Bitte zurückbringen

Ein paar Dinge wollen wir wiederhaben

Glamouröse Träne statt Rotzfahne: Szene aus «Ballade du soldat» (1960). (Bild: Getty Images)

Die Band The Jesus and Mary Chain gibts immer noch, meine Damen und Herren. «Damage and Joy», so heisst das neue Album, was sich irgendwie selbst negiert, wird es in Permanenz betrieben. Die Revolution kann nicht für immer dauern. Gleiches gilt für die Einstürzenden Neubauten. Die gibts ebenfalls immer noch, immer noch unter dem Titel «Experimental-Rockband», auch wenn sie inzwischen eher renovierungsbedürftigen Altbauten gleichen. Die Neubauten absolvieren gerade eine Greatest-Hits-Tour – was so ungefähr allem widerspricht, wofür sie einst standen. Oder, um es mit einem meiner Lieblingszitate aus dem unsterblichen Film «Withnail and I» auszudrücken: «They’re selling hippie wigs in Woolworth’s, man.» Das wären also Pop-Phänomene, die ihre Zeit überschritten hätten. Aber ein paar andere Phänomene der Alltagskultur könnten ruhig noch einmal wiederkommen, zum Beispiel:

  1. Die Concorde

    Und, da wir beim Thema sind, ich hätte gern auch wieder mehr Flugkapitäne bitte, die ihrem Klischee entsprechen. Die also genau so aussehen, wie man sich einen Flugkapitän vorstellt. Das, woran Sie jetzt denken. Die in der Tat so sehr dem Stereotyp eines Flugkapitäns entsprechen, dass sie überhaupt nur in der Wirklichkeit vorkommen können.

  2. Zweierli zum Mittagessen

    War früher auch in den Kantinen grosser Schweizer Unternehmen üblich. Ist heute verpönt. Nicht, dass wir schon mittags trinken wollen. Aber das soziale Naserümpfen scheint uns ein bedenkliches Zeichen einer zunehmenden Prüdisierung, die gestoppt werden muss.

  3. Weinen wie Greta G.

    Früher glitzerten auf den Starwangen der Leinwand glamouröse Glyzerin-Tränen; heute glitzert gar nichts, sondern wir sehen pseudorealistische Rotz- und Schnodderfahnen im Stil der Arte Povera. Die Clips rund um die Oscars waren voll davon. Dazu gehört freilich, weil mutmasslich (hoffentlich!) genauso fake, genauso wenig schauspielerische Leistung wie früher beim Glyzerin. Sieht nur schlimmer aus.

  4. Restaurantreservationen übers Telefon

    Und nicht die Eingabe von ganzen Datensätzen online, bloss um zum Lunch zu reservieren. Ich bevorzuge eine lebende Person, der ich sagen kann, dass ich Tisch 13 wünsche.

  5. «aktiv» und «sozial»

    Statt «proaktiv» und «prosozial». Die Vorsilbe ist sinnfrei.

3 Kommentare zu «Bitte zurückbringen»

  • Hans Schmid sagt:

    Gibt es tatsächlich Lokale, wo man nur online reservieren kann?
    Im Gegenteil: Ich sehe auf den Online-Formularen vielerorts den Hinweis, man möge kurzfristige Reservationen doch bitte telefonisch machen. Mutmasslich weil die Online-Reservationen nicht so rasch oder nicht so häufig bearbeitet werden.

  • Lori Ott sagt:

    Wovon redet Herr Dr. P. Tingler? Ich habe einen Tisch im Restaurant noch nie anders als telefonisch reserviert.

  • Meinrad sagt:

    Ich wünsche mir die „Weltwoche“ (ohne Marcel Kippel) und den „Spiegel“ zurück, wie diese in den Achtzigern geschrieben wurden. Und ich möchte meinen analogen Festnetz-Anschluss mit eigener Schwachstromversorgung behalten!

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.