Logo

«In der Wirtschaft wird der Jugendwahn zelebriert»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 20. Juni 2015
Heidi Joos, Geschäftsführerin des Vereins «50plus out in work»

Heidi Joos, Geschäftsführerin des Vereins «50plus out in work»

Ältere Arbeitslose haben es in der Schweiz besonders schwer, wieder eine Stelle zu finden. Speziell über 50-jährige Frauen müssten sich oft mit einem Kleinstpensum zufrieden geben, das sie in die Armutsfalle treibe, moniert Heidi Joos. Die 60-jährige Geschäftsführerin des Vereins «50plus out in work» hat selber erlebt, was es heisst, plötzlich nicht mehr gefragt zu sein.

 Interview: Mathias Morgenthaler

Frau Joos, wie stark fällt der Jahrgang bei der Stellensuche ins Gewicht?

HEIDI JOOS: Werden ältere Personen arbeitslos, brauchen sie länger als Jüngere, um wieder eine Stelle zu finden – und zwar unabhängig von ihrer Qualifikation. In der Schweiz ist die Problematik besonders akzentuiert: Ältere Langzeitarbeitslose sind hierzulande länger arbeitslos als in den übrigen OECD-Ländern. Das ist ein eindeutiger Indikator für die Schwierigkeiten von Älteren bei der Jobsuche auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Im letzten Jahr wurden in der Schweiz 6000 Personen über 55 Jahre ausgesteuert.

So schlecht kann die Lage auf dem Arbeitsmarkt doch nicht sein. Immerhin nimmt die Schweiz bezüglich Beschäftigungsquote bei den Älteren im OECD-Vergleich Rang 5 ein.

Wir profitieren gegenwärtig davon, dass wir uns in den guten Zeiten nicht wie die umliegenden Länder erlaubt haben, früher den Ruhestand anzutreten. Betrachtet man die Beschäftigungsquote der älteren Frauen, belegt die Schweiz aber nur Rang 15. Gleichzeitig weisen wir die höchste Quote an Teilzeitarbeit im Alter aus. Rund 60 Prozent der älteren Frauen arbeiten in Kleinstpensen unter 40 Prozent.

Kommt die Wirtschaft damit nicht einem Bedürfnis der Berufstätigen entgegen?

Teilzeitjobs entsprechen sehr wohl einem Bedürfnis – dem jüngerer Männer, die Familie und Karriere unter einen Hut bringen möchten. Mit der Erfüllung dieses Anliegens tun sich aber die meisten Unternehmen schwer. Ältere Frauen hingegen hätten Zeit und Lust, mehr zu arbeiten. Doch sie kriegen die Jobs nicht.

Woran liegt das?

Das hat direkt mit der Altersstaffelung bei den Pensionskassen (BVG) zu tun. Für ältere Angestellte müssen Arbeitgeber markant höhere Beiträge entrichten als für jüngere. Ältere sind deshalb vor allem dann willkommen, wenn ihr Jahreslohn unter der Eintrittsschwelle in die Berufliche Vorsorge (BVG) liegt – aktuell sind das 21’150 Franken. Dadurch fallen die Beiträge ganz weg. Wir beobachten, dass ältere Frauen deshalb oft nur noch Teilzeitjobs erhalten. Meistens handelt es sich um Arbeit auf Abruf, wo die Stundenlöhne laut Seco-Studien rund 20 Prozent tiefer liegen als bei normalen Arbeitsverhältnissen. Ein weiterer Nachteil zeigt sich bei der Kündigung. Obwohl die Betroffenen Arbeitslosenbeiträge eingezahlt haben, sind sie in den meisten Fällen nicht berechtigt, Arbeitslosengeld zu beziehen, weil sich aufgrund der unregelmässigen Arbeitszeiten keine Normalarbeitszeit berechnen lässt. Die Zeche für unseren liberalen Arbeitsmarkt zahlen die betroffenen Frauen. Sie verbleiben im Alter ohne oder nur mit einer geringen Rente. Deswegen müsste Arbeit auf Abruf dringend gesetzlich geregelt werden.

Seit vielen Jahren wird vor Personalmangel aufgrund des demografischen Wandels gewarnt. Verbessert das die Chancen der älteren Stellensuchenden?

Solange günstige Arbeitskräfte aus dem EU-Raum angestellt werden können und die Altersdiskriminierung in der Schweiz nicht aufgehoben wird, entschärft das die Lage nicht. Es fehlt in der Schweiz am politischen Willen, etwas zu tun. Der Bundesrat hat zwar vor vier Jahren festgehalten, die Integration jener, die frühzeitig aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, sei wichtig. Es herrscht aber der Irrglaube vor, der liberale Arbeitsmarkt löse alle Probleme von selber. Dabei zeigt das Beispiel Finnland, wie viel staatliches Engagement bewirken kann. In Finnland haben Wissenschaftler und Arbeitsmarktbehörde unter Leitung des erfahrenen Arbeitsphysiologen Juhani Ilmarinen das 470-seitige Strategiepapier «Towards a longer worklife» entwickelt. Es beschreibt, wie die Arbeitgeber sich auf die zunehmende Überalterung der Bevölkerung einstellen, wie Arbeitsplätze den Bedürfnissen der Älteren angepasst werden können. Warum engagiert sich die Schweiz, eines der reichsten Länder der Welt, in dieser Frage nicht? Stattdessen wird hier in der Wirtschaft noch immer der Jugendwahn zelebriert.

Sie übertreiben.

