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«Alter ist kein Handicap»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 4. Juli 2015
Juhani Ilmarinen, Forscher und Experte für Generationen-Management.

Juhani Ilmarinen, Forscher und Experte für Generationen-Management.

Wie gelingt es, Berufstätige länger im Erwerbsleben zu halten? Keiner kennt sich in dieser Frage besser aus als Juhani Ilmarinen. Der finnische Arbeitsphysiologe forscht seit 40 Jahren auf diesem Feld. Sein Engagement hat dazu geführt, dass in Finnland jene belohnt werden, die erst mit 68 Jahren in Rente gehen. «Wir haben ein falsches Bild vom Alter», sagt der 69-Jährige.

Interview: Mathias Morgenthaler

Herr Ilmarinen, Sie werden in diesem Jahr 70. Haben Sie noch nie daran gedacht, sich zur Ruhe zu setzen?

JUHANI ILMARINEN: Nein, was sollte das bringen? Solange ich gesund bin und klar denken kann, will ich tätig sein. Die Arbeit ist doch nicht an ein Lebensalter gebunden. Sie ist für mich eine natürliche Beschäftigung, die meinem Leben Inhalt und Sinn gibt. Ich mag den Begriff Rentenalter nicht. Ich spreche lieber vom dritten Lebensabschnitt. Das ist in vieler Hinsicht die beste Zeit. Man muss nicht mehr pausenlos am Ball sein, sondern konzentriert sich auf jene Projekte, die einem wirklich am Herzen liegen. Und man nimmt sich viel Zeit für andere schöne Dinge.

Fühlen Sie sich mit knapp 70 noch gleich leistungsfähig wie vor 20 oder 30 Jahren?

Wenn ich arbeite, bin ich gleich effektiv wie vor 30 Jahren. Ich brauche allerdings längere Erholungsphasen. Deswegen gönne ich mir im Sommer drei Monate hier in meinem Sommerhaus, tanke auf beim Fischen und bei Handarbeit im Garten und Wald. Vor und nach Weihnachten nehme ich auch eine längere Auszeit. Ich weiss, dass ich privilegiert bin. Es gibt eine Nachfrage nach meiner Arbeit und ich kann das, was mir liegt, mit hohem Freiheitsgrad tun – forschen, beraten, unterrichten, sensibilisieren. Ich verstehe jeden, der körperlich hart gearbeitet hat, wenn er mit 63 in den Ruhestand geht. Für knapp die Hälfte der Berufstätigen – die erfahrenen Wissensarbeiter – ist aber der fliessende Übergang vermutlich die bessere Lösung. So bleibt der Pensionierungsschock aus und die Gesellschaft profitiert von der Erfahrung dieser Menschen.

Sie sind in Europa der bekannteste Experte für Arbeitsmarktfähigkeit und Generationen-Management. Wann haben Sie begonnen, sich mit der Situation älterer Berufstätiger auseinanderzusetzen?

Ich habe in den 1970er-Jahren schon in meiner Doktorarbeit am Institut für Arbeitsphysiologie in Dortmund die Situation älterer Erwerbstätiger untersucht – zu einer Zeit, als das noch niemanden interessierte. Nach meiner Rückkehr nach Helsinki übernahm ich die Verantwortung für ein grosses nationales Forschungsprogramm. Es begann damit, dass die Versicherungen wissen wollten, wie lange ein Mensch arbeiten kann, welches das ideale Pensionierungsalter ist. Das war eine sehr schwierige einfache Frage, für deren Beantwortung es keine wissenschaftliche Grundlage gab. Wir machten uns an die Arbeit und begleiteten 6500 Gemeindeangestellte über elf Jahre hinweg. Wir definierten zuerst 120, später sieben zentrale Indikatoren der Arbeitsmarktfähigkeit. Dieser Work Ability Index für ältere Berufstätige wurde in der Folge in über 28 Sprachen übersetzt und in Firmen auf der ganzen Welt eingesetzt.

Warum wurde Finnland schon in den Achtzigerjahren aktiv in dieser Sache?

Der Leidensdruck war grösser als in den anderen Ländern. Wir hatten die grösste Baby-Boomer-Generation und danach einen massiven Geburtenrückgang. Es war klar, dass die Überalterung der erwerbstätigen Gesellschaft zu einer grossen Herausforderung für Politik und Wirtschaft werden würde. Damals lag das Pensionierungsalter bei 63, viele Gemeinde- und Staatsbetriebe schickten ihre Angestellten schon mit 55 in die Rente. Die Regierung startete ein grosses nationales Programm zum Thema «Ältere Erwerbstätige», bei dem sich alle wichtigen Akteure wie Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Wissenschaft, Politik, Versicherungen und Unternehmen einbrachten. Das war nicht möglich ohne politischen Leadership. So sorgte Ministerpräsident Paavo Lipponen dafür, dass die Ministerien für Arbeit, für Ausbildung und für Soziales und Gesundheit erstmals überhaupt eng zusammenarbeiteten.

