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Kunst – Sh(n)it

Gisela Feuz am Freitag den 4. Oktober 2013

Am Internationalen Kurzfilmfestival Shnit werden jeweils Themen-Blöcke mit unterschiedlichen Schwerpunkten gezeigt. Einer von Frau Feuz’ Lieblingsblöcken ist «Shnit Experiments», derjenige Themenblock also, der filmische Experimente vereint, die nicht dem gängigen Muster von Geschichtenerzählung folgen, sondern vielmehr die Grenzen unserer Wahrnehmung experimentell ausloten und herausfordern. Das Schöne an diesem Block ist, dass dessen Beiträge einem oftmals einigermassen ratlos zurücklassen. Oder um es mit den Worten des Herrn Sitznachbaren auszudrücken: «Was bitteschön soll eine dicke Frau in der Sauna mit Kunst zu tun haben?!»

shnit_experiments

Schimmel und Schäferhund aus «Pequeño bloque de cemento con pelo alborotado conteniendo el mar» von Jorge Lopez Navarrete

Tatsächlich mag es einigermassen absurd anmuten, wenn man die neun Beiträge des diesjährigen Experiment-Blocks rein auf ihren Inhalt zusammenfassen will. Das würde in etwa so klingen: Ein Schwarm von fliegenden Händen schubst in einer menschenleeren Stadt einen Bus in einen Abgrund. Ein Schimmel und ein Schäferhund schliessen Freundschaft und erkunden das spanische Hinterland. Das Innenleben eines Piktogramm-Männchens wird ausgeleuchtet. Skifahrer fahren einen Hang hinunter. Eine dicke Frau schwitzt in der Sauna. Polizisten verdreschen Olivenbäume. Ein Vogelhäuschen-Hochhaus und Schlafende in der U-Bahn werden porträtiert und in LA schaut man durch Fenster in Wohnungen.

«So einen Seich schau ich mir bestimmt nicht an», werden Sie sich vielleicht jetzt denken. Sie sollten es aber trotzdem tun, denn es ist nicht der erzählte Inhalt, der bei «Shnit Experiments» im Vordergrund steht, sondern eben wie Gängiges spielerisch verfremdet und Alltägliches somit zum Gegenstand der Kunst erhoben wird. Das wiederum lädt dazu ein, die eigenen ästhetischen Parameter zu überprüfen. Das mag in einigen Beiträgen weniger gut gelingen, in anderen dafür umso besser. Dem Niederländer Amos Mulder gelingt jedenfalls mit «Ceci n’est pas un rêve» eine sehr schöne filmische Transkription von René Magrittes Überlegungen zu einem Objekt und dessen Abbildung. Man wähnt sich bei Mulders traumwandlerischen Bildern definitiv in Morpheus’ Welt, wird aber vom Filmemacher selber darauf hingewiesen, dass Filme höchstens die Illusion eines Traumes erzeugen können. Wirklich träumen müssen Sie schon selber. Und definieren, was für Sie Gegenstand von Kunst sein soll/darf/muss, wohl auch.

«Shnit Experiments» wird am Samstag um 14h im Kornhausforum und am Sonntag um 15h im Kino City 2 noch einmal gezeigt.

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Ein Kommentar zu “Kunst – Sh(n)it”

  1. Elisabeth Oberli sagt:

    Keine Antwort, sondern eine Frage: Wo finde ich den Link zur Verlosung von Gratistickets fürt die shnit Kurzfilmmatinée am 4.10.2014???
    Ich möchte mich gerne um zwei Tickets bewerben, bitte antworten Sie mir asap, sonst habe ich sicher keine Chance mehr.
    Mit freundlichen Grüssen