Nein, ich erlebe täglich solche Beispiele. Aktuell begleite ich zum Beispiel eine 50-Jährige, die jahrelang im Back-Office einer Grossbank tätig war und jetzt auf Stellensuche ist. Bei den ausgeschriebenen Stellen, die für sie in Frage kämen, steht überall im Anforderungsprofil, es würden Kandidaten zwischen 19 und 28 Jahren gesucht. Bewirbt man sich trotzdem, lautet die Antwort der Personalberater meistens: «Ihre vielseitigen Kenntnisse haben bei uns einen guten Eindruck hinterlassen. Doch unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass unsere Kunden jeweils jüngeren Bewerbern den Vorzug geben.» Das ist ein gesellschaftliches Dilemma. Wir sollten deshalb nicht so tun, als sei die Altersarbeitslosigkeit ein individuelles Unglück, ein Vermittlungsproblem; als reiche es aus, die Beratung oder den Druck auf die Bewerbenden ein wenig zu erhöhen. Damit lenkt man von den tiefer liegenden Ursachen ab und gibt den Betroffenen das Gefühl, sie strengten sich zu wenig an, sie selber seien das Problem.

Was sind die Folgen davon?

Wir beobachten immer wieder, wie Betroffene sich zurückziehen, sich schämen, krank werden oder in eine Klinik eingewiesen werden. Ökonomisch ist die Rechnung schnell gemacht: Viele Langzeitarbeitslose versuchen nach der Aussteuerung, sich mit Temporärjobs oder in Selbständigkeit über Wasser zu halten. Sie verdienen aber nicht genug, um damit den Lebensunterhalt bestreiten zu können. So bleibt gerade alleinstehenden Frauen nichts anderes übrig als der Gang aufs Sozialamt und das Arrangieren in der Altersarmut.

Was müsste sich denn Ihrer Meinung nach ändern?

Die Analyse der Seco-Zahlen zeigt, dass heute im Alter 45plus rund 10 000 Personen mehr ohne Job beim Arbeitsamt gemeldet sind als vor drei Jahren. Zusätzlich werden mehrere Tausend jährlich ausgesteuert und zehren von ihren Vermögen oder tarnen die Arbeitslosigkeit mit einer Schein-Selbständigkeit. Diese Entwicklung steht klar im Zusammenhang mit der Einführung der Personenfreizügigkeit. Ohne Inländervorrang, Antidiskriminierungsgesetz und altersneutrale Pensionskassenlösung werden auf dem Arbeitsmarkt weiterhin Ältere durch Jüngere ersetzt. Das ändert sich nicht von alleine. Politische Massnahmen sind gefragt, doch davor drücken sich die Sozialpartner, die beim Bundesrat am runden Tisch waren, mehrheitlich.

Sie wurden selber vor 10 Jahren entlassen und konnten danach nicht mehr richtig Fuss fassen im Arbeitsmarkt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ich war früher in der Privatwirtschaft tätig und übte im Alter von 50 Jahren eine Führungsfunktion in einer kantonalen Arbeitsmarktbehörde aus. Es gab einen Führungswechsel auf oberster Ebene. Der neue Chef fand, mein dynamischer Stil passe nicht zu seiner Führungskultur. So stand ich plötzlich auf der Strasse und fand trotz weit über 100 Bewerbungen keine Stelle mehr. Ich sei überqualifiziert, hörte ich oft. Mein reich gefüllter Rucksack wurde als Hypothek betrachtet. Ich bildete mich im Bereich Coaching, Training und Yoga weiter und dachte, das sei in Kombination mit meiner Berufserfahrung ein solides Fundament für eine selbständige Tätigkeit. Im Gesundheits- und Weiterbildungsbereich hat man aber einen schweren Stand als Einzelkämpferin im Wettbewerb mit grossen Playern. Vor drei Jahren gründeten wir den Verein «50plus out in work», damit das Thema auf die politische Traktandenliste kommt.

Sind Sie als Geschäftsführerin für Ihre Arbeit bezahlt?

Nein, es ist weitgehend eine ehrenamtliche Tätigkeit. Wir haben Mühe, finanzielle Unterstützung zu bekommen – vermutlich auch, weil wir politisch Stellung nehmen. Viele Gönner investieren grundsätzlich lieber in der Jugendarbeit, das ist besser fürs Image. Ich lebe heute am Existenzminimum und habe meinen Lebensstil entsprechend angepasst. Die Arbeit ist aber sehr erfüllend. Wir haben Selbsthilfegruppen in der Zentralschweiz, in Zürich und St. Gallen gegründet, eine weitere in Bern wird folgen. Kürzlich gelang einer Frau aus einer unserer Selbsthilfegruppen mit über 50 der Quereinstieg als Busfahrerin. Sie musste viel Überzeugungsarbeit leisten, zuerst bei der Zulassung zur Ausbildung, dann bei der Bewerbung. Heute macht sie einen sehr guten Job. Ich wünsche mir mehr solche Beispiele. Und ich träume von einer Schweiz, in der ein würdiges Altern mit Arbeit und Wohlbefinden möglich ist.

Kontakt und Information:

www.50plusoutinwork.ch
oder info@50plusoutinwork.ch

« Zur Übersicht

40 Kommentare zu “«In der Wirtschaft wird der Jugendwahn zelebriert»”

  1. eine Statistik der ü50, die immer noch auf einer Arbeitsuche (die nicht mehr in Arbeitslosenstatistik erscheinen) sind, würden die Zahlen besser untermauern.

