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  • /wp-content/uploads/sites/5/2012/10/herd.jpgDer Zitronenkuchen am Feuer an der Aare

  • /wp-content/uploads/sites/5/2012/10/amherd3.jpgDer Kuchen kam letztes Wochenende an der Aare sogar bei harten Ich-mag-Süsses-eigentlich-nicht-so-Jungs sehr gut an.

  • /wp-content/uploads/sites/5/2012/10/amherd1.jpgVerwenden Sie für die komplizierte Variante nicht etwa ein Muffin-Blech.

  • /wp-content/uploads/sites/5/2012/10/amherd.jpgKüchlein für den Sonntagsjass.

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Zitronenkuchen nach Toulouse-Lautrec


Kompliziert ist nicht immer besser. Und an der Aare schmeckt sowieso alles am besten.

Eine Freundin hat letztes Jahr die Tradition begonnen, an ihrem Geburtstag im Oktober zum Gigot an der Aare zu laden. Die Keule wird mit Honig, Knoblauch und Sojasauce mariniert, im Ofen vorgegart, auf dem offenen Feuer knusprig gebraten und auf einem Stück Brot serviert. Göttlich! Irgendwo liegen Servietten, aber Finger lecken ist schöner. Was bringt man nun an einen solchen Anlass mit? Schwarzwälder-Torte scheint dann doch etwas unangebracht und ein simples Schoggicake passt dann doch eher zur Kinderparty. Der «Zitronenkuchen nach Toulouse-Lautrec» aus dem schwarzen Notizheft meiner Grossmutter schien mir passend, leicht zu transportieren und auch ohne Geschirr sauber essbar.

Vorweg: ich habe keine Ahnung, was Toulouse-Lautrec mit diesem Kuchen zu tun hat. Das Rezept hatte Grossmami aus irgendeiner Zeitschrift ausgeschnitten und ins Heft eingeklebt. Der Bezug zum Maler wird nicht erläutert. Der Kuchen schmeckt aber auch ohne dieses Wissen sehr. Er ist angenehm süss-sauer und erfrischend und hat nicht dieses Matschig-Klebrige, das Lemon Curd Pies oft haben. Er kam letztes Wochenende an der Aare sogar bei harten Ich-mag-Süsses-eigentlich-nicht-so-Jungs sehr gut an.

Für den Teig rührt man 150 g weiche Butter, 150 g Zucker und ein Ei schaumig, fügt 300 g Mehl, eine Prise Salz und einen halben Teelöffel Backpulver hinzu und knetet die Masse zu einem Teig, der sich eine Stunde im Kühlschrank davon erholen soll. Danach wallt man ihn aus und legt ihn in ein ausgebuttertes Kuchenblech von ca. 25 cm Durchmesser. «Mit einer Gabel stupfen,» sagt das Rezept und bei 200° backen bis der Teig hellbraun ist, also ungefähr 15 Minuten.

In der Zwischenzeit kann man für die Füllung 75 g Zucker und drei Eier schaumig rühren und 1,5 dl Rahm, den Saft von zwei Zitronen und die abgeriebene Schale von einer zugeben. Diese Füllung giesst man auf den Teigboden und lässt sie 20-25 Minuten stocken, wobei ich die Hitze etwas reduziert habe, da der Teigrand schon etwa dunkel wurde.

Am nächsten Tag wollte ich zum Sonntagsjass mit Damen dasselbe nochmals in klein und fein ausprobieren und fand dazu ein Rezept aus einem Cupcake-Buch. Dieses Rezept ist unglaublich viel umständlicher, das Resultat aber nicht überzeugender. Ein Mürbeteig wird in kleinen Muffin-Förmchen blindgebacken (Achtung: Einzelförmchen, nicht etwa Muffin-Blech! Sie merken spätestens beim Entfernen der Hülsenfrüchte nach dem Blindbacken wieso) und die Füllung (etwa dieselbe wie oben, etwas mehr Zucker, weniger Rahm) wird erst in der Pfanne leicht erhitzt (wohl damit sich der Zucker auflöst) und dann durch ein Sieb gegossen (scheinbar grundlos).

Was man aus dem zweiten Rezept aber durchaus übernehmen kann ist a) die Füllung bei nur 100° stocken lassen (wird weicher und saftiger) und b) die Küchlein am Schluss mit etwas Zucker und einem Bunsenbrenner wie eine Crema Catalan karamellisieren. Das passt hervorragend zur sauren Füllung und macht das ganze etwas raffinierter.

Nicolette Kretz

Nicolette Kretz ist in Bern geboren, kehrte nach einigen Abstechern immer wieder hierhin zurück, arbeitet als Festivalleiterin und Autorin und kocht für den «Hauptstädter» Rezepte aus den Notizheften ihrer Grossmutter nach.


Publiziert am 17. Oktober 2012

2 Kommentare

  1. Philipp Rittermann says:

    klingt nicht schlecht. zur ferfeinerung gehört da aber unbedingt noch 1 dl. limoncello rein; dann ist er schön feucht und zitronig. geheimtipp -> zusätzlich noch 4 cl. wodka – dann wirds der party-knaller.

  2. margrit klaus says:

    …das klingt ja noch besser als mein altbewährter (nun wohl etwas langweilig anmutender) Bettybossizitronenkuchen, den um mich herum zwar noch immer alle lieben. Wird demnächst ausprobiert. Bei Ihnen trifft man immer wieder neue Inspirationen, Frau Kretz, ein grand merci – ich find Ihren Blog genial!

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  1. Philipp Rittermann says:

    klingt nicht schlecht. zur ferfeinerung gehört da aber unbedingt noch 1 dl. limoncello rein; dann ist er schön feucht und zitronig. geheimtipp -> zusätzlich noch 4 cl. wodka – dann wirds der party-knaller.

  2. margrit klaus says:

    …das klingt ja noch besser als mein altbewährter (nun wohl etwas langweilig anmutender) Bettybossizitronenkuchen, den um mich herum zwar noch immer alle lieben. Wird demnächst ausprobiert. Bei Ihnen trifft man immer wieder neue Inspirationen, Frau Kretz, ein grand merci – ich find Ihren Blog genial!

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