schliessen
  • /wp-content/uploads/sites/5/2012/11/11.jpgDie Uhr am Kornhausplatz vis-à-vis des Chindlifrässer-Brunnens ist einem Umbau zum Opfer gefallen.

  • /wp-content/uploads/sites/5/2012/11/21.jpgWahlkampf mit der fehlenden Uhr. (Screenshot «20 Minuten», Ausgabe vom 1. November 2012)

  • /wp-content/uploads/sites/5/2012/11/31.jpgEin herber Verlust: Die fehlende Uhr am Breitenrain-Tramhäuschen.

  • /wp-content/uploads/sites/5/2012/11/44.jpgDa war sie noch da, die Uhr. (Bild: Adrian Moser)

/wp-content/uploads/sites/5/2012/11/wab1.jpg


Das Ende der Pünktlichkeit


Im öffentlichen Raum scheinen Uhren zu verschwinden. Besonders tragisch: jene am Breitenrainplatz. Ist das analoge Zeitalter nun komplett am Ende? Nein. Meist kommen die Uhren nämlich wieder zurück.

Gewisse Begegnungen brennen sich für immer ins Gedächtnis ein. Da hat man als kleiner Backfisch einmal die Flikflak zuhause vergessen und befindet sich leicht verspätet auf dem Weg zum Flötenunterricht. Bleibt noch Zeit für ein Carambar am Kiosk? Man sieht sich um nach einer vertrauenswürdigen Quelle, um nach der Uhrzeit zu fragen, als ein Polizist des Wegs kommt. Doch auf die scheu geäusserte Frage hin gibt der Uniformierte nicht etwa die Uhrzeit preis, sondern bloss den schnöden Hinweis, man solle die Augen schön aufmachen, schliesslich hingen an allen grösseren Plätzen Berns Uhren zur allgemeinen Information, auch hier am Casinoplatz.

Von da an schätzt man die öffentlichen Uhren Berns als gute Freunde. Damals, weil man keine Uhr am Handgelenk trug und heute, weil man zu faul ist, das Handy aus der Tasche zu klauben.

Doch neuerdings könnte man glatt auf die Idee kommen, die Stadt Bern habe das Aushängen von Zifferblättern etwas vernachlässigt. Nicht nur die SP Bern Nord fragte sich kürzlich mehr oder minder medienwirksam, wo denn die praktische Uhr geblieben ist, die im Sommer noch das Dach des Tramhäuschens am Breitenrainplatz zierte. Ebenfalls einem Umbau zum Opfer gefallen ist die Uhr, die am Kornhausplatz vis-à-vis des Chindlifrässer-Brunnens hing – gerade für Touristen ein herber Verlust, ist das Zifferblatt am Zytglogge für Uneingeweihte doch eher schwer zu lesen. Man mag gar nicht daran denken, wie viele Reisecar-Chauffeure deshalb schon auf saumselige Passagiere warten mussten.

Findet hier ein schleichender Abbau des Service Public statt? Ist das analoge Zeitalter endgültig Geschichte? Müssen sich nun reihenweise Rentner endlich doch noch ein Mobiltelefon anschaffen, wenn sie unterwegs wissen wollen, was die Uhr geschlagen hat?

Bei der EWB, die für die Montage, das Betreiben und Warten der Uhren im öffentlichen Raum zuständig ist, gibt man Entwarnung. In den letzten zwei Jahrzehnten sei die Zahl der öffentlichen Uhren konstant geblieben: Derzeit hängen in Bern rund 60 davon. «Es gibt null Bestrebungen, die öffentlichen Uhren verschwinden zu lassen», gibt EWB-Mediensprecherin Alexandra Jäggi zur Auskunft.

Also kein Grund zur Aufregung. Doch weshalb sind dann die Zeitmesser am Breitenrainplatz und am Kornhausplatz verlustig gegangen? Beides seien Spezialfälle und nur temporär abwesend, heisst es bei der EWB. Nicht mehr lange warten müssen die Passanten auf die Rückkehr der Uhr am Kornhausplatz. Die war nur weg, weil gewisse Zuleitungen Probleme gemacht hatten. Bis spätestens Ende 2012 soll sie wieder hängen.