  2. H.P.Hagnauer sagt:

    Richtig. Bin selber schon 10 Jahre arbeitslos und arbeite noch 3 Monate bis zur Pensionierung gratis in Programmen. Danach nichts wie weg. In der EU ist zwar auch nicht alles gut, aber wesentlich günstiger, als hier zu wohnen, einkaufen usw. ohne Geld.

  3. G. Müller sagt:

    Endlich jemand der beschreibt wie die Arbeitsmarktsituation von 50+Stellenbewerbern wirklich ist, und wo die Politik wegschaut.

  4. Ben sagt:

    Im argen liegt das meiste an Gesellschaftlichen Aspekten weil Untermehmen sich nicht im geringsten um Gesellschaftliche und Individuelle Verantwortung kümmern. Kümmern… ein Wort das gerade im Bereich der Bilanzen seine Bedeutung komplett verloren hat. Unternehmen müssen gar nichts, haben alle Freiheiten, doch dort liegen die Möglochkeiten, das Geld, die Organisationsstrukturen, die Vorgesetzen und Kollegen. Alle Strukturen die ein soziales Wesen braucht und die mit ein wenig gutem Willen ermöglicht werden können… mit dem Geld das diese mächtigen Systeme mit allen Mitarbeiternnund mit Unterstützung der Gesellschaft, der Standorte, der Region erst ermöglichen…. und doch sind die zu nichts Verpflichtet. Dss Aktionäresrecht und der Schutz für Investoren vor derartiger Verantwortung wurde schon viel zu weit getrieben. Das Kapital bzw. dessen Besitzer haben alle Fluchtmöglichkeiten wärend alle anderen an ihre Regionen und Lebensräume gebunden sind… wir sollten uns einige Rechte wieder zurückholen.

  5. Hans Imboden sagt:

    Der Bundesrat setzt auf Mütter und lockt mit Steuererleichterung. Was ist mit uns, den über 50-ig jährigen, die keine Stelle finden?
    Bern versagt in dieser Frage total.

  6. meier sagt:

    Zeigt einmal mehr wie der BR zu uns schaut. Wünsche allen mal kurz diese “Nahtoderfahrung” die dieses Phänomen weglügnen oder schönschwätzen. Die Lage ist katastrophal. Und unsere Regierung tut das was sie bis dato immer am besten tat:wegschauen und versuchen das Problem auszusitzen.

  7. diva sagt:

    das thema wunderbar auf den punkt gebracht. bin selber betroffen und spüre, wie ich mit jedem tag der vergeht, mehr und mehr in die depression rutsche. ich bin berufliches multitalent und habe hochstehende leistungsnachweise, doch mit denen kann ich nur das klo tapezieren. mit lobgesängen in absagen, wie toll das alles ist, was ich kann, habe ich weder gegessen noch miete bezahlt…
    ich frage mich, was unser politiker und unser gesellschaft (die multikulti so toll findet, das jeder einfach in unser land laufen können soll) sich eigentlich dabei denken!

  8. Flury Rohrer sagt:

    Liebe Politiker. Macht endlich was. Diese Rechnung wird so nicht aufgehen.
    Schönschwätzerei; Von wegen freiwilliges Einlenken der Wirtschaft. Selten so gelacht. Es müssen offenbar noch ein paar
    Tausend CH’s mehr sein. Die noch im Arbeitsmarkt verweilenden haben Angst und wer kümmert sich schon um ältere Sozialfälle.
    Die Linken haben total versagt. Soll das etwa sozial sein ? In die EU beitreten und noch mehr billige Arbeitskräfte importieren ?
    Unmengen von Steuergeldern in Flüchtlinge investieren und die CH’s kriegen keine Jobs mehr ? Irgendetwas scheint hier in der CH gar im Argen. Schafft endlich den Wttbewerbsvorteil PK ab. Inländervorrang muss her.
    Ich wünsch Euch viel Glück mit den 24.- Franken, die ich letztes Jahr versteuerte und denkt mal einen Meter weiter.

  9. Franz Diethelm sagt:

    Problematik ist, dass es bei den Firmen nur noch um den Profit geht. Dabei geht vergessen, dass der soziale Frieden im Land für das Gedeihen einer Firma sehr wichtig ist. Langfristig gesehen steuern wir auf ein Pulverfass zu.

    Dann haben wir noch die Banken speziell die UBS welche ganze Abteilungen nach Indien auslagert, des Profits wegen. Eine Bank welche der schweizerische Steuerzahler vor kurzem noch retten musste.

    Der Schweizer wird im eigenen Land diskriminiert…

  10. Sibylle Weiss sagt:

    Obiger Artikel ist seit Langem der Beste, den ich in Zusammenhang von Stellensuchenden übe 50 je gelesen habe. Herzliche Gratulation zu diesem direkt auf den Punkt bringenden Artikel zum Thema, vor allem was die Problemsuche bei den Seuchenden anbelangt, indem geschrieben wird “man müsse nicht so tun, als ob Arbeitslosigkeit ein individuelles Problem sei”. Und mit Druckerhöhung auf die Suchenden betreibt man tatschlich keine Kausal- sondern eine Symptombehandlung. Dasselbe gilt auch für Grundbedarfskürzungen, wo man glaubt, damit das grosse Los gezogen und die Probleme gelöst zu haben, was aber dummerweise auch wieder nur einer Symptombehandlung entspricht.

