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Schutzengel, irre Bulgaren und ein Elefant im Chamäleon-Look

Gisela Feuz am Samstag den 6. September 2014

«Wir erleben, was wir erwarten», so die Theorie des Einen, «es gibt durchaus Geister und Übersinnliches», so der Andere. Gestern Abend stellten Professor Peter Brugger und Schauspieler Yannick Schmuki in einer interaktiven Show rationale Neuropsychologie dem Übersinnlichen und Aberglauben gegenüber. Das Ganze fand im Rahmen der ersten Ausgabe des Mad Scientist Festivals statt, für welches das Naturhistorische Museum in Beschlag genommen wurde. Anhand von Würfelexperimenten, einem live-Anruf bei der Tarot-Sendung «Wir legen Karten», Persönlichkeitshoroskopen, Beispielen aus der Verhaltenstherapie und Zufallsforschung zeigte Peter Brugger auf, dass ein grosser Teil von sogenannt übersinnlichen Phänomenen hausgemachte Hirngespinster sind. Das tat er durchaus schlüssig und trotzdem zeigte die abschliessende Publikumsbefragung, dass viele eben doch der Meinung sind, dass es da auch nicht rational Erklärbares gibt und diesem «Aberglauben» in irgendeiner Form frönen. Sie nicht? Haben Sie etwa keine Glückszahl? Keinen Schutzengel? Und wann haben sie das letzte Mal gesagt «Houz alänge» und es auch getan? Eben.

Der Schutzengel der beiden bulgarischen Chemiker von «Pretty Big Bang», welche im Anschluss im Garten fürwahr ordentliche Knälle fabrizierten, dürfte jeweils alle Hände voll zu tun haben, wenn seine Schützlinge zu Werke schreiten. Wie kleine Buben freuten sie sich ob den chemischen Mischung, die sie da abfackelten und zum Explodieren brachten. Schade bloss, wurden dem Publikum nicht mehr Informationen geliefert, was denn bei der Raucherei und Knallerei chemisch genau ablief. Übrigens war besagter Schutzengel offenbar auch mit den Pretty Big Bangers im Flugzeug gesessen bei der Einreise in die Schweiz. Die Reise hätte nämlich genau so gut im Flughafengefängnis anstatt im Naturhistorischen Museum enden können. Weil das hochgiftige und explosive Phosphor in der Schweiz offenbar sehr schwer zu bekommen ist, haben es die beiden Bulgaren nämlich gleich selber mitgebracht: «No worry. Nobody noticed.» Frau Feuz ist sich nicht sicher, ob «Respekt» hier nun die geeignete Antwort auf diese Leistung ist.

Generell wurde da gestern äusserst vielseitig und vergnüglich Kunst mit Wissenschaft verknüpft im Naturhistorischen Museum. Eine Sound- und Videoinstallation von Andrea Brunner blies Ameisen visuell und akustisch auf Übergrösse auf, wozu Dominique Müller Texte aus dem Ameisenstaat las. Ernestyna Orlowska und Mathias Ringgenberg thematisierten in ihrer amüsanten Performance das Paarungsverhalten von Disco-Tigern und -Katzen und in der Bar der Toten Tiere wurde man gar ein bisschen nostalgisch ob den Einspielungen von «Im Reich der Wilden Tiere», welche Joiz-Moderatorin Gülsha Adiji und Biologe Klaus Amman spontan neu vertonten. Der heimliche Star der Abends war aber ganz klar der Elefant im zweiten Stock, welcher mit bewundernswerter Stoik die 3-D-Visuals über sich ergehen liess und auch im Tiger- oder Chamäleonlook keineswegs an Würde einbüsste.

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