Keine guten Nachrichten gibt es vorerst für die SP Bern Nord. Die Uhr auf dem Dach der Tramhaltestelle passt nicht ins Umbaukonzept der Architekten. Die EWB hat lediglich noch den Auftrag, eine Uhr an der Fassade des Häuschen anzumontieren. «In den nächsten Wochen» wird es so weit sein.

In der Zwischenzeit sollte man allenfalls wieder mal versuchen, einen Polizisten nach der Uhrzeit zu fragen. Vielleicht lassen sich so am Ende ja noch Traumata beheben.

Hanna Jordi

Hanna Jordi lebt in Bern seit 1985. Etwas anderes hat sich bislang nicht aufgedrängt.


Publiziert am 5. November 2012

7 Kommentare

  1. Hanna Jordi says:

    Man braucht die Uhr auf dem Wartehäuschen nun doch noch nicht ganz abzuschreiben. Die Stadtbauten Bern melden sich mit folgendem Statement zu Wort:

    “Es ist unser Ziel, bald wieder eine Uhr auf dem Breitenrainplatz zu installieren. Die bis anhin montierte Uhr passt aber nicht mehr zum Erscheinungsbild der umgebauten Wartehalle. Wir wollen künftig eine Uhr, die dem architektonischen Stil der Wartehalle aus den 40er Jahren entspricht. Wir sind nun daran, diese zu entwickeln. Die neue Uhr wird bis spätestens Frühling 2013 installiert sein”, schreibt Nina Susedka, Leiterin Kommunikation der Stadtbauten Bern.

    Na denn – viele Quartierbewohner und mit ihnen die SP Bern Nord dürfen sich freuen.

  2. Philippe Calle says:

    Wer sich kein Handy leisten mag oder will, dem bleibt immer noch die Armbanduhr eine zufriedenstellende Hilfe. Im weltbekannten Uhrenland Schweiz ist es doch ziemlich einfach eine solche zu beziehen. Uhrenhändler gibt es ja genügend, gerade in der Stadt Bern. Ansonsten gibt auch jede Bus-, Trolleybus- und Tramhalstellen die gängige Zeit an. Und bei schönem Wetter, kann man sich immer aus der Lage der Sonne einen Eindruck über die Zeit bilden lassen. Wer sich genügend Zeit für seine Bewegungen einräumt, verletzt die Pünklichtkeit nicht. Leben ist ja anderes, als stetig gegen die Uhr zu kämpfen. Fazit: Liebe Berner, nehmen sie sich gute Zeit. :-)

    • A. Stiller says:

      Liebe Marie, ich freue mich nicht nur auf die neue uhr sondern amüsiere mich auch wöchentlich über dich, wenn du zeitvergessen zu spät kommst und flitzen musst was das zeug hält. (Dein heimlicher verehrer Anatol Stiller)

  3. Simon Pfister says:

    Hauptsache gewisse politische Kärfte erhalten nun sogar schon aus solchen Blogs Rückenwind. M. E. gibt es nichts überflüssigeres als eine Uhr an einer Tramhaltestelle, an welcher mir brav angezeigt wird, wann das nächste Tram kommt und wenn ich wirklich mal meine Uhr UND mein Handy zu hause vergessen habe, ich aber dringend die Zeit wissen muss, frage ich halt eine mir fremde Person.

  4. Philipp Ritteremann says:

    ja. aber mal hand aufs herz. wer braucht heute noch öffentliche uhren – und wann haben sie das letzte mal auf eine geschaut – ausser vielleicht zum zeitvergleich mit ihrer armbanduhr und/oder der zeitangabe auf dem smart-phone? öffentliche uhren sind schön, wenn sie noch etwas altertümlichen charme versprühen; beim anblick der bahnhofs-uhren graut es mir jedoch.