  11. W. Zimmermann sagt:

    Art. 41 BV Sozialziele: “Bund und Kantone setzen sich … dafür ein, dass d) Erwerbsfähige ihren Lebensunterhalt durch Arbeit zu angemessenen Bedingungen bestreiten können”. Art. 113 BV Beruflich Vorsorge: “Die berufliche Vorsorge ermöglicht zusammen mit der AHV die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise”. Die Diskriminierung der 50+ verstösst gegen beide Verfassungsbestimmungen und hat auch nichts mit konjunktureller und struktureller Arbeitslosigkeit zu tun. Warum handeln die Politiker, die den Eid auf die Verfassung abgelegt haben, nicht?

  12. Wolfgang Wenger sagt:

    Kommt in die USA und lernt wie man gezielt um seine Anliegen protestiert , sich organisiert und wie ‘hoch die Erfolgsquote’ bei guten Engagements,, uebrigens waeren in den USA Inserate mit Altersbegrenzung illegal und koennten erfolgreich zu Millionem Dollars fuehren wennein Benachteiligter richtig peozessiert (geannt Equal Opportunity Act!)
    Dieser Artikel ist uebrigens bloss eibe Schoenheitsuebung von TA Media da die selbst meine Berichte noch in den 90’ern ausblendeten was die Diskriminierungs-industrie Schweiz angeht.

  13. Mark sagt:

    Dann gibt es noch die, welche als erfahrene ältere Semester gut zu Aufträgen als Berater kommen könnten. Da haben sie aber die Rechnung ohne die AHV gemacht. Die hintertreibt das aktiv, indem sie ihnen den Status als Selbständigerwerbende abspricht. Diese Aufträge gehen dann an die grossen Personalvermittlungsfirmen, die in Deutschland junge Ingenieure anwerben, sie mit einem Aufschlag von 50% in der Schweiz verhökern und sich dabei dumm und dämlich verdienen.

  14. Inge L. sagt:

    Ich frage mich, warum eigentlich wehren sich die “Alten” nicht gegen diese Diskriminierung und finden sich damit ab? Wir (ich gehöre auch dazu) sind doch nach der Alterspyramide am Wachsen. Ich wäre für eine Partei, die die Rechte der älteren Bevölkerung vertritt – unsere Pflichten haben wir schon gemacht oder sollen wir nur noch für Freiwilligenarbeit gut sein?
    Wer macht mit?

  15. Wieser Kurt sagt:

    Das ist realistischer Klartext und gleichzeitig ein Armutszeugnis für die Schweizer Wirtschaftspolitik.

  16. Zet Winter sagt:

    Guter Artikel. Aber nicht nur die realen Jobprobleme der ü40 stehen in Zusammenhang mit dieser unsäglichen PFZ, sondern auch vieles mehr wie: horrende Mieten, Verkehr, Umwelt, Verdrängung und Ueberfremdung, explodierende Sozialausgaben und Lebenshaltungskosten, usw. Wir haben uns mit dieser Personenfreizügigkeit unzählige Probleme eingehandelt. Aber weder die Politik, noch die Wirtschaft, noch das Stimmvolk ist wirklich ernsthaft gewillt diesen unsäglichen Status Quo zu ändern. Die einen profitieren, und andere haben einfach Angst. Vielen ist es auch einfach egal, oder halten stur an einer politischen/wirtschaftlichen Weltanschauung fest. Und so bleibt alles wie es ist…

  17. Andi Ast sagt:

    Schon bedenklich, wie gleich wieder die Keule für’s Linken-Bashing ausgepackt wird. Dabei sind es die von den Bürgerlichen hofierten Wirtschaftsvertreter, die für diese Zustände schlussendlich mitverantwortlich sind. Sie sind es, die nur noch auf den Profit schauen und sämtliche soziale Verantwortung vergessen haben. Hauptsache jung und billig sollen sie sein, die Arbeitskräfte, am besten aus dem Ausland, dann muss man sich auch nicht an den Ausbildungskosten beteiligen. Und klar, weiter Steuerreduktionen gewähren, nur dumm, dass der daraus resultierende Profit in den Taschen des Managements und der Aktionäre verschwindet, natürlich auch möglichst steuerbefreit. Wann endlich merkt der bürgerliche Mittelstand, dass er sich selber das Wasser abgräbt? Aber es ist halt einfacher, die Ausländer und Asylanten als Sündenbock herbeizuziehen, als selber mal nachzudenken, wieso die Welt ist, wie sie ist.

  18. Fredi Schneider sagt:

    Bei meinem letzten Vorstellungsgespräch letzte Woche wurde ich u.a. gefragt; “warum ich den schon 1 Jahr auf Jobsuche sei bei diesen Qualifikationen”. Was antwortet man am Besten darauf? Als 52+ wird man ab und zu eingeladen für ein Gespräch, man wählt dann aber doch einen jüngeren, der vielleicht nicht alles erfüllt, aber ja auch noch dazulernen kann. Das wird dem Alten nicht mehr zugestanden.

  19. Ronnie König sagt:

    Ja, und alles wird schöngeredet und beschwichtigt! Speziell beim Seco und unserem BR JSA. Man redet vom Erfolgsmodell Schweiz und blendet die Wurmstichigkeit des hiesigen Systems elegant aus, lenkt mit Innovation ab und KMU (die auch als wie jünger werden!). Die PFZ bringt der Wirtschaft enorme Gewinne, der Allgemeinheit jedoch auf Dauer immense Kosten. Auch was die Unterstützung in der Zukunft angeht, sind die Arbeitslosen und Ausgesteuerten von heute die Soz-Abhängigen und verarmten Rentner von morgen. Soweit reichen also die bürgerlichen Rechenkünste in der CH-Wirtschaft. Peinlich!

