problem, wenn Frauen aggressiv auftreten, als wenn dies Männer tun. Hier gehts übrigens zur offiziellen Mitteilung, die Louisa damals veröffentlicht hat.

Wie auch immer: Der aggressive Auftritt gehört zu Lil Lou. Sie ist die Kunstfigur, die Louisa erlaubt, dick aufzutragen. Auf ihrem kürzlich erschienen Mixtape rappt sie davon, «Molotow Cocktails uf di fucking Bulle» zu werfen und von deiner Freundin, die für sie an der Stange tanzt. Kennen wir das nicht zu genüge von den Jungs? Ist das nicht heikel, wenn sich eine Frau die Werkzeuge aneignet, die jahrzehntelang von sexistischen Menschen benutzt wurden, und dieses Verhalten dann als Kampf gegen den Sexismus proklamiert? Hier hat sie eben angefangen, meine Ratlosigkeit.

Aufregender fand ich schon, dass Lil Lou Sätze Sätze, die sie und ihre Freundinnen sich schon von Männern haben anhören müssen, zu einem Song verarbeitet. Meine Top-Fünf:
«Tue nid so nuttig»
«Tue mau nid schwanger»
«Rasier di mau»
«Mach kes Drama»
«Tanz mau nid so» Auf diese Line antwortet Lil Lou mit «äxtra» und lässt im Clip ihre Freundinnen genau so tanzen, wie diese Bock darauf haben (richtig so).

Übrigens ist Lil Lou eine der Botschafterinnen von We can’t keep quiet, einem feministischen Netzwerk, das unter anderem von der #SchweizerAufschrei-Gründerin und Journalistin Franziska Schutzbach aufgebaut wird.

https://www.facebook.com/watson.news/videos/vb.536723559736207/1416098168465404/?type=2&theater

 

Wer jetzt denkt, so ein bisschen Rappen über gerippte (aka geklaute Beats), das kann doch jemensch … Dem/der sei hier gesagt: Aber nicht jemensch stellt dann für den Mixtape-Release drei Tänzerinnen, einen DJ, einen Support-MC und eine Backing-Dame, um im Rössli eine Party zu schmeissen. Lil Lou ist organisiert. Mit einem Team aus jungen Gewillten ist sie gewappnet für all das, was da kommen mag. Man muss nicht mögen, wie Lil Lou auftritt oder worüber sie rappt, aber da steckt eine Kraft in dieser Person, die sich ihr nicht absprechen lässt.

Lil Lou feiert Mixtape-Release am Donnerstag im Rössli. Supporten tun the one and only Yangboy$ und Après-Spass gibts von The Secret Golden Pyramid Raidin’ Boom Bap Clique.

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8 Kommentare zu “«Mach kes Drama»”

  1. Speedee sagt:

    Naja so neu ist dies ja auch nicht.Big Zis hat dasselbe schon vor 15 Jahren gemacht,mit mässigem Erfolg.Intressant wirds erst,wenns sich der/die Künstler/in weiter entwickelt.Vom Jugendlichen Spass- und Provokationsprojekt zum/r vollständigen Musiker/in.

  2. Lorena sagt:

    Wenn sie ihre Texte selber schreiben würde, wäre es spannend, dass sie sexistische Mittel für Antisexismus benutzt. Da ihre – notabene sehr sexistischen – Texte aber von einem Mann geschrieben werden und sie selber lediglich die Figur und das Gesicht ist, verkörpert Lil Lou das Gegenteil. Klassischer Fall von “Hey ich bin eine rappende Frau, schreibt über mich!” Und als Frau stört es mich schon, dass sie ernste Themen, die mich auch betreffen, nur nutzt, um sich in den Mittelpunkt zu stellen. Es ist richtig schädlich für die Sache: Wenn man ihr Tape downloadet und im beiliegenden Dokument sieht, wer was verfasst hat, wird nur die übliche Macho-Ansicht “Frauen können nicht rappen”…

  3. Lorena sagt:

    … bestätigt

  4. Aicha sagt:

    Ich mag es wie in Bern absolut alles jeden juckt. Kaum kommt etwas neues will man es entweder hassen oder cool finden. Eine junge Person stellt sich in die Öffentlichkeit, macht etwas wofür ihr Schwarz/Weiss-Seher nie den Mut, geschweige denn die Energie dazu hättet. Ich finde: leben und Leben lassen. Warum muss ich es hassen? Sie hat eine Message und an der hat auch sie mitgearbeitet und steht dazu. Das ist genau so mit anderen Musikern, man muss ja die Musik nicht hören wenn es einem nicht in den Kram passt.

  5. Die Krstic sagt:

    Liebe Lorena, danke für deinen Kommentar, den ich absolut nachvollziehen kann. Tatsächlich wird der Eindruck erweckt, Louisa sei von einem Typen instrumentalisiert worden. Ich habe sie aber an den Proben zum Konzert erlebt und kann sagen: Sie hat das Zepter in der Hand und dirigiert ihre eigene Show souverän. Auch ich kann mich für den grössten Teil der Texte nicht aussprechen, sehe aber nicht genug Gründe, das ganze Projekt zu verurteilen.

  6. Lopon sagt:

    Wenn man dem Rappen sagt, dann bin ich Zeus!
    Sorry, aber ich finde das einfach keine Kunst, das kann jeder. Die Technik ist erbärmlich.
    Krstic, deine journalistisches Können sieht man auch in diesem Text nicht weniger als sonst.

  7. Clulfut sagt:

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  8. Clulfut sagt:

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