Eines der Resultate war eine Rentenreform, welche jene belohnt, die länger arbeiten.

Genau. Vor zehn Jahren wurde die flexible Pensionierung im Alter zwischen 63 und 68 eingeführt. Wer bis 68 arbeitet, erhält dank Bonus vom Staat 22,5 Prozent mehr Rente als jemand, der sich mit 63 zur Ruhe setzt. Aber das Geld ist nicht der wichtigste Faktor. Ob die Menschen länger berufstätig bleiben, hängt im Wesentlichen von den Einstellungen in den Unternehmen ab. Wir führen heute noch einen Krieg gegen die Vorurteile. Die Wissenschaft kann heute klar belegen, dass ältere Angestellte einem Unternehmen in der Summe mehr bringen als jüngere – sofern die Arbeitsbedingungen stimmen. So brauchen ältere Berufstätige zum Beispiel mehr Kurzpausen als jüngere, die individuellen Leistungsunterschiede werden grösser. Dass die Produktivität oder die Lernfähigkeit geringer seien bei den Älteren, ist aber ein Mythos, der x-fach wissenschaftlich widerlegt wurde.

Warum stellen viele Unternehmen dennoch vorzugsweise 25- bis 40-Jährige ein?

Weil es in den meisten Organisationen dramatisch an der Kompetenz fehlt, die verschiedenen Altersgruppen ihren Stärken gemäss zu fördern und einzusetzen. Es ist verrückt, viele Firmen betreiben eine Personalpolitik, als würden sie mit ihrer Belegschaft an die Olympischen Spiele fahren. Dabei hat jede Generation Stärken und Schwächen – erst die Kombination aus Erfahrungswissen und jungen Wilden macht Unternehmen dauerhaft erfolgreich. Zudem zeigen sich die Folgen des Jugendwahns immer deutlicher: Wird die ältere Generation aussortiert, ist die Arbeitsbelastung bei den Jüngeren derart hoch, dass sie bald überlastet sind und ausbrennen.

Hilft ein Verbot der Altersdiskriminierung da weiter?

Verbote sind nur in dem Mass wirksam, wie die Einhaltung kontrolliert werden kann. Wie wollen Sie in den Unternehmen überprüfen, ob Personalverantwortliche und Abteilungsleiter jüngere Kandidaten bevorzugen? Es ist eine Frage des Bewusstseins der Verantwortlichen. Über das Bewusstsein ändert sich die Einstellung, über die Einstellung das Führungsverhalten und die Kooperationsbereitschaft. Wir haben schlicht ein falsches Bild vom Alter. Alter ist kein Handicap, sondern es bedeutet zunächst Erfahrungsreichtum.

Hat das nationale Programm in Finnland in dieser Hinsicht etwas verändert?

Ja, ganz eindeutig. 1997, vor Beginn des Programms, lag die Erwerbsquote der über 55-Jährigen in Finnland bei gerade mal 35 Prozent – zwei von drei über 55-Jährigen waren also nicht mehr im Erwerbsleben. Zehn Jahre später war die Erwerbsquote in diesem Alterssegment auf 55 Prozent angestiegen, heute liegen wir bei rund 60 Prozent. Das ist zwar ein tieferer Wert als in Schweden, Island oder der Schweiz, wo Teilzeitarbeit stärker etabliert ist als in Finnland, aber doch ein markanter Fortschritt.

Wer mit über 50 Jahren die Stelle verliert, dürfte aber auch in Finnland einen schweren Stand haben.

Ja, das ist derzeit noch so, eine Bewerbung ist in diesen Fällen fast aussichtslos. Nur jeder Zehnte über 50 Jahren findet innert fünf Jahren wieder eine Stelle. Deshalb flüchten viele in die Selbständigkeit, was aber ein schwieriger Weg ist. Dabei ist gut dokumentiert, dass in sehr vielen Fällen kein Zusammenhang zwischen der Arbeitslosigkeit und der Arbeitsleistung besteht. Unsere Untersuchungen zeigen, dass 70 Prozent der älteren Erwerbslosen auch zwei Jahre nach der Kündigung noch über eine gute Arbeitsmarktfähigkeit verfügen. Es gibt also keinen vernünftigen Grund, diesen Stellensuchenden keine Chance zu geben.

Wird sich die Situation der älteren Stellensuchenden durch die demografische Verschiebung verbessern?