  20. Kurt Morf sagt:

    Ich kann die Aussagen von Frau Joos aus eigener Erfahrung nur bestätigen – das ist die Realität. Die Wirtschaft realisiert nicht, wieviel Wertschöpfung sie mit ihrer Einstellung verliert und wieviel Geld sie der lokalen Wirtschaft entzieht. Die Politik ist gefordert, die Altersvorsorgegesetzgebung anzupassen und die Wirtschaft, die Arbeitsprozesse flexibler zu handhaben.

  21. Kurt Morf sagt:

    Als 60-jähriger Maschineningenieur kann ich die Aussagen von Frau Joos aus eigener Erfahrung nur bestätigen – das ist die Realität. Die Wirtschaft realisiert nicht, wieviel Wertschöpfung sie mit ihrer Einstellung verliert und wieviel Geld sie der lokalen Wirtschaft entzieht. Die Politik ist gefordert, die Altersvorsorgegesetzgebung anzupassen und die Wirtschaft, die Arbeitsprozesse flexibler zu handhaben.

  22. sandra müller sagt:

    Auch ich fand nach 51 keine feste Stelle mehr, trotz bester Qualifikation, Erfahrung und fünf Sprachen. Habe meine ganzen Ersparnisse aufgebraucht. Dann wurde ich krank und nun habe ich Schulden. Was nie jemand erwähnt: eine Firma hat ein bestimmtes Budget für eine Stelle. Obwohl ich immer erwähnte dass ich betreffend Gehalt flexibel bin, ist nie eine Firma oder ein Personalberater darauf eingegangen. Ich würde auch für 20 – 40 % weniger Gehalt arbeiten. Bei einer temporären Tätigkeit stellte mein Temporärbüro der Firma CHF 67.00 pro Stunde in Rechnung, ich erhielt CHF 30.00. PK pro Monat CHF 50.00.
    Alle Leute die jahrelang temporär gearbeitet haben, werden im Alter arm sein und auf Sozialhilfe angewiesen sein.
    Und wenn in den Stellenvermittlungsbüros und HR-Büros Deutsche sind, erhalte ich als CH sowieso die Stelle nicht denn dann werden D eingestellt. Mehrmals habe ich dies erlebt.

  23. Dodimi sagt:

    Kein Yota will BR Ammann von seiner Meinung bezüglich BVG abrücken. Klar, er als Unternehmer ist sichtlich nur auf “freies” Unternehmertum ausgerichtet, was da heisst,..und wie es ein Kommentator kaltschnäuzig einmal sagte: “Ich stelle ein wer mir passt und lasse mir von niemanden etwas vorschreiben”! Solange diese zwei Gewichte, Politik und UN, nicht einsehen, dass der soziale Friede gefährdet ist, geht gar nichts. Und solange Parlament und BR nicht einsehen, dass das BVG längst reformbedürftig ist, wird sich an der Situation älterer AN nichts ändern. Es ist doch zu schön, wenn das heutige BVG den UN ermöglicht unter Bezugnahme und dementsprechendem Argument ” dass halt die BVG-Kosten älterer AN zu belastend seien”…und darum…Den Rest kennen wir ja!

  24. Es ist völlig klar, dass die Unternehmen ältere ArbeitnehmerInnen im grossen Stil diskriminieren. Die Autorin sagt es richtig: Es herrscht ein eigentlicher Jugendwahn in den Human Resources – Abteilungen. Kommt hinzu, dass in diesen Abteilungen meist junge Lakaien angestellt werden, die von Menschenführung und Psychologie keine Ahnung haben. Das einzige was zählt, ist der ökonomische Gesichtspunkt. Ohne politischen Druck der Bürger wird nichts geschehen. Die Parteien tun sich mit der Wahrheit schwer und reden das Problem der Altersarbeitslosigkeit klein. Unter diesen für ältere Arbeitnehmer miesen Umständen wird die Altersarmut die Folge sein. Denn die Pensionen und AHV-Renten werden nicht reichen, um den teuren Lebensunterhalt zu bestreiten. Noch etwas zum Rechtlichen: Angestellte auf Abruf haben sehr wohl Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung: nämlich dann, wenn das Arbeitsverhältnis mit einer ordentlichen Kündigungsfrist gekündigt worden ist. Angestellte haben dann keinen Anspruch, wenn das Arbeitsverhältnis nicht gekündigt ist, obwohl unter Umständen eine Reduktion eines Pensums erfolgte, weil gemäss den gesetzlichen Bestimmungen der Arbeitslosenversicherung kein anrechenbarer Arbeits- und Verdienstausfall berechnet werden kann. Der Anspruch besteht natürlich auch nur dann, wenn die Mindestbeitragszeit von 12 Monaten erfüllt ist.

  25. Junger sagt:

    Hier sind ja viele ältere Leute am rumjammern, da möchte ich doch gerne etwas Kontra geben: Alte haben oft völlig seltsame Vorstellungen was das Gehalt angeht, sie wurden mal eingestellt und Ihr Lohn wurde immer grösser, aber diese Zeiten sind vorbei. Die Wirtschaft heute ist nicht mehr wie nach dem Weltkrieg.
    In der Informatik kommen Sie mit den Jungen nicht mehr mit, Ihre super Qualis sind nichts mehr wert da nicht mehr Aktuell.

