Perfekte Angebote?

In einer massgeschneiderten Welt.

KKL oder Verkehrshaus? Die SBB-App will es wissen. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Kürzlich entstand eine kleine Aufregung, meine Damen und Herren, weil bekannt wurde, dass die SBB Kundendaten ihrer Fahrplan-App auswerten wollen, um sogenannte zielgruppenspezifische Werbung zu platzieren. Vielfach zitiert wurde das Beispiel, dass dann also ein Erstklasspassagier bei der Einfahrt in Luzern eine Empfehlung für ein Konzert im Kultur- und Kongresszentrum KKL erhalten würde, während Zweitklasspassagieren ein Besuch im Verkehrshaus vorgeschlagen werde. – Ist das gut oder schlecht? Nun, spinnen wir den Faden einmal weiter. Vielleicht hilft uns das bei der Urteilsfindung.

  1. SBB-Erstklasspassagiere erhalten bei der Einfahrt in Zürich eine Empfehlung fürs Ballet «Anna Karenina» im Opernhaus.

    Zweitklassreisenden wird der Besuch des Musicals «Ewigi Liebi» ans Herz gelegt.

  2. SBB-Erstklasspassagieren wird bei der Einfahrt in St. Gallen «Nabucco» im Theater St. Gallen empfohlen.

    Zweitklassreisenden: «Flashdance» im Theater St. Gallen.

  3. Empfehlung für First-Class-Passagiere der Swiss bei der Landung in Genf: Truffes du Jour.

    Für Business-Passagiere: Etwas gegen Reflux.

    Für Economy-Reisende: Bachblüten.

  4. Die Credit-Suisse-App empfiehlt je nach Banking-Paket:

    Hedgefonds-Anteile für Platin-Kunden.

    Heckenscheren für Gold-Kunden.

    Nagelscheren für Silber-Kunden. Oder den Besuch des Musicals «Ewigi Liebi».

  5. Die Musikerkennungs-App Shazam empfiehlt je nach meistgesuchter Musikrichtung:

    Hip-Hop: Swarovski.

    Volkstümlich: Gartenmöbel.

    Ed Sheeran: Bridget-Jones-DVD-Kollektion.

3 Kommentare zu «Perfekte Angebote?»

  • Ueli Custer sagt:

    Wo ist das Problem? Die Geschäftswelt lebt davon, dass es Angebote gibt die einen Nutzer suchen. Und wenn das mit Hilfe moderner Technologie geschieht, ist das doch nichts als völlig normal.

  • Peter sagt:

    Danke für diesen Artikel. Ich dachte eigentlich, ‚zielgruppenspezifisch‘ sollte möglichst genau auf die Zielgruppe passen. Aber wer sagt denn, dass ich mich für ‚Ewigi Liebi‘ begeistern kann? Nur, weil ich 2. Klasse fahre? Aber Hauptsache, man kann die Leute mit noch mehr Reklame nerven…

  • Meinrad sagt:

    Zu 2: Gemäss persönlicher Auskunft eines (echten) Experten war die Musik an der Premiere von «Nabucco» so so la la und die Inszenierung mager.
    Zu 4: Hedgefonds sollten im Grunde genommen vollständig der Heckenschere zum Opfer fallen.

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