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Rösti-Graben vs. Kartoffel-Barriere

Gisela Feuz am Samstag den 15. Februar 2014

Hier die von Martin Luther geprägte, asketische und auf Funktionalität ausgerichtete Handwerkersprache, drüben die noble, verspielte und überkandidelte Langue der französischen Königshäuser. Humoristisch-plakativ eröffnete gestern Journalist Martin Heule sein Gastreferat zum Thema «Warum tönt welsches Radio anders?» an der vierten Ausgabe des Berner Hörfestivals sonOhr. Heule hatte selber lange Zeit in Lausanne als DRS 2-Korrespondent gearbeitet und ging in seinem äusserst informativen Referat nicht nur auf die Unterschiede bezüglich Machart, Stil und Inhalt zwischen Deutschschweizer und Westschweizer Radio ein, sondern verdeutlichte auch kulturelle Unterschiede, die der unterschiedlichen Herangehensweise ans Radiomachen zu Grunde liegen.

heule

Gastreferat Martin Heule verdeutlich anhand eines Bildes aus dem Hause Plonk & Replonk die welsche Vorstellung des Röstigrabens.

Ennet des Röstigrabens (die Welschen sprechen hierbei übrigens von einer Kartoffel-Barriere) wird gemäss Heule grundsätzlich eine urbanere Art Radio gepflegt, dies, weil flächenmässig schlichtweg weniger ländliche Teile angesprochen werden müssen als in der Deutschschweiz. Die Redebeiträge der Moderatoren und Moderatorinnen sind länger, persönlicher und familiärer (so werden am Ende einer Sendung immer alle Beteiligten inklusive Tontechniker verdankt), während in der Deutschschweiz das Diktat der kurzen Redebeiträge herrscht, ein Moderator mehr darum bemüht sein muss, es allen Hörern und Hörerinnen recht zu machen (Stichwort «Durchhörbarkeit») und dadurch automatisch weniger persönlichen Bezug herstellt.

Spannend war auch, wie Martin Heule anhand von Fernsehbildern die Einflüsse des grossen Nachbarn in Norden bzw. im Westen auf die jeweiligen Landesteile herleitete: In Deutschland und im Deutschschweizer Fernsehen wird gestanden, wenn diskutiert oder Nachrichten verlesen werden, und zwar in einem farblich dezent gehaltenen Setting. In Frankreich und der Westschweiz setzt man sich um einen runden Tisch, wobei die Farbgebung der Kulissen eindeutig mutiger gestaltet wird und für Deutschschweizer schon fast kitschig anmuten mag.

«Jeder so, wie es seiner Kultur entspricht», so das Fazit von Heules Referat. Die kulturellen Unterschiede und unterschiedlichen Einflüsse zeigen sich dann eben nicht nur bei Abstimmungen, sondern auch in der Herangehensweise ans Radio- oder Fernsehmachen. Das Resultat ist nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders.

Martin Heule hat gestern mit seinem Gastreferat die vierte Ausgabe des Berner Hörfestivals sonOhr eröffnet. Bis Sonntagabend werden im Kino Kunstmuseum und der Stadtgalerie im Progr Hörstücke unterschiedlichster Machart zu hören sein. Das ganze Programm gibts hier.

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