Die Sprache der Dinge

Und das Politische.
Violettes Revers, Hillary Clintons Botschaft der Versöhnung. (Montage: Nathalie Blaser)

Violettes Revers, Hillary Clintons Botschaft der Versöhnung. (Montage: Nathalie Blaser)

Wir sprechen ja in dieser Rubrik gelegentlich über Konsumbotschaften, meine Damen und Herren, die Sprache der Dinge, Geltungskonsum, die performativen Aspekte des Besitzes, wenn ich es ausdrücken soll wie ein französischer Soziologe.

Das lässt sich natürlich auch direkt ins Unmittelbar-Politische übersetzen. So hat die «New York Times» festgestellt, dass Hillary Clinton zu einer Botschaft der Versöhnung ansetzte, als sie für ihren ersten Auftritt nach ihrer Wahlniederlage am 9.11. einen Ralph-Lauren-Hosenanzug mit violettem Revers anlegte, also Rot (für die Republikaner) und Blau (für die Demokraten) in einer Farbe vereinte, indem sie das Land zur Einheit beschwor. Und Michelle Obama setze diese Signale fort, als sie sich für das erste Treffen mit ihrer Nachfolgerin Melania Trump im Weissen Haus für ein violettes Kleid von Narciso Rodriguez entschied. Die «New York Times» nannte das «a nice bit of color diplomacy». (Narciso Rodriguez ist der Sohn kubanischer Emigranten und verkörpert eine typisch amerikanische Erfolgsgeschichte; er ist ebenfalls der Designer des schwarz-roten Kleides, dass Michelle Obama damals bei der Siegesrede ihres Mannes 2008 in Chicago trug.)

Diktator-Chic

Was Melania Trump angeht, so hat immer noch kein Label offiziell verlautbart, sie einzukleiden. Sie trug Schwarz beim Treffen mit Michelle Obama, was einige Kommentare hervorrief, doch es ist zu früh, um beurteilen zu können, ob und wie Melania Trump ihre Kleider sprechen lässt. Ihr Mann hingegen bevorzugt eine eindeutige Sprache der Dinge. Schon vor der Wahl waren überall Fotos des Penthouse im Trump Tower zu sehen, dessen innenarchitektonischer Modus, für den ich das Etikett «Casinostil» vorschlagen möchte, unlängst sehr treffend von Ian Hislop auf der BBC-Show «Have I Got News for You» bezeichnet wurde, nämlich als «late Gaddafi». Oder «perhaps early Saddam», wie Hislop fortfuhr, jedenfalls: «a riot of vulgar dictator chic».

Hillary hätte offenbar Blumenmuster fürs Weisse Haus bevorzugt. Was sagt uns das?

6 Kommentare zu «Die Sprache der Dinge»

  • Stefan W sagt:

    Ich denke auch, dass Hillary mit viel charmanterem Lächeln andere Länder und Leute bombardiert hätte, als Trump (man kann das auf youtube seht gut an „we came, we saw, he died“ sehen.) Und da die Form ja bekanntlich wichtiger ist, als der Inhalt, wäre allein das schon Grund genug gewesen, sie , ihre violetten Kleider und ihre Blumenmuster zu wählen. Niemand versteht, wieso die Amerikaner sie nicht genug liebten. Möglicherweise sollte sie darüber ihre Memoiren schreiben.

    • J. F. Downtown sagt:

      Oh, doch es gab mehr als genug Gründe Hillary nicht zu mögen. Mit Kleider, Farben und Lachen ist es bei weitem nicht getan. Viel mehr erstaunt, wie schlecht alle ausserhalb der USA über die eigentlichen Zustände im Land informiert sind. Nichts mit Blümchen und Grinsen. Es war die Wahl zwischen Hexe und Narr.

  • Pedro Riengger sagt:

    Man kann auch Goldkettchen und Motto-Shirts mit Turnschuhen tragen (also optisch an einen Türsteher einer Disco im Aargau erinnern) und mit dem, was man über Stil schreibt, trotzdem mehrheitlich recht haben, oder? Vom (doch meist mehr oder weniger der gedehnten Norm entsprechenden) Äusseren auf das Denken und Handeln – oder gar auf das Portemonnaie – zu schliessen, machen doch nur ganz kleine Geister. Da diese jedoch die Mehrheit darstellen, haben Politiker meist entsprechende Berater … PS: Eine Menge meiner Bekannten hat nach meinem Dafürhalten in punkto Kleidung und Einrichtung einen sehr simplen bis fürchterlichen Geschmack und fährt ohne Migrationshintergrund BMW. Wären diese Faktoren beim Kennenlernen entscheidend gewesen, wäre mir viel entgangen …

  • Kristina sagt:

    Sind wir alle ein bisschen Kenzo? Also Violet kenne ich nur aus der Liturgie. Die Farbe der Busse, Pfingsten oder so. Das macht Melania schon wieder sympathisch. Obwohl, mit Violet würde sie sich in vorderster Reihe mit den anderen Sündenböcken einreihen. Dabei war sie doch noch gar nicht dran oder fertig wie die anderen first Ladies. Darum denke ich, wenn schon ein Zeichen, dann einen weissen Kragen. Karl würde mir recht geben. Glaube ich.

  • R. E. Ganzoni sagt:

    Netter Beitrag. Besonders für mich als Farbenblinder. Hillary hat im Wahlkampf allzu oft die Türkis Farbe, welche gemäss den Sternendeutern wiederum genau auf den Skorpion passt den man Ihr in die Geburtsurkunde stempelte. Türkis für Schutz. Beschützt mich vor der Wahl etc. Bin ich nun ein bekannter Philosoph oder was?

  • LiFe sagt:

    Noch heute klingt es in meinen Ohren, als ich Helmut Schmidt Klavier spielen hörte. Okay, er war nicht Präsident, aber Mensch.

Kommentar

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