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Friedenshilfe aus dem Aargau

Im Berner Bürgerkrieg bringt sich ein aussenkantonaler Player in Stellung. Der «Hauptstädter» berichtet direkt von der Frontlinie.

Überraschende Wende in der Berner Friedenspolitik: Der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner fordert in einem Vorstoss, dass der Stadt Bern sämtliche Kulturabgeltungen des Bundes gestrichen werden, bis die «dauerhafte Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung» erreicht wurde.

Recht hat er. Schliesslich haben wir Bürgerkrieg. Zumindest wenn man der Stadtberner SVP glauben will. Die hat das nach den Ausschreitungen vor rund drei Wochen herausgefunden. So ein Bürgerkrieg ist natürlich lästig. Das öffentliche Leben steht dem Zusammenbruch nahe. Man traut sich ja kaum noch ins Kino zu gehen. Und wenn doch, dann nur um festzustellen, das praktisch alle Lichtspielhäuser der Stadt am dicht machen sind. Wahrscheinlich weil wir Bürgerkrieg haben. Die Dramatik der Lage ist nicht zu unterschätzen. Erste Hilfsgüter sind bereits bei Kriegsopfern eingetroffen. JSVP-Sympathieikone Nils Fiechter wurden beispielsweise ungefragt neun Pizzas, neun Dürüms und drei Flaschen Wein nach Hause geliefert, wie er der «Bernerzeitung» mitteilte.

Die älteren Leser unter Ihnen mögen sich vielleicht noch an 1847 erinnern. Damals hatten wir auch Bürgerkrieg. Bern konnte auf eine Vielzahl von Alliierten zählen. So auch auf den Aargau. Es ist also historisch bedingt, dass die Rettung nun aus dem allseits beliebten Autobahnkanton naht. Dass der Friedensschlichter aber gerade in der Person von Glarner, quasi Aargaus Antithese zum Dalai Lama, auftritt, überrascht schon etwas. Ob Glarners Einsatz gänzlich aus altruistischen Motiven besteht, ist fraglich. Viel mehr will er wohl bernische Asylströme in Richtung Oberwil-Lieli unterbinden.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 10. März 2017

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