Ja, denn die meisten Unternehmen denken erst um, wenn der wirtschaftliche Druck sie dazu zwingt, konkret : wenn keine jungen Fachleute mehr verfügbar sind auf dem Arbeitsmarkt. Unternehmen, die schon vorher ihre Einstellungen ändern und dafür sorgen, dass ältere Angestellte gute Leistungen erbringen können, werden dann handfeste Wettbewerbsvorteile haben.

Finnland hat nicht nur als erstes Land ein politisches Programm für ältere Berufstätige lanciert, sondern die Regierung plant nun auch die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, zumindest probeweise. Was halten Sie davon?

Das ist noch nicht durchgesetzt, sondern erst als Versuch im Koalitionsprogramm der neuen finnischen Regierung verankert. Unter Experten halten sich die Befürworter und Gegner in etwa die Waage. Es ist tatsächlich schwer abzuschätzen, ob eine solche staatliche Grundleistung eher zu mehr Aktivität oder mehr Passivität führt. Klar ist : Das System des Sozialwesens ist in Finnland – wie in vielen anderen Staaten – sehr kompliziert, hier brächte das Grundeinkommen sicher eine Vereinfachung. Umgekehrt braucht es eine neue Steuer und ein grundlegendes Umdenken in der Gesellschaft ; zudem ist unklar, ob die ganze Sache politisch durchführbar ist. Ich betrachte das als interessantes Experiment mit offenem Ausgang. Sein Erfolg wird von der Einstellung und den Werten der jüngeren Generation abhängen.

Kontakt und Information: juhani.ilmarinen@jic.fi oder www.jic.fi

Zur Situation in der Schweiz: Interview mit Heidi Joos, Geschäftsführerin des Vereins 50plus out in work.

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31 Kommentare zu “«Alter ist kein Handicap»”

  1. Hans Imboden sagt:

    Stets ein grosses Bla-bla. Die Realität sieht anders aus.

  2. Esther S. sagt:

    Voll krass an der Realität vorbei. Ältere AN, Leute ü45 sind nun einmal in der Wirtschaft nicht mehr gefragt. Basta. Ende. Wir haben eine Konkurrenzsituation, die seinesgleichen sucht. Wenn ich mich bewerbe, sind mindestens 200 oder 300 andere da, die denselben Job auch wollen. Darunter finden sich leider Gottes mindestens 50 jüngere, hübschere und mit mehr Zertifikaten, Diplomen und ausländischer, internationaler. Es ist Beschissen und das Hinterletzte, wenn man sein Leben lang gearbeitet hat, sich weitergebildet hat, und dann von der Wirtschaft knallhart aussortiert, ausgespuckt wird. Gut, gibt es das Sozialamt, da darf man die letzten 20 Jahre vor der Pensionierung unter dem Existenzminimum dahinsiechen. Nachdem man alles, was man sich erarbeitet hatte, wieder verscherbelt und sich davon entledigt hat. Traurige Schweiz.

  3. Esther S. sagt:

    Und noch was. Finnland stellt nur wieder ältere Arbeitnehmer an, weil die Sozialkosten unbezahlbar geworden sind. Das kommt irgendwann in der Schweiz auch. Nur, solange das Schneeballsystem mit immer neuem Frischfleisch-Import funktioniert, wird es leider weitergehen, und nicht aufhören. Alte Schweizer sind nur noch lästige, ungewollte Sozialfälle. Und werden es die nächsten Jahre leider auch bleiben. Ich sehe nur, dass ungebremster Nachschub an jungen Leuten auf den Arbeitsmarkt drängt.

  4. AlexKeller sagt:

    Ich als 28 jähriger finde es als Armutszeugnis, 55 jährige zu entlassen um nur das “Budget” zu entlasten. Im weiteren, sehr gut ausgebildete junge Mitarbeiter kosten auch. Es zeugt halt einfach davon dass das obere Kader ratlos ist, wenn es um die Optimierung eines Betriebs geht. Klar ist auch, solche Themen werden in Management-Schulen nur als Randthemen abgehandelt. Daher verwundert mich heute nichts mehr. Ein gutes Unternehmen braucht eine gute Durchmischung von alt und jung.

    Dazu (jetzt schwinge ich ein wenig vom Thema ab) ein gutes Produkt(e), gute Positionierung am Markt, einen grossen Kundenstamm und die Flexibilität um schnell reagieren zu können. Sicher spielen auch Sachen mit die man nicht so beinflussen kann, aber diese Risiken kennt msn und wenn man sich schon lange über einen Plan B gedanken gemacht hat, oder schon proaktiv aktiv war. Im weiteren Int. Firmen sollten immer neuere Märkte anzapfen, aber man sollte sich vorher einen richtigen Plan zurechtlegen bevor man den Markt betritt, vielleicht 1-2 lokal ansässige Experten dazu gwinnen…

    Eben, es gibt viele Faktoren. Aber ich bin davon überzeugt, es lässt sich vermeiden ältere Mitarbeiter zu entlassen!

