Total überschätzt

Fünf Phänomene, die einer kritischen Bewertung harren.

Von wegen süss: Koalas übertragen Clamydien und haben scharfe Krallen. (Bild: Reuters/Tim Wimborne)

«Überschätzt», meine Damen und Herren: «Overrated». Das ist, neben «traurig» («sad») eines der Lieblingsverdikte des brandneuen US-Präsidenten Donald Trump. Das Broadway-Musical «Hamilton» ist «überschätzt», weil Vize-Präsident Mike Pence bei einem Besuch desselben ausgebuht und von der Bühne zu Respekt und Menschlichkeit ermahnt wurde. Die dreifache Oscar-Preisträgerin und achtfache Golden-Globe-Gewinnerin Meryl Streep ist «überschätzt», weil sie ihre Rede zur Annahme des Cecil-B-DeMille Award dafür nutzte, an den Wert der Zivilität zu erinnern. Nun. Wir nehmen die neue Präsidentschaft zum Anlass, diese Woche einmal den Blick auf ein paar Phänomene zu richten, die tatsächlich überschätzt werden. Here we go:

  1. Koalas

    Übertragen Chlamydien. Und haben diese kleinen dämonischen Krallen. Totally overrated.

  2. Casablanca

    Dramatisch überschätzt. Sowohl die Stadt wie der Film.

  3. Streetfood

    Primitive Nahrungsmittel werden nicht automatisch dadurch besser, dass man sie zu horrenden Preisen von einem Lieferwagen verhökert. Noch schlimmer: Craft Beer. Und alles mit dem Vorsatz «Pop-up».

  4. Die Spätmoderne

    Jaja, die Autos fahren von selbst und der Kühlschrank kommuniziert mit dem Smartphone. Aber besagtes Smartphone entleert gerne mal schlagartig die Batterie, wenn man es gerade dringend braucht. Und in der Schweiz kann man immer noch keine fettarme Frischmilch kaufen. Und namhafte Paketlieferdienste können immer noch keine genaueren Lieferzeitfenster angeben als: «nachmittags».

  5. «Hamilton»

    Das Musical, das Genre an sich, ist überschätzt. Wo Trump recht hat, hat er recht.

 

1 Kommentar zu «Total überschätzt»

  • Meinrad sagt:

    Überschätzt wird der knochentrockene und inhaltsleere kategorische Imperativ von Kant. Es ist nicht nur des Menschen Wunsch, sondern sein archaisches und somit determiniertes Bedürfnis, dem Leben eine Prise Salz zu verabreichen, vgl. Epikur. Zum Leben gehören Lust und Wolllust, aber auch Unlust. Hier kommt der Mensch nicht seinen Pflichten nach, die er nach einem allgemeinen Gesetz, selbst wenn dies in angeblicher Autonomie geschähe, ohenhin nicht evaluieren könnte, denn die Gesellschaft gibt Vorgaben, ohne welche Autonomie solipsistisch wäre. Vielleicht ist die Frage nach der Autonomie nicht einmal zweckhaft, da sich deswegen die Klingen immer kreuzen werden, vgl. Richard Rorty. Kurz gefasst bietet auch Kant keine Letztbegründung, ausser irgendein „Bewusstsein überhaupt“.

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