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Kultur und andere Ärgernisse

Ist Musik tatsächlich haram? Laut der Berner SVP wahrscheinlich schon. Lesen Sie hier die Hintergründe.

Niemand ausserhalb des islamischen Kalifats bekämpft Musik mit solcher Härte wie die Stadtberner SVP. Nachdem über Rapper Nativ, gekürt mit einem Stipendium der Stadt Bern, ein US-Einreiseverbot verhängt wurde, lädt die SVP wieder einmal sämtliche Kanonen, um gegen Kulturförderung zu schiessen. Per Motion verlangt Stadtrat Henri Beuchat harsche Einschnitte bei der Kulturgeldervergabe. Zudem ist er darüber «schockiert», dass die Stadt Nativ ein Stipendium gewährte, obwohl der bereits Gesetzesübertritte begangen hat. Auf wie viele Peitschenhiebe das volksparteiische Strafmass festgelegt wird, ist noch zu bestimmen.

Die Richtigkeit seines Tuns begründet Beuchat auf interessante Weise. Auf Twitter schreibt er: «Ein Blick in Kommentarspalten zeigt für diese Art von Kultur kein Rückhalt in der Bevölkerung, Lösung ist Abschaffung.» Welch gewiefte Aussage. Denn stand nicht schon im Bundesbrief: «Die Kommentarspalte hat immer Recht»? Natürlich nicht! Beuchats Rechtsverständnis scheint auf derselben Pausenhoflogik aufgebaut zu sein, wie drüben im Kalifat: Wer am lautesten brüllt, liegt richtig.

Gänzlich kulturlos ist die SVP dann aber doch nicht. In der Abstimmungsurne der Neuzeit, also Kommentarspalte, hinterliess Beuchat folgendes Statement: «Die SVP steht für die Volkskultur in Vereinen und privaten Strukturen ein.» Damit die Volkskultur auch wirklich rein bleibt, sind Auslandsaufenthalte natürlich tabu und völlig unnötig. Denn auch in unserer Schweiz können reichlich neue kulturelle Einflüsse gewonnen werden. Vorschläge für Bildungsreisen: Rhythmisches Presslufthämmern mit Gölä in Oppligen, Konzertwochenende im Toggenburg.

Nun stellt sich die Frage, ob die SVP ihr Kulturbashing langfristig aufrechterhalten kann. Ihre Wählerschaft wird sich wahrscheinlich schnell wieder die gute alte Ausländerschelte zurückwünschen. Denn dort gibt es immer noch ähnlich grosse Probleme wie Kulturförderung. Zum Beispiel die Dählhölzli-Bären: Zwei Russische Migranten, Aufenthaltsstatus unbekannt, die seit 2009 in Bern wohnen, aber immer noch kein Wort Deutsch sprechen. Sie sind schlecht integriert, bleiben nur unter sich. Sie setzten zwei Kinder in die Welt. 2014 tötete Bärenvater M. eines von ihnen. Vermutlich handelte es sich um Ehrenmord. Kaum zu glauben, dass die Bären immer noch von öffentlichen Geldern unterstützt werden. Die SVP sollte schnellstens eine Initiative zur Streichung der städtischen Dählhölzligelder lancieren. Am besten auf kantonaler Ebene. Die Kommentarspalte wird entscheiden.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 17. Februar 2017

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