  5. vogel sagt:

    Nur schon der Satz “Ja, das ist derzeit noch so, eine Bewerbung ist in diesen Fällen fast aussichtslos. Nur jeder Zehnte über 50 Jahren findet innert fünf Jahren wieder eine Stelle” impliziert, dass es noch viel braucht bis Leute >50 wieder den Stellenwert in der Arbeitswelt erhalten.

  6. SK sagt:

    Ich finde, erfahrene und sehr gut qualifizierte Menschen kann man unabhängig vom Alter immer einsetzen. Ältere erfahrene und aufgestellte Menschen sind immer gefragt und motivieren uns, die jüngeren. Das Durchmischen der Generationen respektive Mentalitäten und Ansichten zeigt sich in jeder Unternehmensstruktur vermehrt als viel effektiver. Das bedingt allerdings eine gewisse Toleranz, die Flexibilität und Bereitschaft jeder einzelnen von uns und weniger Vorurteile – schön oder hässlich, jung oder alt, Ausländer oder Schweizer – ist es wirklich relevant? Jung motiviert und etwas unerfahren, dafür älter, implizit erfahren aber vielleicht nicht mehr motiviert – stimmt auch nicht immer!
    Ich weiss, die Realität zeigt manchmal das Gegenteil und es ist für mich als 34-jährige einfach gesagt, da ich nicht davon betroffen bin. Es mag provokativ klingen, aber: Wie soll man andere überzeugen, wenn man von sich selbst nicht überzeugt ist? Nicht aufgeben!

  7. Zoller sagt:

    Das ist ja eine nette Ansicht die da vertreten wird. Nur die Realität sieht total anders aus. Auch die Initiative der Gewerkschaften und linken Parteien das dass Alter im Inserat nicht mehr als Kriterium aufgeführt werden darf zielt völlig an der Realität vorbei. Tatsache ist und bleibt, dass Firmen die “älteren” Arbeitnehmer entsorgen. Da darf sich dann der Staat drum kümmern. Wie soll man dann bitte bis 70 arbeiten wenn man keine Stelle bekommt?

  8. Anton Schneider sagt:

    Diese ständige Ignoranz unserer Politiker gegenüber der Ü50-Arbeitslosigkeit ist despektierlich.
    Wann endlich wird die Problematik nicht immer nur von allen verniedlicht und einfaltslos schön geredet?
    Ist es für Politiker, NR und Ständeräte so so schwierig sich vorzustellen, dass der hiesige 50+ gegen in einem Arbeitsmarkt einer EU mit Millionen junger Arbeitslosen keine Chancen mehr bekommt? Die grössten Heuchler sind aber nicht die Politiker, sonder die ansässigen CHer Unternehmen.

  9. Franz Kaufman sagt:

    Ich denke, etwas das zur Steigerung des Problems beigetragen hat ist, dass immer mehr jüngere Chefs existieren. Die tun sich häufig sehr schwer mit älteren Mitarbeitern, erst recht wenn diese ihr Wissen vor allem mit Erfahrung und Selbststudium aufgebaut haben.
    Auch ist das Führen von Jüngeren (= jünger als der Chef) einfacher. Und günstiger, gemäss “Markt”(?), sind sie auch noch.

  10. Ralf Schrader sagt:

    Für die Welt jenseits der gewinnorientierten Unternehmen stimmt der Artikel. Ein Universitätsprofessor, ein Schriftsteller, ein Beamter oder auch ein Hausarzt kann mit 70 Jahren meist noch voll arbeiten. Aber kein Dachdecker und auch wohl kaum kein Abteilungsleiter eines Unternehmens.
    Fliessende Biographien, in denen ein Ausschwingen am Ende möglich ist, werden nicht erzeugt. Es geht immer nur bergauf und wenn das nicht mehr geht, ist die Karriere, der Berufsweg beendet. Unwiderruflich.

  11. Sibylle Weiss sagt:

    Es sei denn, man ist mit über 50, ungelernt und die Firma wird von der IV geschmiert. Dann klappt es in der Regel heutzutage auch bei über 50-Jährigen einen Job im 1. Arbeitsmarkt zu finden. Ansonsten ist die Lage für Nicht IV-Bezüger und Gelernte zappen duster! Sind wir doch mal ganz ehrlich. Jetzt bräuchte es nur noch AG, die es einfach zugeben, statt sich in diesem Aspekt bis an ihr Lebensende in die eigene Tasche zu lügen! Dann ist es noch für ex-Häftlinge aus Resozialisierungsgründen einfacher, heute einen Job zu kriegen, da die ja ihre Bewährungshelfer haben, wo die verdiente 2. Chance nur für diese Kategorie zu gelten scheint!

