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Akustisches Dankeschön à la Anti-Flag

Gisela Feuz am Dienstag den 5. August 2014

IMG_3805.JPG.jpgAuf der Schützenmatt sieht es aus, als wäre nie etwas gewesen. Der Asphalt ist leergefegt, ein paar Autos stehen in Reih und Glied. Nichts deutet mehr darauf hin, dass hier vor drei Tagen noch eine zweitägige Party mit rund 8000 Besuchern gefeiert wurde – ein beindruckende Sause fürwahr.

Das hatte offenbar auch die amerikanische Polit-Punk-Band Anti-Flag so empfunden, die am Freitagabend als Headliner auf der Schützenmatt-Bühne gestanden war. Unmittelbar nach dem Konzert waren die Herren mit ihrem Bandbus für weitere Shows nach Italien abgerauscht, meldeten sich dann aber kurz darauf wieder, ob sie denn nicht ihren freien Tag – den Montag – wieder in Bern in der Reitschule verbringen dürften, denn sie hätten sich da ausnehmend wohl gefühlt. Klar durften sie. Am Nachmittag entstand dann offenbar die Idee, dass Sänger Chris Barker quasi als Dank für die «Aufenthaltsbewilligung» am Abend ein akustisches Anti-Flag-Set spielen solle.

Er habe um 17:20h einen Anruf erhalten, ob er nicht auch ein paar Songs mit seiner Klampfe beisteuern wolle, erklärte Lt. Slam, seines Zeichens Frontmann der Cowboy-Truppe Slam & Howie and the Reserve Men. Eigentlich sei er nur medium begeistert gewesen, weil er doch auch schon ziemlich lange nicht mehr solo gespielt habe. Die Sorge um fehlende Praxis erwies sich allerdings als komplett unnötig, denn dieser Lt. Slam hat mittlerweile dermassen viele Konzerte auf dem Buckel, dass er locker und offenbar zu jeder Zeit ein paar einwandfreie Songs aus dem Ärmel schütteln kann und es dabei gar noch schafft, das Publikum an einem müden Montagabend zu animieren. Besagtes Publikum war übrigens äusserst zahlreich in der Rössli-Bar aufmarschiert, obwohl das Konzert erst drei Stunden vor Beginn auf Facebook bekanntgegeben worden war. Einige waren gar aus dem fernen Basel angereist, um den Anti-Flag-Frontmann spielen zu hören.

Dieser zeigte sich im Vorfeld sympathisch nervös. Er habe sich überreden lassen, hier akustische Songs zu spielen, er habe das vorher noch nie gemacht. Gerechnet habe er mit ungefähr fünf Leuten und nun sei er ehrlich gesagt «petrified» (starr vor Angst).
Die Angst war aber unbegründet, denn das Publikum war dem liebenswürdigen Amerikaner durchaus wohlgesinnt. Gewiss, ein filigraner Singer-Songwriter ist er ja nun tatsächlich nicht, dieser Chris Barker. Aber das muss, darf und soll von einem Mann mit Beruf Punkrocker auch nicht erwartet werden. Es spielte denn auch überhaupt keine Rolle, dass nicht immer jeder Ton perfekt sitzen wollte. Was viel mehr zählte, war der Anlass als solches, das Zusammenkommen, die gegenseitige Sympathie und das Engagement. Der gestrige Abend passt in diesem Sinne wunderbar zur Reitschule: Vielleicht nicht immer alles ganz perfekt, aber dafür mit viel Herzblut und Liebe zur Sache.

Sie würden sich gerne ein paar der akustischen Songs anhören? Dann klicken Sie hier.

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