    Viele alte haben schon lange resigniert und warten nur noch auf die Pension, sie werden von den jungen Wilden überrumpelt und sind störrisch wenn es um neue Ideen geht. Alles ist in ständigem Wandel, da ist kein Platz für ewiggestrige. Arbeitstempo? eher langsam, und gemächlich. Erstmal 3Kaffee trinken auf Arbeitszeit damit überhaupt etwas geht. Diese Zeiten sind vorbei, es zählt nur noch die Leistung ende des Tages. Ihr seid in Zeiten gross geworden in denen die Wirtschaft florierte, wir sind aber im Moment eher in Problemjahren, viele Firmen kämpfen ums Überleben, da kann man keinen gemütlichen 55Jährigen einstellen der die Leute von der Arbeit ablenkt mit seinen Geschichten die mit “weisst du, früher war das anderes……” anfangen. Früher ist vorbei, das war einmal.
    Ausserdem sind alte Leute öfters Krank.

    Wenn ihr alle dermassen intelligent und qualifiziert seid, dass ihr desswegen abgelehnt werdet, wieso ist euch nie in den Sinn gekommen das eine oder andere Detail im Lebenslauf wegzulassen? Es sollte euch klar sein dass wenn ihr euch auf einen Hauswartjob bewerbt ein Diplom “Master of Science in Nuklearphysik” nicht förderlich ist.

    10Jahre arbeitslos? So einer will einfach nicht, bzw. ist sich für viele Jobs einfach zu fein.

  26. Als Präsident des Dachverbandes SAVE 50Plus Schweiz gratuliere ich Frau Heidi Joos zu diesem aufschlussreichen Interview. Wir können diese Ansichten und Einsichten nur bestätigen. Die Politik ist naturgemäss langsam und hinkt immer den aktuellen Gegebenheiten hinterher. Es kann deshalb noch Jahre dauern bis die Politik tatsächlich etwas brauchbares umsetzt was sich positiv auf den altersfeindlichen Arbeitsmarkt auswirkt. Zuviele Beziehungen in Politik und Wirtschaft sind Sachzwängen unterworfen, die eine schnelle und wirksame Enwicklung verhindern oder behindern. 50Plus-Kräfte- und Kompetenzbündelung der direkt Betroffenen ist Pflicht. Ab 40 Jahren wird man gemäss Aussagen unserer schweizweiten Umfrage von der Wirtschaft als “Ältere Arbeitnehmende” definiert! Wir müssen für der Wirtschaft Anreize bieten um für Arbeitgeber attraktiv zu sein und die Thematik proaktiv in den Markt bringen! Die Wirtschaft ist tagaktuell und schnell. Wir müssen die Dinge selbst in die Hand nehmen, den uns “Alten” läuft definitiv die Zeit davon. Wir müssen “Fit for Job” bleiben, denn wir werden bald dringend gebraucht!

  27. Martha Schweizer sagt:

    wir leben nicht mehr in einer Gesellschaft, sondern in einer aggressiven Wirtschaft, wo das Älterwerden als Krankheit wahr genommen wird und somit rechtfertigt, dass ältere Arbeitnehmerinnen auf der Strecke bleiben. Ein Land ist so stark wie sein schwächster Bürger! Ich betreute über 11 Jahre 3 Kinder, Haus etc. Einstieg ins Berufsleben im Jahre 1990 schon dann sehr schwer – prima Ausbildung, Weiterbildungen, was zu ‘Überqualifikation’ geführt hat. Teilzeitjobs, durch Merger arbeitslos geworden. Mit 46 schon damals kein Job mehr – neue Berufsausrichtung, im 2000 Stelle im Ausland gefunden, Stelle im 2013 wegen Wirtschaftscrash im 2008 weg rationalisiert – Stellensuche in der CH. Über 230 Anfragen, machte eine ‘Privatstudie’, ein aufschlussreiches Doku. RAV-Betreuer:”Warum gehen Sie nicht auf die Sozialhilfe – Sie sparen sich dieMühen der Job-Suche (war da 62). Arbeite heute in 2 schlecht bezahlten Jobs (Glück), AHV und Einkommen unter dem Existenzminimum. Obwohl als CH-Bürgerin konnte ich keine weiteren Beträge im Ausland mehr einzahlen. Familienarbeit wird bei der Stellensuche rüde übersehen, vor allem, wenn Berufsausbildung und Auslanderfahrung. Ich wünsche mir, dass dieses Thema ‘ältere Frauen ausgesteuert, weggeworfen’ mehr Stimmen erhält. Heute WILL ich gehört werden!!!!

  28. Manfred Grieshaber sagt:

    Kurzfristiges Denken ist aktuell top. Finnland im Beispiel hat hier eine längerfristige Planung. Den das demographische Problem ist nicht auf die Schweiz beschränkt sondern existiert in allen Industrie- und Schwellenländern: Das Damoklesschwert des Pillenknicks das in einigen Jahren zeitgleich und global ein riesiges Loch in das Reservoir verfügbarer Arbeitskräfte reißt. Aber 5 Jahre in die Zukunft zu planen kommt heute für viele in der Wirtschaft nicht mehr in Frage weil man sich nur von einer Bilanz zur nächsten hangelt. Dabei sind 5 Jahre für eine volkswirtschaftliche Neuausrichtung der öffentlichen Bildung, innerbetrieblichen Weiterbildung und für Integrationsprogramme älterer Arbeitnehmer ein sehr kleiner Zeitrahmen. Und es gibt heute schon im Bereich Pädagogik das Problem des es im gesamten deutschsprachigen Raum zuwenig Berufseinsteiger gibt. Daher sind die Schulbehörden aus A, D und CH heute schon bei ihren Nachbarn in den Hochschulen auf Werbetour. Das wird sind schleichend auf immer mehr Branchen ausweiten und in einigen Jahren stehen dann Firmen ganz dumm dar wenn sie nirgendwo mehr qualifizierte Arbeitskräfte rekrutieren können weil man es hier versäumte den eigenen Arbeitsmarkt so aufzustellen das genügend Arbeitskräfte verfügbar sein werden.

