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Die Quartier-Transformer III: Von goldenen Dreiecken

Christian Zellweger am Freitag den 12. Februar 2016

Auch dieses Jahr bei uns zu Gast: Das «interdisziplinäre, konsequent experimentelle Kunstprojekt» Transform. Hier die Zwischenbilanz der zweiten Woche von Julia Haenni, seit diesem Jahr neu im Leitungsteam dabei.

transformIII
«Oliver Roth: Aktionsplan #5_Die Pizza reicht nicht, ich brauche noch ein Brot», Teil einer Serie. Ab morgen 18.30 im Coop an der Schlossstrasse zu betrachten.

 

Auch diese Woche war transform mit 8 Kunstschaffenden im goldenen Dreieck* zwischen Freiburgstrasse, Loryplatz und Europaplatz unterwegs und begegnete den vielseitigen Lebens- und Arbeitswelten der QuartierbewohnerInnen.

Nachdem eine weithergereiste riesige Peperoni am Montagmorgen sofort phantasievolle Ideen in die Köpfe der KünstlerInnen zauberte, wurde aber bald klar: Das Leben, das sich im Quartier tagtäglich abspielt, will erst gründlich betrachtet und angehört werden, die Menschen und ihre Geschichten kennengelernt und die Strukturen der Räume verstanden werden.

Den KünstlerInnen vor Ort war es ein Anliegen, erst einmal Publikum des Theaters «Quartier Holligen» zu sein, und dann erst in einem zweiten Schritt in verschiedenen Rollen darin aufzutreten und mitzuspielen: Als Diskussionspartnerinnen beim Zmittag und beim Kaffeeklatsch, wo die Durchsetzungsinitiative debattiert wird. Als Prüfungshospitantin, die hinter der Scheibe beobachten darf, wie StudentInnen des Bildungszentrums Pflege in Simulationsräumen von Schauspielerinnen gemimte «standartized patients» treffen. Als Einkaufsbegleiter und Aktionsstrategie-Insider im Coop. Als Take-Away-Mitauslieferin im Curry House, die sich mit dem Imam der dazugehörigen islamischen Gemeinde darüber verständigt, was Liebe zu Gott mit Liebe zum Kochen zu tun hat. Oder als Gurkenschmugglerinnen, über die man munkelt, sie hätten einen geheimen Unterschlupf in den Schrebergärten bezogen, von wo aus sie das traditionelle Einmachen von Gurken studieren, um damit Schächte und Kreisel des Quartiers zu verschönern, äh, transformieren.

So zeigt sich dass die Kunst von transform 5 in erster Linie darin besteht, hinzusehen, zuzuhören, zu beobachten und sich dann dazu zu verhalten: einmal mehr nachfragen, einmal genauer hinsehen, einmal tiefer graben und im besten Falle dem Quartier damit etwas zurückzugeben. Die Kunst wird so zu einer Vermittlerin, die vielleicht ganz unverhofft einen Blick, eine Begegnung, eine flüchtige Bekanntschaft vertieft oder in ein anderes Licht rückt.

Oder eben: Neue Wege erschliesst und neue goldene Dreiecke* zieht. Man kann nämlich auch vor dem Gang zu den Sandwichs zuerst bezahlen und sich dann ein Getränk schnappen, oder nicht? Dabei kann man den Kassierer auch gleich als erstes an seine WG-Party einladen und die Frau, die man seit 20 Jahren jeden Tag im Coop sieht nach ihrem Namen fragen. Probieren Sies mal! Ja, stimmt schon, den ersten Schritt machen ist gar nicht so einfach. Wir leihen Ihnen gerne die riesige Peperoni aus, die – mittlerweile goldig – im Restaurant AS auf dem Kühlschrank prangt. Die hilft Anfänge zu schaffen.

*goldenes Dreieck, das: Der Weg, das Einkaufsverhalten in Supermärkten. Führt direkt zu den Sandwiches, von da zu den Getränken und dann direkt zur Kasse. Besonders bei hungrigen EinkäuferInnen und StudentInnen zu beobachten, meist um die Mittagszeit.

Freitag, 12.2., 18.30 Loryplatz, Start Rundgang zu den Aktionsorten von und mit Daniela Ruocco, Olivia Wiederkehr, Oliver Roth, Valeria Stucki, hoferoppligerbayerdörfer. Ab 20.30 Konzert mundartstepp von und mit Mischa Wyss und Nicolas Egger im Restaurant AS.

Alle Informationen: www.transform.bz

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