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Hinkende Beats, exzentrische Stimmen

Benedikt Sartorius am Dienstag den 21. Februar 2012

Mit abenteuerlicher, im englischsprachigen Raum auch in Leitmedien ausgiebig gefeierter und gehörter Popmusik ist hierzulande kaum Geld zu verdienen. Das wissen beispielsweise Anhänger des tierischen Kollektivs, aber auch Freunde von Merrill Garbus alias Tune-Yards, denn natürlich war ihr Konzert im Bad Bonn nicht ausverkauft. Es war aber auch Montagabend und Düdingen ist nicht London, zumal Garbus' Musik nichts für allzu müde Seelen ist.

Mit einem Bassisten/Perkussionisten und zwei sensationellen Saxofonisten zimmerte sie – die pinkene Federboa um den Hals, dezente Kriegsbemalung im Gesicht – geduldig die Basis ihrer Tracks: Exzentrische Stimmen, Ukulele-Zupfer, rudimentär-komplexe und immerzu leicht hinterher hinkende Beats bastelt die 32-Jährige mit meisterhaft bedienten Loop-Geräten zu Songs zusammen, die den Club unterwandern, mit Westafrika und freieren Jazz-Formen flirten und reichlich Soul ausstrahlen.

Natürlich, da ist beinahe karnevaleskes Spektakel im Spiel, aber vor allem auch Songs, die live weniger aufgesplittet wirken als auf Platte: Neben rabaukenden und begeisternden Hits wie «Gangsta» waren da nämlich auch stillere Lieder wie «FIYA» oder «Doorstep» zu vernehmen, Lieder, die bei aller Buntheit und allem Abenteuer berühren und begeistern.

Und so hofft man, dass Bands wie Tune-Yards hierzulande weiterhin in solch intimem Rahmen zu erleben sind. Das nächste Mal dann hoffentlich in ganz gefülltem Hause, damit solche Veranstaltungen in Zeiten der hohen Gagenforderungen weiterhin möglich sind.

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9 Kommentare zu „Hinkende Beats, exzentrische Stimmen“

  1. zuffi sagt:

    Ist das auf Platte auch mit 2 SaxBlockflöten?

  2. Herr Sartorius sagt:

    Auf Platte ist glaub ich nur ein Blockflötler vertreten, Herr zuffi, der nur sehr sporadisch zum Einsatz kommt – im Gegensatz zum gestrigen Duo.

  3. zuffi sagt:

    Wenn wir schon beim güldenen Instrument sind: Ihnen schulde ich glaub noch ein paar Worte zu Colin Stetson.
    Bin nicht sehr begeistert. Fast alle Stücke sind eine Art Popsong im Minimalmusic-Gewand. Die ewigen Patterns langweilen mich nach 1-2 Songs. Allerdings ist die Aufnahmetechnik wirklich erstaunlich (es wurden verschiedenste Mikrofone an verschiedensten Stellen plaziert, von quasi im Instrument bis ganz weit weg und dann beim Mischen interessant verwendet).

    Das die Kurzversion.

  4. Herr Sartorius sagt:

    Herzlichen Dank, Herr zuffi, da höre ich jetzt doch rasch rein.

    Ich sah den Herrn Stetson ja am eher schwierigen und bombastischen Konzert in der Band von Bon Iver. Auch dort flirrten die Patterns mit der Zeit ja recht kalkuliert durch den Raum. (Und die Bon-Iver-Platte mag ich je nach Laune sehr, zuweilen auch überhaupt nicht.)

  5. Sehr Schade. Da wollte ich eigentlich unbedingt hin, hatte aber fortwährend den Dienstag 21.02. als Datum im Hinterkopf und als mir mein Fauxpas aufgefallen ist, war es leider schon zu spät.
    Hoffentlich kommt die Frau Garbus bald wieder. Anfang Juni wäre sicherlich im Haus oder am Wasser noch etwas zu bewerkstelligen.

  6. Herr Sartorius sagt:

    Während den Kilbi-Daten weilt Frau Garbus leider in den USA, Herr McLoughlin, und spielt beispielsweise im riesigen New Yorker Terminal 5. Was helfen kann, ist der Hinweis auf das Konzert vom 1. März im Palace zu St. Gallen, denn das ist eigentlich immer eine Reise wert.

  7. Das stimmt auch wieder, Herr Sartorius. Da hätte ein kurzer Blick auf den Tourplan eigentlich genügt.
    Das Palace besuche ich bereits diesen Freitag – mal schauen ob ich die lange und beschwerliche Pilgerfahrt in den Osten bereits eine knappe Woche später schon wieder auf mich nehmen mag.

  8. Herr Sartorius sagt:

    Ja, Freitag wird ein herrlicher Abend in der Jubiläumshütte. Zum Einschlaufen in den Tag:

  9. Ja, darauf freue ich mich sehr. Ihr Album hat bei mir den fünften Platz in der Jahresliste 2011 ergattert und im Palace war ich seit den Wild Beasts nicht mehr. Höchste Zeit also, wieder einmal ein Schützengarten zu kredenzen.

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