Sie haben Anspruch auf Mietzinsreduktion

Kurzschluss: Die Schäden können zu einer reduzierten Miete führen. Foto: Getty

Kurzschluss: Die Schäden können zu einer reduzierten Miete führen. Foto: Getty

Wir wohnen in einer Mietwohnung und hatten einen Kurzschluss erleben müssen. Zuerst brannte der Fernseher, und sämtliche elektrische Geräte wie Kühlschränke und Tiefkühler sind nicht mehr brauchbar sowie die Lebensmittel nicht mehr geniessbar. Der Elektriker bestätigte uns, dass dies ein baulicher Fehler ist. Wir warten auf den Ersatz der Geräte. Haben wir Anrecht auf eine Mietzinsreduktion? B. B.

Ja. Vorausgesetzt, dass die Ursache des Kurzschlusses, der die Geräte zerstörte, nicht ein Fehler bei Ihnen, sondern beim Gebäude des Vermieters war; dann haben Sie Anspruch auf eine temporäre Mietzinsreduktion. Artikel 259d des Obligationenrechtes sieht eine Herabsetzung des Mietzinses vor, wenn «die Tauglichkeit der Sache zum vorausgesetzten Gebrauch beeinträchtigt oder vermindert» wird. In diesem Fall kann gemäss Gesetz «der Mieter vom Vermieter verlangen, dass er den Mietzins vom Zeitpunkt, in dem er vom Mangel erfahren hat, bis zur Behebung des Mangels entsprechend herabsetzt».

Im konkreten Fall können Sie geltend machen, dass Sie verschiedene Geräte, die Bestandteil der vermieteten Wohnung sind, nicht nutzen können und damit Nachteile in Kauf nehmen müssen. Zudem können Sie den Schaden für die Defekte an eigenen Geräten wie dem Fernseher und allenfalls die Kosten der verdorbenen Lebensmittel und Ihre Umtriebe in Rechnung stellen.

Schwieriger ist indes die Beurteilung der Frage, wie viel die Mietzinsreduktion für Sie schliesslich ausmacht. Gemäss Rechtsprechung hängt dies davon ab, wie gross die Nachteile für Sie waren und sind, die Ihnen durch den Schaden entstanden sind. Auch macht es einen Unterschied, ob Sie nur zwei bis drei Tage auf Küchengeräte verzichten mussten oder einen ganzen Monat. Hier besteht somit einiges an Ermessensspielraum.

Ich rate Ihnen, den Anspruch auf eine temporäre Mietzinsherabsetzung bei Ihrem Vermieter mit Bezugnahme auf den Schaden schriftlich anzumelden und konkret aufzuzeigen, welche weiteren Schäden und Umtriebe Ihnen dadurch zusätzlich entstanden sind. Je genauer Sie diese aufzeigen können, desto besser. Allenfalls können Sie noch Belege für die verdorbenen Lebensmittel vorlegen.

Falls die Schadensursache klar beim Vermieter liegt, gehe ich davon aus, dass Ihnen dieser eine einvernehmliche Lösung vorschlagen wird, mit der Ihre Nachteile abgegolten werden. Dies sollte an sich kein Problem sein, da eine grosse Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Vermieter den Schaden seiner Versicherung oder derjenigen des aussenstehenden Schadenverursachers anmelden kann.

Falls der Vermieter dennoch keine Hand für eine Lösung bietet, können Sie sich an die Schlichtungsbehörde für Mieter wenden. In Ihrem Kanton Zürich ist dem Bezirksgericht Ihres Bezirks eine paritätisch zusammengesetzte Schlichtungsbehörde angegliedert, der je ein Vertreter von Mieter- und Vermieterorganisationen angehört und die dann eine Schlichtungslösung zu erzielen versucht.

5 Kommentare zu «Sie haben Anspruch auf Mietzinsreduktion»

  • Karl von Bruck sagt:

    Von der Moeglichkeit von Mietzinsreduktionen wird viel zu wenig Gebrauch gemacht; vor allem aufgrund von Wissensluecken oder (leider zu oft begruendeter) Angst vor Repressalien des Vermieters. Die Eigentuemer in ihrer Villa an Strassen mit Fahrverbot fuer den Durchgangsverkehr futieren sich vor allem um den Laermschutz in ihren zu mickrig laermgedaemmten Mietskasernen. In Deutschland hat einer ueber dem Schlafzimmer eines Nachtarbeiters eine „Wohnung“ gar an eine Kita vermietet. Ruhigen Mieterschaften werden laermende Mitmieter zugemutet, die der Vermieter niemals im oberen Stock seiner Villa tolerieren wuerde. Leider ist die neofeudale Juxtiz sehr zoegerlich, mit der Absegnung von Mietzinsrduktionen und sie fallen zur Abhilfe gar gesundheitsschaedlicher Mengel kaum motivierend nur mick

  • Gertrud Frey sagt:

    Wenn die Liegenschaft einem grossen Cher Konzern gehört macht der Mieterverband gar nichts sondern schickt Formulare mit Auflistungen die der Mieter nicht gut kennt weil er ja nicht beim Mieterverband arbeitet und diese Formulare muss er dann unterschrieben zurücksenden. Ist Hans was Heiri kann man sein lassen denn geholfen wird einem so nicht.

  • Josipovic Zlatko sagt:

    Um dann zu riskieren irgend einmal die Kündigung zu erhalten, das sind Märli Ratschläge, vielmehr muss der Mieter wissen dass er so oder so, in irgendeiner Situation der Benachteiligte ist und bleibt, kein Staat auf dieser Welt kann ihm und will ihm helfen !!! temporäre Mietzinsreduktion….lächerlich

    • Karl von Bruck sagt:

      In einem Staat, der seine Grenzen fuer auslaendische Lohndoemper und Mietzinstreiber ohne Familienbande zu eigenen Buergern schliesst, statt weit oeffnet, kann der Arbeits- und Wohnungsmarkt wieder spielen. Da wuerden mangels genug alles schluckenden Duckmeusern auch Arbeiter wieder angestellt und Mieter akzeptiert, die sich fuer ihre Rechte wehren….

  • Vinzenz Bieri sagt:

    Der vorliegende klassische Schadenfall gehört unverzüglich der eigenen Hausratversicherung gemeldet, gleichzeitig der Privathaftpflichtversicherung oder dem Mietverein. Auf keinen Fall sollte ein Mieter von sich aus mit dem Vermieter einen Rechtsstreit vom Zaun brechen, denn die Versicherungen haben Juristen und professionelle Rechtsanwälte zur Hand, welche dem Mieter zum Recht verhelfen. Allfällige Korrespondenzen des Vermieters müssen konsequent an die Hausratversicherung weitergeleitet werden, der Mieter sollte nichts in die eigenen Hände nehmen, keine Telefonate führen, niemals ein zugestelltes Formular des Vermieters unterschreiben und den Vermieter einzig und allein zusammen mit einem Rechtsvertreter der eigenen Versicherung in der Wohnung empfangen.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.