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Zu Tode erheitert

Milena Krstic am Donnerstag den 13. Oktober 2016

«Umbruch, Tod, Erotik» stand da in grossen Lettern und ich dachte mir: Doch, das sind meine Themen. Da will ich hin.

Es ist das Bernische Historische Museum, das mit diesen Worten für die neue Wechselausstellung «Söldner, Bilderstürmer, Totentänzer – Mit Niklaus Manuel durch die Zeit der Reformation» wirbt.

Die Reformation Handgelenk mal Pi: Das ist die Zeit, als die Hoheit des westlichen Christentums zu wackeln begonnen hat und mittels Mord und Todschlag die heute bekannten Konfessionen katholisch und reformiert erzwungen wurden. Hier in der Schweiz waren dafür Huldrych Zwingli und Johannes Calvin hauptverantwortlich, im weiten deutschsprachigen Raum ist vor allem Martin Luther für sein Wirken bekannt.

Niklaus Manuel war der Sohn deutscher Einwanderer, die sich in Bern niedergelassen haben. Er ist quasi der Posterboy der Ausstellung. Um 1500 herum bis zu seinem Tod im Jahr 1530 hat er die Irrungen und Wirrungen der Reformationszeit als Politiker, Künstler und Diplomat begleitet und mittels Pinsel und Schreibfeder das Geschehen dokumentiert. Von ihm stammt «Der Berner Totentanz», ein Gemälde, das farbenprächtig so schön illustriert, was der Lauf des Lebens ist: Der Tod nämlich, der sich nicht geniert, alles zu umtänzeln, was eines Tages komplett biologisch abgebaut sein wird.

So ist es die Totensymbolik, die in der ausgewogen konzipierten Ausstellung (kuratiert von Dr. Susan Marti) besondere Wertschätzung erhält: Unter anderem gibt es erstaunlich gut erhaltene Skelett-Kostüme zu sehen, die im Jahr 1638 für ein Theaterstück verwendet wurden.

Es muss eine lustvolle, brutale und ungnädige Zeit gewesen sein, leidenschaftlich und abgründig zugleich. Der perfekte Stoff für eine gute Geschichte, nicht? Und plötzlich stand ich vor diesem «Tod in Mönchskutte», einer aus Lindenholz geschnitzten Schönheit. «Ja, auch du», flüsterte sie mir zu.

Medienbild

Der Tod trägt Mönchskutte und steht hinter Glas. Foto: Christine Moor

Die Ausstellung eröffnet morgen Freitag und dauert bis am 17. April 2017. Es lohnt sich, eine der Führungen zu besuchen (jeden Sonntag um 13 Uhr). Ausserdem gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Musik, Illustration und einer Vortragsreihe. 

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