  12. Werner sagt:

    Mit 58 Jahren hat mein Arbeitgeber mir ein Plan zur Leistungsverbesserungen vorgelegt. Ich bin damit sofort wieder in der Probezeit angekommen?! Wenn ich in nicht erfüllen kann, wird mir in 4 Monaten gekündigt. Mein Arbeitgeber ist amerikanisch und Etisch vorbildlich. Diese Machenschaften macht er mit vielen älteren Arbeitnehmern in unserer Firma. Wo ist der Schutz für ältere Arbeitnehmer? Das Arbeitsgesetz kennt keine älteren Arbeitnehmer. Es heißt nur, chrampfe chrampfe und no einmal chrampfe. Respekt und wirkliche Anerkennung müsste im Arbetsgesetz vorhanden sein.

  13. Richard Roth sagt:

    Warum beginnt hier nicht der Staat mit einer Vorreiterrolle? Dann wüssten die Sozialpolitiker auch, von was sie sprechen!

  14. Markus Schneider sagt:

    @Esther S.: Sämtliche Firmen der Schweiz handeln also dumm und unökonomisch, indem man Sie und Ihre grosse Kompetenz in allen Dingen nicht anstellt. Aber Ihr ganzer Beitrag zeigt schon ziemlich deutlich, warum man jemanden wie Sie nicht in einer Firma haben möchte. Meiner Erfahrung nach sind es auch keineswegs die Kompetenten, Weitergebildeten, die auf dem Sozialamt landen. Sondern ganz einfach die Flaschen und die Nieten. Soviel Ehrlichkeit muss sein. Es bringt doch nichts, ständig die ganze Umwelt, die Gesellschaft oder “die Firmen” für das eigene Versagen verantwortlich zu machen. Seien Sie dankbar, dass Ihnen andere die Sozialhilfe bezahlen und schweigen Sie zukünftig.

  15. Daria sagt:

    Heute kommen viele Afrikaner, für sie ist die ältere Generation nicht ein Kostenfaktor, sondern Ihre Erfahrung wird geschätzt. Dies wird sicher auch helfen anders zu denken zu lernen.

  16. Sacha Meier sagt:

    Und wieder einmal ein Essay, das zwar akurat die real existierende Situation der Ü40…50 beschreibt – aber keine Rezepte bereithält. Für ein «sollte» und «müsste» wird jeder Finanzchef eines modern gemanagten Konzerns bloss ein müdes Lächeln übrig haben. In unserer hochautomatisierten Arbeitswelt der standardisierten Prozesse ist das Attribut «Erfahrung» eben genau so hinfällig, als ob man einem älteren Computer deshalb den Vorzug gegenüber eines neuen Rechners geben würde, weil er etwa erfahrener im Betrieb von SAP- oder Microft-Software wäre. Was es heute gebraucht wird, sind noch stärkere finanzielle Anreize für die Unternehmen, als es das heutige deutsche System von Hartz-IV, bzw. das analoge Schweizer System des Dritten Arbeitsmarktes zum SKOS-Tariflohn von CHF 300…600/Mt. bietet; wobei der Klient einen Drittel des Lohnes zum Grundbedarf hinzubekommt. Zwei Drittel werden angerechnet. Würde dieses System – über das man nach meinen eigenen Erfahrungen als Betroffener oft schweigt – stärker propagiert, würden sich viele Unternehmen manche Mitarbeiter aus dem Reservoir des Dritten Arbeitsmarktes holen – statt sie vom EU-Frischfleichmarkt zu beschaffen. Bezahlt wird ohnehin meist nur der Mindesttarif – sodass diese älteren Mitarbeiter fast keine Lohnkosten verursachen. Damit haben wir eine Lösung: Diese besteht nur noch in der breiten Kommunikation de Systems. Und genau diese können auch Ausgesteuerte selber übernehmen: Indem Sie sich mit ihrer Sozialberaterin absprechen, ob sie die Voraussetzungen für den Dritten Arbeitmarkt erfüllen und dann wieder Bewerbungen schreiben – und zwar mit einem unwiderstehlichen Lohnangebot.

  17. Peter Hunziker sagt:

    Mein Sohn (52 J.) hatte seine Stelle verloren und wurde durch einen sehr viel Jüngeren ersetzt, der zwar vom Job (Software für Architekten) nichts verstand, aber als Anfänger viel weniger Lohn erhielt!
    Nun schreibt er Bewerbungen und erhält nur Absagen, obwohl ständig behauptet wird, man wolle auf das Wissen und die Erfahrung der Älteren setzen!

