Dehnen zu Death Metal

So entsteht Kultur. Na ja, meistens.

In etwa so dramatisch stellen wir uns «Schwarzes Yoga» vor. Foto: a4gpa (Flickr.com)

Eigentlich finden Sie Yoga gar nicht so uninteressant, meine Damen und Herren, aber Sie haben keine Lust (mehr) auf Zürichberg-Hausfrauen mit 400-Franken-Goldsträhnchen und Louis-Vuitton-Yogamatten? Da hätte ich vielleicht was für Sie: Schwarzes Yoga. Das ist nach Selbstbeschreibung «klassisches Hatha-Yoga, achtsam und liebevoll angeleitet, für Metalheads, Goths, Nerds, Rocker und alle anderen, die Bock auf Metal, Hardrock, Dark Ambient oder Drone haben» (und falls Ihnen einige der sogenannten schwarzen Musikrichtungen nichts sagen: Fragen Sie Google). Die Yogis und Yoginis tragen Schwarz, der Raum ist dunkel. Diese Yoga-Variante gibts im Moment, natürlich, erst mal nur in Berlin – doch vielleicht bald auch bei uns, wenn sich die Nachfrage regt.

Schwarzes Yoga ist schliesslich eine interessante Abweichung, eine neue Kombination – und auch andere Kombinationen wären immerhin denkbar: New-Wave-Yoga, zum Beispiel, oder Folk-Punk-Yoga oder, vielleicht erst mal etwas softer: Disco Yoga. Analog zu Disco Cycling, das gibts ja auch schon. Und überhaupt liegt doch in der leichten Abweichung und Neuzusammensetzung oft der kulturelle Fortschritt, und deshalb haben wir hier, wie Sie es von dieser Kolumne gewohnt sind, den Faden mal weitergesponnen … und sind auf neue interessante Mischformideen für verschiedenste Abteilungen der Populärkultur gestossen, zum Beispiel:

  1. Gin-und-Tonic-Pilates

    Selbsterklärend. Mit Barkeeper und Easy-Listening-Untermalung.

  2. Outdoor-Linie von Donatella Versace für Jack Wolfskin

    Nieten, Pailletten, Sicherheitsnadeln und Reissverschlüsse auf vollsynthetischen Abenteuermaterialien wie Neopren, Flextough und Durafuse; ganz ausgezeichnet geeignet, wenn man gegen Ölteppiche ankämpfen will oder Anden-Trekking betreibt oder ein aktives Seniorenleben geniessen möchte.

  3. Louis-XVI-Linie bei Ikea

    Oder wie auch immer der äquivalente schwedische König auch hiess, wahrscheinlich Gustav der Soundsovielte.

  4. Tiefkühl-Streetfood

    Für Hipster und Hipsteretten mit wenig Zeit.

  5. «Szenen einer Ehe»

    Als Pixar-Film. Mit sprechenden Steinen.

2 Kommentare zu «Dehnen zu Death Metal»

  • Meinrad sagt:

    Zu 5: «Mit sprechenden Steinen.»

    Gregorius war zur Busse siebzehn Jahre auf einem Stein im Meer angekettet (Hartmann von Aue, ca. 1300; Thomas Mann, Der Erwählte, 1951). Gregorius hätte an gnädigerweise sprechenden Steinen sicherlich seine helle Freude gehabt. Gregorius wurde dann Papst, also Nachfolger Petri. Sein Binde- und Löseschlüssel war jener, mit dem er die Kette damals abgeschlossen hatte, der in einem Fischbauch gelandet war und er aufgrund eines Zufallfischfangs wiedergewann. Zum heutigen Palmsonntag passt der Einzug von Gregorius auf einem Maultier in Rom: Jesus zog auf einem Esel in Jerusalem ein. Die Jünger lobten ihn als gesegneten König; die Pharisäer riefen Jesus zu, sie sollten schweigen. Jesus erwiderte: «Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.»

  • Meinrad sagt:

    Bei Death Metal werden martialische Melodien auf sehr tief gestimmten E-Gitarren gespielt (Wiki). Die Musik der Band «Die Apokalyptischen Reiter» ist eine Mischung aus Black-, Death-, Thrash- und Power Metal sowie Rock und Folk (Wiki), offenbar auch „interessante Mischformideen“, welche man «Montagen» (Th. Mann an Adorno am 30.12.1945) nennen könnte. In Manns «Doktor Faustus» schuf Leverkühn in sechs Monaten das Oratorium «Apocalipsis cum figuris», vor seinen Augen u.a. das erste Blatt der Holzschnitt-Serie Dürers von 1498 zur Offenbarung des Johannes. ― Das zwölfte Blatt der Serie bezieht sich auf die Stelle, wo auf griechisch das Kitharen-Spiel erklingt, wie die Stimme eines grossen Donners; die Auserwählten singen ein neues Lied. Die Apokalypse bringt offenbar Metal! Black Sabbath?

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