  29. Sibylle Weiss sagt:

    “Sie übertreiben”; sobald jemand wie die Dame die Wahrheit ausspricht, verselbständigt sich die “Uebertreibung” quasi automatisch, weil sich vermutlich ein letzter Versuch, die Arbeitsmarktlage schön zu reden, an den Spruch “die Hoffnung stirbt zuletzt” klammert!

  30. Maria sagt:

    Das Drama der 50+ Arbeitslosigkeit wird von der Politik totgeschwiegen, es wird nicht mit echten Zahlen argumentiert. Alle Arbeitslosen, die in irgend einem Beschäftigungsprogramm ihre Zeit verbringen, werden nicht in der aktuellen Arbeitslosenstatistik erwähnt. Aber, wenn man die Zahlen der Sozialhilfe genau betrachtet, fällt auf, dass besonders viele ü50 nach Langzeitarbeitslosigkeit dorthin geschoben werden.
    BR Schneider-Amman und alle anderen BR leben in einer “geschützten Werkstätte” mit keinerlei Realitätsbezug. Noch nie in ihrem Leben mussten sie um einen Job betteln, noch nie waren sie von Armut bedroht. Wie wollen sie überhaupt die Wirklichkeit in der Arbeitswelt beurteilen können. Die Wirtschaft regiert und die Politik tanz wie ein Tanzbär nach deren Pfeife. Die alte Leier, dass die Wirtschaft die Ausländer benötige spottet jedem Schweizer, der auf Arbeitssuche ist.

    Auch ich suche seit mehreren Jahren einen Job. Die Absagen erfolgen oft noch am gleichen Tag…. “tut uns leid”…blablabla…in den Telefongesprächen wird einem vorgegaukelt, dass man überhaupt keine Ressentiments gegen ältere Arbeitssuchende habe. Dies entspricht nicht der Tatsache. Man wird zudem noch als unwillig von der Gesellschaft kritisiert…”jeder, der wirklich will, findet in der Schweiz einen Job!”… was zusätzlich noch auf die Moral schlägt.

    Wenn ich die jährlichen Einwanderungsstatistik lese, bekomme ich eine echte Wut. Das darf einfach nicht sein. Die Wirtschaft macht immer grössere Gewinne und die öffentliche Schweiz greift immer tiefer in die Tasche, um die Misere zu mildern. Unsere Politik scheint dies nicht zu stören, sie schaut tatenlos zu.

    Schuld sind auch die ungerechten PK Tarife. Die müssen dringend geändert werden. Auch hier wird nur gelabert und nicht gehandelt. Wir ü50er sind einfach zu teuer heisst es hinter vorgehaltener Hand.

  31. Frank M sagt:

    Ich kann die Ausführungen von Herrn Grieshaber, Frau Schweizer und Herrn Neugart nur unterstreichen.
    Egal ob in CH/D oder A, man ist mit 40 eigentlich schon viel zu alt.
    Ein äußerst erfolgreiches Berufsleben in verantwortungsvollen Positionen zählt ab dem 45. oder 50 Lebensjahr überhaupt nichts mehr.
    Wie Frau Joos andeutet ist man ab einem bestimmten Alten scheinbar nur noch in der Lage für geistig anspruchslose Hilfsarbeiten.
    Bezüglich der Personalplanung sehe man sich nur die Altersverteilung in den Chefetagen an und dann weiß man aus Erfahrung, dass ausschließlich das kurzfristige Ergebnis zählt.
    Und in der Tat, muss man das Alter fast als Krankheit begreifen,
    Auf der einen Seite beklagt man Fachkräftemangel und gleichzeitig wird eine ganze Generation berufserfahrener älterer Mitarbeiter wie lästiger Müll entsorgt.

  32. Alfredo Meister sagt:

    Ein super Artikel. Gerade beim Bund trifft das zu! Das werden v.a. Junge angestellt. Ich bin beim 3. Bundesamt und habe viel mit dem HR zu tun. Die meisten, die einen guten Job oder gute Lohnklasse bei uns haben, erhalten den Job eh nur dank Beziehungen. Aber wenn einer mit 45 oder 50 noch ne Stelle bekommt, dann ist da Vitamin B pur vorhanden. Normale Architekten, Ingenieure oder Juristen erhalten beim Bund ab 45 praktisch keinen Job mehr. Dafür habe ich schon erlebt, wie der mehrmals verlängerte und befristet Arbeitsvertrag eines fast 50 jähriger CH-Familienvaters nicht mehr erneuert wurde. Angstellt wurde ein junger Deutscher. Wir haben auch einen Deutschen Direktor im Bundesamt (neu Institut). Bewerben sie sich mal als CH in D auf eine Beamtenstelle … Selber habe ich auch erlebt, wie 40 bis 50 jährige Ökonomen, Juristen etc. hochmotiviert zu einem Vorstellungsgespräch mit Top-Qualis inkl. EMBA kommen. Genommen wird von den 70 Bewerben die blonde, junge, 28-jährige Anwältin (bei schlechtbezahlten Sachbearbeiterjobs gibt es weniger Filz, da zählt Formbarkeit und Kopfnicken). Wäre die Stelle besser mit mehr Lohn, wäre die eh unter der Hand vergeben worden. Und wenn der Bund schon so ist, wie sieht es da in der Privatwirtschaft aus?

