Rendite von bis zu vier Prozent ohne Risiko?

Nicht ausschliesslich auf Zürcher oder Berner Immobilienfonds setzen: Prime Tower in Zürich. Foto: Reto Oeschger

Nicht ausschliesslich auf Zürcher oder Berner Immobilienfonds setzen: Prime Tower in Zürich. Foto: Reto Oeschger

Meine Frau und ich besitzen für über 50’000 Franken Anteile am Immobilienfonds Immo Helvetica. Sollen wir wegen der schönen Rendite bei diesem Fonds noch aufstocken? A. D.

Der Immo Helvetic investiert schweizweit in Wohn- und Geschäftsliegenschaften, wobei ein grosser Teil der gehaltenen Immobilien im Kanton Bern liegen. Das hat nicht zuletzt historische Gründe. Denn der Immobilienfonds, welcher an der Schweizer Börse kotiert ist, wurde 1963 von der Berninvest gegründet, welche das Finanzvehikel heute noch erfolgreich führt. Im letzten Jahr wurde laut Firmenangaben das beste Geschäftsjahr seit Gründung erreicht.

Das hat nicht nur für den Fonds das Interesse von Investoren geweckt, sondern auch gleich für die Fondsfirma Berninvest. Die Vaudoise-Versicherung hat die Fondsleistungsfirma mit verwalteten Vermögen von 1,4 Milliarden Franken übernommen. Der Westschweizer Versicherer verspricht sich von dem Kauf Skaleneffekte beim Kauf von grossen Immobilienprojekten.

Eine Garantie, dass der Immo Helvetic auch künftig wie seit sieben Jahren eine Performance von über 8 Prozent pro Jahr erreicht, haben Sie allerdings auch mit der neuen Aktionärsstruktur nicht. Immerhin dürfen Sie aber davon ausgehen, dass der Fonds auch künftig eine erfreuliche Ausschüttungsrendite von fast drei Prozent erreicht. Da Sie bereits einen beträchtlichen Teil Ihres Ersparten in dem Fonds parkiert haben, würde ich Ihnen von einem Zukauf abraten und stattdessen dringend eine Diversifikation empfehlen, denn Sie sind einem hohen Klumpenrisiko ausgesetzt, wie ich vermute.

Falls der Immobilienmarkt – etwa im Zuge steigender Zinsen – einbricht, müssten Sie mit erheblichen Buchverlusten rechnen. Sie sollten daher prüfen, ob Ihre Depot-Diversifikation genügend breit ist. Einerseits bezogen auf verschiedene Anlagegruppen wie Anleihen, Aktien, Rohstoffe und eben Immobilien. Anderseits auch in der Anlagegruppe Immobilien selbst. Neben etlichen Immobilienfonds gibt es an der Schweizer Börse mit Allreal, Mobimo, Swiss Prime Site, Intershop oder PSP Swiss Property und weiteren eine gute Auswahl an kotierten Immobilienfirmen.

Attraktiv stufe ich insbesondere die Swiss Prime Site ein. Diese ist die am besten rentierende Schweizer Immobilienaktie mit einer stolzen und auch bezogen auf den Sektor überdurchschnittlichen Dividendenrendite von rund vier Prozent. Im Vergleich zu anderen Immobiliengesellschaften ist die SPS auch nicht ganz so teuer, wenngleich auch nicht mehr billig.

Doch auch da tragen Sie das Marktrisiko: Sollte es irgendwann zu einem Immobiliencrash kommen, was ich momentan nicht erwarte, wären auch bei diesem Titel heftige Kursrückschläge zu erwarten. Gratis gibt es auch bei diesem Vehikel die vier Prozent Ausschüttung nicht.

3 Kommentare zu «Rendite von bis zu vier Prozent ohne Risiko?»

  • Paul sagt:

    Die grossen Blasen sind derzeit exakt bei Immobilien, aber auch bei Aktien und Obligationen. Es spricht also nichts gegen Gewinnmitnahmen!
    Wenn schon diversifizieren, dann in die aktuell sehr billigen Rohstoffe oder in physische Edelmetalle inkl. Platin.
    Zudem empfehle ich zur Absicherung unserer Zahlungsverkehrskonten dringend die Annahme der Vollgeld-Initiative, welche 2018 zur Abstimmung gelangen sollte! Es ist an der Zeit, sich damit zu beschäftigen. Wer den Banken glaubt, ist selber schuld. Das Risiko trägt nicht die Bank. Die haben andere Sorgen.

  • Josef Marti sagt:

    Risikolose Rendite würde heissen man orientiert sich zB am 5 Jahres Swapsatz, dieser ist glaub ich irgendwo um Null herum.

  • Interessent sagt:

    Lieber A.D.
    Immobilienfonds sind sehr stark von der FINMA reguliert, hingegen Immobilien-Aktiengesellschaft nicht. Wie z.B. die SPS hat eine Eigenkapitalquote von rund 46% – d.h. die Fremdfinanzierung liegt bei 54%. d.h. falls der Immobilienmarkt einbrechen würde, muss die SPS der finanzierende Bank einen Nachschuss leisten, d.h. die Aktinäre müssen die Aktiengesellschaft stützen. Das Risiko ist somit bedeutend hoch.
    Beim Immo Helvetic oder auch andere Immobilienfonds liegt die Fremdfinanzierungsquote bei rund 22%. Auch wenn der Markt einbrechen würde, muss der Immo Helvetic keine Nachschüsse leisten. Somit ist das Risiko viel tiefer.
    Ich persönlich würde der Gesellschaft treu bleiben.

Kommentar

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