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Heavy Metal und Melancholie

Gisela Feuz am Sonntag den 20. Juli 2014

Am zweiten Tags des diesjährigen Gartenfestivals im Kairo gab es eine Premiere: Eine Buchtaufe und zwar die von Roland Reichens «Sundergrund». Angeteigt hatte diese Matto Kämpf, der neue designierte Chef der Abteilung Literatur im Kairo, der gestern in bester Laune der heissen Wetterlage einen Zweizeiler widmete:

Bier im Summer.
Eher nid.

Roland Reichen hatte sich für seine Taufe den Gitarristen Patrick Abt auf die Bühne geholt, der kurze Intermezzi zwischen den gelesenen Textpassagen spielte. Und was für welche. Da im getauften «Sundergrund» (das bereits hier besprochen wurde) ab und an Heavy Metal gehört wird, steuerte Abt Einschübe aus diesem Genre bei, obwohl er normalerweise eher in ruhigeren musikalischen Gewässern segelt. Er habe sich im Vorfeld akribisch vorbereitet und sich durch diverse Schwermetall-Erzeugnisse durchgehört, erklärte Abt grinsend. Auf der Bühne lieferte dann ein Schlagzeugcomputer mit Doppelpauke die Basis für die wilden und lauten Einlagen, wobei Abt offensichtlich Freude an der Sache hatte und seine Gitarre schränzte, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan, als in Heavy Metal-Bands zu spielen. Einzig die Flip Flops waren nicht so richtig Schwermetall-Uniform-konform.

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Patrick Abt und Roland Reichen bei der «Sundergrund» Lesung

Freude an der Sache hatte dann auch das Büsi aus dem Quartier, dass sich zu den Klängen der Lausanner Combo Cheyenne in luftiger Höhe über der Bühne von Ast zu Ast hangelte. Cheyenne wiederum hatten es mehr mit der Tiefe. So war die Stimme von Sängerin Dayla eine kräftige und kehlige, die Gitarrenarbeit, die dazu geliefert wurde, eine bluesig-psychedelische und repetitive, alles zusammen erinnerte phasenweise ein bisschen an den verdrögten Sound von The Doors.

Generell wurde viel Französisch gesprochen gestern im Kairo-Garten. Das mag daran liegen, dass Cheyenne und die Abschluss-Combo Buvette (wer kann berichten?) beide aus Lausanne kommen, vielleicht aber auch an Puts Marie aus Biel. Sobald die Tücken der Tontechnik ausgemerzt waren, boten diese beste musikalische Dramatik. Puts Marie haben den Dreh definitiv raus, wie man Songs aufblasen und wieder zusammenfallen lassen kann. Dieses dynamische Spiel wird durch die eigentümliche nasale Stimme von Frontmann Max Usate perfekt komplementiert. Das Resultat: wunderbar schwermütige Spannung und Melancholie. Und über allem glühten die grünen Fuchsohren.

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