  33. Leo Neubert sagt:

    Das Problem mit den steigenden BVG-Prämien im Alter ist seit vielen Jahren bekannt.
    Eine Lösung wäre auch sehr einfach.
    Warum nur schafft es die Politik einfach nicht, die Prämien unabhängig vom Alter zu gestalten?
    Vermutlich ist die Lösung zu einfach – Politiker schwingen offenbar lieber grosse Reden.

  34. walter studer sagt:

    Super Frau Joos

    Endlich jemand der mal auf diesem Gebiet die Meinung sagt!

  35. Walter Bruppacher sagt:

    vor einiger zeit habe ich gekündigt und blauäugig geglaubt, dass die leute die arbeiten wollen und qulifiziert sind auch mit über 50 einen job finden werden. grosse anstrengungen und herzblut fliessen in viele bewerbungen – ohne resultat. wann realisiert/denkt die wirtschaft/politik um? demographisch kann es sich die CH nicht mehr lange erlauben, diese arbeitskapazitäten zu verschmähen. wie stellt man sich unter diesen umständen eine erhöhung des ahv alters vor? lieber spricht man von einer frauenquote (die mittlerweile autonom gut in schwung gekommen ist) als dass man sich diesem aktuellen, geschlechter unabhängigen und für die CH immer teureren thema verschreibt.
    ich danke jedenfalls den machern dieses interviews, hat mir wieder einen kick für’s weiterkämpfen gegeben.
    wie kann man bei ihrem verein aktives mitglied werden frau joos? fg. walter bruppacher

  36. Denise Braunbarth sagt:

    Vielen Dank für dieses Interview. Jedes Wort von Frau Joos ist korrekt. Ich bin 52 und – trotz gefragter Skills und einwandfreier Referenzen – seit November 2013 stellensuchend. Trotz mehr als 200 Bewerbungen ist keine Feststelle in Sicht. Dank mehrerer temporärer Einsätze werde ich wohl dieses Jahr einer Aussteuerung entgehen. Aber wie lange noch? Wirtschaft und Politik verlangen eine Erhöhung des Rentenalters aber keiner ist bereit, etwas gegen die Altersdiskriminierung auf dem Schweizer Arbeitsmarkt zu tun und in Alain Bersets Amt verschliesst man die Augen vor den verheerenden Folgen der progressiven BVG-Abgaben..

  37. eine 50+ mit Stell sagt:

    Es stimmt natuerlich, dass es hart ist als 50+ arbeitslos zu werden bzw. wieder eine Stelle zu finden. Andererseits zeigen die Arbeitslosenstatistiken, dass durch’s Band weg die Arbeitslosenquote von 50+ tiefer liegt als diejenige der 25-50 und der U25.

  38. Vera sagt:

    Ich habe bei einer Bank nachgefragt, dass ich lieber eine ältere Person am Schalter sehen würde. Ob sie überhaupt noch ältere Frauen beschäftigen, habe ich gefragt. Ja, hinten im Büro in der Buchhaltung ist noch eine. An all die Jungen, die darüber lächeln, möchte ich nur erinnern, dass es schneller geht als man glaubt und man gehört zum alten unerwünschten Eisen. Selbst in der Schule, in der ich arbeitete sollte eine neue Mitarbeiterin angestellt werden. Ich war entsetzt, als die Schulleiterin – selbst über 50 – sagte, dass sie alle Bewerbungen über 35 Jahren weggelegt habe. Niemand der anwesenden Lehrer reklamierte. Dieses Erlebnis liegt ein paar Jahre zurück – wie sollen wir diesem Trend begegnen. Ich kontaktiere so es möglich ist, immer die älteren Frauen in Geschäften, Behörden etc. Wie soll ich sonst dieser schädlichen Entwicklung entgegentreten.

  39. Denise Braunbarth sagt:

    @Vera: Wie ist es denn mit den Ausgesteuerten? Informieren Sie sich einmal, wie hier das Verhältnis 45+ zu 45- ist. Die Seco-Statistik ist eine grosse Lüge, die nur zu gern zitiert wird, weil sie Politik und Wirtschaft die Rechtfertigung zum Nichtstun gibt. Würde die Secostatistik die Ausgesteuerten ausweisen, sähe es anders aus.

  40. […] Situation in der Schweiz: Interview mit Heidi Joos, Geschäftsführerin des Vereins 50plus out in […]

Meistgelesen in der Rubrik Blogs

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Werbung

Auswärts essen? Die Gastrokolumne.

Per Mausklick zur Gastrokritik: Wo es der Redaktion am besten mundet, kommen vielleicht auch Sie auf den Geschmack.

Werbung

Silas Ecksofa

Ihre neue Wohlfühloase: maximaler Komfort inklusive Bettfunktion und Regalböden. Im OTTO’S Webshop!

Werbung

Volltreffer! Die Fussballkolumne.

Grädel schreibt über Fussball und die Welt. Wenn einer in Bern und Umgebung echten Fussballsachverstand hat, dann er.