  5. Andrea Mordasini, Bern says:

    Für alle Breitschler: Ich habe tolle, gute News! Seit heute vormittag wird am Breitschplatz endlich, endlich die lang ersehnte und vermisste Uhr installiert :). Ich denke, dass spätestens ab morgen Freitag, auch der “Breitschplädu” wieder mit der Zeit gehen kann und Ausreden fürs Zuspätkommen, das Tram Verpassen, etc dann nicht mehr gelten… ;)

Alle Kommentare zeigen
  1. Hanna Jordi says:

    Man braucht die Uhr auf dem Wartehäuschen nun doch noch nicht ganz abzuschreiben. Die Stadtbauten Bern melden sich mit folgendem Statement zu Wort:

    “Es ist unser Ziel, bald wieder eine Uhr auf dem Breitenrainplatz zu installieren. Die bis anhin montierte Uhr passt aber nicht mehr zum Erscheinungsbild der umgebauten Wartehalle. Wir wollen künftig eine Uhr, die dem architektonischen Stil der Wartehalle aus den 40er Jahren entspricht. Wir sind nun daran, diese zu entwickeln. Die neue Uhr wird bis spätestens Frühling 2013 installiert sein”, schreibt Nina Susedka, Leiterin Kommunikation der Stadtbauten Bern.

    Na denn – viele Quartierbewohner und mit ihnen die SP Bern Nord dürfen sich freuen.

  2. Philippe Calle says:

    Wer sich kein Handy leisten mag oder will, dem bleibt immer noch die Armbanduhr eine zufriedenstellende Hilfe. Im weltbekannten Uhrenland Schweiz ist es doch ziemlich einfach eine solche zu beziehen. Uhrenhändler gibt es ja genügend, gerade in der Stadt Bern. Ansonsten gibt auch jede Bus-, Trolleybus- und Tramhalstellen die gängige Zeit an. Und bei schönem Wetter, kann man sich immer aus der Lage der Sonne einen Eindruck über die Zeit bilden lassen. Wer sich genügend Zeit für seine Bewegungen einräumt, verletzt die Pünklichtkeit nicht. Leben ist ja anderes, als stetig gegen die Uhr zu kämpfen. Fazit: Liebe Berner, nehmen sie sich gute Zeit. :-)

    • A. Stiller says:

      Liebe Marie, ich freue mich nicht nur auf die neue uhr sondern amüsiere mich auch wöchentlich über dich, wenn du zeitvergessen zu spät kommst und flitzen musst was das zeug hält. (Dein heimlicher verehrer Anatol Stiller)

  3. Simon Pfister says:

    Hauptsache gewisse politische Kärfte erhalten nun sogar schon aus solchen Blogs Rückenwind. M. E. gibt es nichts überflüssigeres als eine Uhr an einer Tramhaltestelle, an welcher mir brav angezeigt wird, wann das nächste Tram kommt und wenn ich wirklich mal meine Uhr UND mein Handy zu hause vergessen habe, ich aber dringend die Zeit wissen muss, frage ich halt eine mir fremde Person.

  4. Philipp Ritteremann says:

    ja. aber mal hand aufs herz. wer braucht heute noch öffentliche uhren – und wann haben sie das letzte mal auf eine geschaut – ausser vielleicht zum zeitvergleich mit ihrer armbanduhr und/oder der zeitangabe auf dem smart-phone? öffentliche uhren sind schön, wenn sie noch etwas altertümlichen charme versprühen; beim anblick der bahnhofs-uhren graut es mir jedoch.

  5. Andrea Mordasini, Bern says:

    Für alle Breitschler: Ich habe tolle, gute News! Seit heute vormittag wird am Breitschplatz endlich, endlich die lang ersehnte und vermisste Uhr installiert :). Ich denke, dass spätestens ab morgen Freitag, auch der “Breitschplädu” wieder mit der Zeit gehen kann und Ausreden fürs Zuspätkommen, das Tram Verpassen, etc dann nicht mehr gelten… ;)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Verbleibende Anzahl Zeichen:

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.