  18. Markus Kipfer sagt:

    Danke Juhani Ilmarinen!

    Stimmt! «Alter ist kein Handicap». Es wird aber von fast allen Firmen als solches behandelt. Alter scheint schlimmer als Pest, Aussatz und alle Plagen Ägyptens.

  19. Harry sagt:

    Dummheit ist lernbar, wie dieser Artikel, über 50 mehr oder weniger keine Chance, ausser mit sehr guten Beziehungen

  20. Barbara Schöne sagt:

    Ich bin 60ig Jahre alt und lasse mich nächstes Jahr pensionieren. Da ich spüre, dass ich (als Frau) keine Wertschätzung habe, obwohl mein Wissen und mein Können unbezahlbar ist, mache ich diesen Schritt. Gerne hätte ich noch etwas weiter gearbeitet, aber nun mache ich eben den Jungen Platz.

  21. steiner Petra sagt:

    @ markus schneider ihr beitrag zeigt, mit welchen voruteilen und respektlosigkeiten ü50 arbeitslose zu kämpfen haben. Ihre wortwahl ist krass daneben, ihr kommentar gehört gelöscht.

  22. Esther S. sagt:

    @ Markus Schneider: Ihre Beleidigungen gehen mir am Allerwertesten vorbei.
    Ich glaube, ich kann selber für mich einschätzen, ob ich eine Flasche und Niete bin.
    Nach 5 Jahren erfolgloser Suche – ohne jemals ein Vorstellungsgespräch erhalten zu haben. Weder als Ingenieurin noch als Sekretärin noch als Putzfrau noch als Kassiererin in der Migros noch als Servie-Angestellte irgendwo. Weil auch in den Jobs weit unter meiner Ausbildung gibt es Leute, die das besser können, weil sie jünger, fiter, schneller und geübter sind.
    Ich habe demnächst meine gesamten Ersparnisse aufgebraucht, nie Arbeitslosengeld bezogen und werde mich im Herbst beim Sozialamt melden.
    Auto verkauft (der letzte Service alleine kostete mehr, als ich in einem Monat zum Leben für sämtliche Kosten bekomme), Umzug in eine bezahlbare 1 Zimmer Wohnung steht bevor. Meine sämtlichen Sachen, die sich in 50 Jahren angesammelt haben, musste ich verschenken und entsorgen, Möbel haben keinen Platz mehr, da ich bis jetzt eine 4 Zimmer Wohnung hatte.
    Schweigen lieber Sie, bevor Sie auch noch auf der Strasse landen, und in die gleiche Situation kommen.
    Der letzte lacht am Besten, auch wenn die Lage ganz sicher nicht lustig ist.
    Und wissen Sie was: Nach Hunderten von Absagen ! hätten auch SIE keine Lust mehr,
    ihr Können und Ihre Erfahrung, die Sie in einem reichen Leben ansammeln konnten, noch irgendjemandem zur Verfügung zu stellen.
    Ich habe mich längst daran gewöhnt an den Gedanken, in Zukunft unter dem Existenzminimum zu leben. Jeder Eriträer bekommt mehr.
    Und nein, ich glaube nicht, dass ich das verdient habe. Ich habe mein Leben lang hart geschuftet und viel geleistet und immer mein Bestes gegeben. Aber das will heute niemand mehr haben. Somit ist für mich der Zug abgefahren.

  23. René Lärcher sagt:

    An Herrn M. Schneider: Als selber Betroffener kann ich nur den Kopf schütteln über Ihren despektierlichen Kommentar bez. Esther S.
    Sicher sind Sie noch jung und knusprig und können es mit den 100’000 Ausländern, die alljährlich in die Schweiz strömen und um einen Job buhlen, aufnehmen.
    Ansonsten werden auch Sie die durchwegs nette Erfahrung machen, wie es ist, wenn man sein Haus verkaufen muss, seine Lebensversicherung auflösen.
    Und wenn Sie nicht die Chance zur Selbständigkeit haben, was viele nun leider mal nicht haben, zu sehen, wie die Ehefrau auf Ihr Versagen, auf Ihr persönliches, arrogantes Flaschen- und Nietentum reagieren wird.
    Dann möchte ich mal sehen, wie toll es Ihre Frau findet, zusammen mit Ihnen in eine billige Sozialwohnung zu ziehen und vom gesellschaftlichen Leben in der Zukunft vollkommen abgeschnitten zu werden.
    Dabei haben Sie doch jahrelang Beiträge bezahlt.
    Sie werden dann auch sehen, wie lustig es ist, Ihre Zahnarztbesuche zu beantragen, und von den Dorfpolitikern genehmigen zu lassen.
    Und wie lustig es ist, wenn Sie sich nicht mal mehr einen Kaffe irgendwo auswärts leisten können.
    Aber ich bin sicher, Sie werden dabei niemals depressiv werden
    oder sich gar mit Selbstmordgedanken herumschlagen, wie so viele dieser gemäss Ihrer Ansicht nach selber schuldigen Looser.
    Sie sind ja voll der Harry Oberhirsch, der (noch) alles im Griff hat.
    Wir sehen uns an der Ampel.
    Bis dann – noch viel Spass in Ihrem Leben.

