Sterbende Worte

Fünf Ausdrücke, die leider fast nicht mehr benutzt werden.
Rica Madrid poses for a photograph as she smokes pot in her home on the first day of legal possession of marijuana for recreational purposes, Thursday, Feb. 26, 2015, in Washington. Democratic Mayor Muriel Bowser defied threats from Congress by implementing a voter-approved initiative on Thursday, making the city the only place east of the Mississippi River where people can legally grow and share marijuana in private. (AP Photo/Alex Brandon)

Foto: Alex Brandon (Keystone)

Neulich hat mir auf einer Party die slowenische Botschafterin in Deutschland erzählt, ihr liebster deutscher Ausdruck sei «Nachholbedarf». Im Slowenischen brauche sie mindestens fünf Worte dafür. Einer meiner liebsten deutschen Ausdrücke, meine Damen und Herren, ist «Alltagspoesievernichtung». Oder, analog: «Alltagspoesiebewahrung». Für Letzteres sorgte, was man erstaunlich genug finden mag, unlängst der SRF-Radiosender Virus, ein Spartenkanal, den wir auf unserem Tivoli-Radio in der Küche programmiert haben und für den ich, wie die meisten seiner Hörer, zu alt bin, und der eine Vorliebe hat für die ziemlich alte Nummer «Drinking In LA» von Bran Van 3000, und das ist ja auch kein schlechter Song. Zu den jungen Menschen, die sich bei Virus tapfer durch die Moderationen kämpfen, zählt eine Person mit einer Stimme, die klingt wie ein zwölfjähriges Mädchen. Ich weiss nicht, wie sie heisst, die Stimme, aber sie sagt Sachen wie: «Um was gohts? Oder um wer?» Und ebendiese Stimme benutzte neulich in einem völlig unironischen Zusammenhang folgendes Wort: «Schabernack». Das hat mich irgendwie gerührt. Ich dachte, das sei völlig aus der Mode. Was kommt als Nächstes? Die Rückkehr von «keck»? Mal sehen. Es folgen noch fünf weitere Ausdrücke, die dringend häufiger benutzt werden sollten, um sie vor dem Aussterben zu retten:

 1. «Strassenfeger»

Nicht als Berufsbezeichnung (gleichfalls im Aussterben begriffen), sondern als Etikette für ein Kulturprodukt (in der Regel ein Fernsehformat), das so populär ist, dass es die Strassen leer fegt. Wie damals «Dallas».

 

2. «Jazz-Zigarette»

Den Ausdruck hätte meine Oma selig ohne Zögern «flott» genannt. Wenn sie nicht Dunhill geraucht hätte. Und wissen Sie, wo ich «Jazz-Zigarette» neulich wieder gehört habe? Richtig: auf Virus.

 

3. «Pariser»

Nicht als Bezeichnung für einen Einwohner der Stadt der Liebe, sondern als Synonym für Präservativ.

 

4. «Obacht»

 

5. «halbstark»

Das Schöne ist, dass man diese fünf Worte problemlos in einem einzigen Satz unterbringen kann; probieren Sies aus!

6 Kommentare zu «Sterbende Worte»

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