  24. Daniel Stanislaus Martel sagt:

    Dieselben Lügen von wegen Erfahrung haben wir auch in der Schweiz. Zudem ändert sich an der Diskrimination der 50+ nichts wegen der steigenden Sozialkosten… und diese Frage interessiert die Politik nicht.

  25. Walter B. sagt:

    Es ist eine Schande und wirklich sehr despektierlich, was mit älteren Schweizer Arbeitnehmern passiert.
    Schande der Politik und der Wirtschaft.
    Eine Bekannte musste ihre Eigentumswohnung verkaufen und in eine 1,5 Zimmer Wohnung umziehen.
    Diese Wohnung hatte sie sich schon in jungen Jahren als Altersvorsorge – wie sich jetzt herausstellt eine vermeintliche Altersvorsorge – gekauft.
    Wenn sie den Verkaufserlös aufgebraucht hat, darf sie sich auch beim Sozialamt melden, und dann dahinsiechen (wie sonst soll man das nennen), und warten auf die AHV Altersarmut.
    Meine Frau – übrigens keine Niete und auch keine Flasche, sondern vor der Kinder-Zeit höchst erfolgreich und angesehen im Beruf – sucht auch seit Jahren eine Arbeit. Sie möchte wieder eigenständiger, und so sein wie früher. Es ist brutal, auf diese harte Tour zu merken, dass man im besten Alter einfach nur noch als Grossmutter betrachtet und behandelt wird.
    Absolut nicht die geringste Chance.
    Und wie viele meiner Kollegen wursteln sich mit Scheinselbständigkeiten durch’s Leben?
    Dabei machen sie auch nur eines: Sie verbrauchen nebenbei einfach nur ihre gesamten Errungenschaften.
    Die Schweiz ist sehr verlogen.
    Und wenn nicht viele ü45 von Erbschaften zehren könnten, oder früher viel gespart haben, so hätten wir heute schon sehr viel mehr Sozialfälle.
    Aber all die, welche sich heute noch über Wasser halten, mit Teilzeit- und minderen Nebenjobs im Stundenlohn, die werden eines Tages auch noch vor der Tür des Sozialamtes stehen.
    Die Schweiz war mal ein reiches Land.
    Die kommenden Alten werden vorwiegend sehr arm sein, weil sie schon arm ins AHV Alter kommen.

  26. Wieser Kurt sagt:

    …denn die meisten Unternehmen denken erst um, wenn der wirtschaftliche Druck sie dazu zwingt, konkret : wenn keine jungen Fachleute mehr verfügbar sind auf dem Arbeitsmarkt….
    Aber die heilige Kuh Wirtschaft Schweiz darf sich legal so viele “Fachkräfte” aus dem EU Raum holen wie die Schwarzen Zahlen brauchen und das Ausgesteuerte Alter aus der Schweiz kann der Staat, die Krankenkassen und gutmütigen privat Institutionen zahlen. Dafür zahlt die Wirtschaft ja enorm Steuern ins Schweizer Staatskässeli, nicht? Entwicklungshilfe für den EU Raum, damit die Arbeitslosenzahlen dort besser aussehen?

  27. Es ist erschreckend dass bei vielen Menschen nur noch eine bezahlte Arbeit Sinn und Inhalt im Leben vermittelt. Das sind die perfekten Lohnknechte und sie merken es nicht einmal. Der Sinn meines Lebens ist, ganz bestimmt nicht Bezahlarbeit. Jeder darf natuerlich Reichtumg suchen, aber nicht auf meine Kosten.

  28. Pierre Müller sagt:

    Die Erkenntnisse von Kollega Juhani sind unbestreitbar, state of the art. Als HR-Verwaltungswissenschaftler habe ich mich u.a. mit seinen Erkenntnissen und der Umsetzung in der CH-Verwaltung mehrmals (wiss.) untersucht. Fazit: ALLE HR-Menschen kennen das Problem. Und auch die meisten Chefs kennen den “demografischen Wandel”. Aber bei den Anstellungen spielt Wissen keine Rolle. In der Schweiz gibt es zwei Kriterien für die Besetzung gut bezahlter Stellen. Das ist Beziehung, Vitamin B. Und als Zweites: der Stellenbewerber muss loyal sein im Sinne von, die bestehenden anderen Seilschaften nicht stören. Letzteres ist meistens der Fall: denn wenn Jemand dank einer Beziehung eine Stelle erhält, so hält er sein Maul, denn er weiss, wie es läuft, ist ja bereits in einem Netzwerk und hat Loyalität bewiesen. Hier spielt Alter, Wissen null Rolle. Da geht es nur um Gefälligkeit. Dann kommt der Mittelbau: hier sind die Löhne weniger attraktiv, so dass sich Leute mit Vitamin B weniger interessieren. Also nimmt man hier möglichst gut qualifizierte Leute. ABER: diese können was, und sind daher den per Vitamin B angestellten gefährlich. DARUM werden hier klar Junge angestellt. Diese kuschen, sind formbar, stehen am Ende der Nahrungskette und bleiben ruhig. Ist man älter und gut, hat die “herrschende Klasse” Angst, dass man nicht mitspielt und v.a. das dann ans Licht kommt, dass die Meisten ohne Qualifikation dank Beziehung angestellt wurden und eigentlich nicht geeignet sind für die Stelle. Neustes Beispiel aus der Gerüchteküche Bund: letzte Woche war eine Topstelle zu besetzen. Ein älterer “Querdenker” ohne Vitamin B hatte das mit Abstand beste Asssessment und erfüllte das Profil perfekt. Super Kommunikator, smart, Schnelldenker. Das machte die Runde: er galt als Geheimtipp. Allerdings versucht nun der Direktor, diesen Top-Bewerber loszuwerden: er ist weder in der richtigen Partei noch gilt er bekannt als Kopfnicker. Hier geht es um Macht und Machterhaltung.Und klar: der Wunschkandidat des Direktors ist ein Gspöhnli des Direktors.

  29. Brigitte sagt:

    Bei all diesen Analysen wird einfach der wichtigste Punkt ausser Acht gelassen. Unser Sozialsystem macht es einem Unternehmen, besonders KMU fast unmöglich, ältere Mesnchen einzustellen. Wenn der Arbeitgeber rund 3x mehr Sozialabgaben für einen älteren MA als für einen jüngeren bezahlen muss, dann rechnet sich das schlicht nicht mehr. Reformiert endlich unsere alten Sozialstrukturen für die BVG etc. – und so manche KMU würde gerne 50plus-Leute einstellen.

  30. Christian Wegmüller sagt:

    Bundesbern hält am katastrophalen Anreizsystem mit erstaunlicher Beharrlichkeit für Firmen fest, ältere Mitarbeiter zu entlassen um einen 23 jährigen Ausländer einzustellen. Mit dem BVG Gesetz, gemäss dem Firmen für Mitarbeiter über 44 Jahre 7.5% BVG Beiträge müssen (über 54 sogar 9 %) und 23 jährige Ausländer von dieser Zahlungspflicht befreit sind, ist jedem Firmeninhaber klar, was bei dieser angespannten Währungssituation zu tun ist, um Kosten zu sparen. Das BVG Gesetz gehört dringend revidiert. Insbesondere wenn man bedenkt dass auf Grund der Langfristigkeit längere Übergangsfristen eingeplant werden müssen. Ein einheitlicher Beitragssatz für alle Einkommen ab 18 (wie bei der AHV) ist mehr als überfällig. Im Weiteren müssten Vorbezüge aus dem BVG mit einem Verzicht auf Ergänzungsleistungen gekoppelt werden. Ob diese nun für Ferien in Thailand, Wohneigentum oder Firmengründung eingesetzt werden. Das heisst, die im Bericht erwähnten dunklen Wolken sind mit dem oben erwähnten Anreizsystem von Bundesbern in Folge deren Lethargie gewollt und durch Untätigkeit gefördert.

  31. Maurice H sagt:

    @ Jean-Pierre Neidhart
    Ihre Einstellung in Bezug auf die von Ihnen so bezeichneten “Lohnknechte” finde ich mehr als frech. Viele müssen auf Teilzeitstellen und Nebenjobs zurückgreifen um über die Runden zu kommen und hier spielt es keine Rolle in welchem Bereich man arbeiten soll. Das wichtigste ist die Bezahlung welche wahrscheinlich recht schmal ausschaut. Gerade wenn man sich in aktuellen Stellenbörsen in der Schweiz umschaut, werden sehr häufig nur Teilzeitstellen ausgeschrieben, welche wahrscheinlich zu keiner finanziellen Unabhängigkeit und daraus schlussfolgernd zu einer freien Entfaltung der Persönlichkeit führen