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«Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 15. Juni 2013
Gerald Hüther, Neurobiologe.

Gerald Hüther, Neurobiologe.


«Die heutige Wirtschaftswelt basiert auf Wachstum statt auf Ethik – dadurch werden Menschen gefördert, die funktionieren, aber nicht mehr sie selbst sind», sagt Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie an der Universität Göttingen. Der 62-Jährige kritisiert, dass wir uns von der Unterhaltungsindustrie verführen lassen und damit nicht nur unser eigenes Hirn ruinieren, sondern auch das unserer Kinder.

Interview:
Mathias Morgenthaler

Herr Hüther, wer oder was wären Sie gerne geworden?

GERALD HÜTHER: Wie alle Jungs wollte ich Lokführer werden, später Zoodirektor. Als ich in die kritische Phase kam, in der die ersten Festlegungen getroffen werden, stand für mich die Biologie im Vordergrund. Ich hatte riesiges Glück, dass meine Eltern und die anderen Erwachsenen in der Grossfamilie, in der ich aufwuchs, mir viel Freiraum gelassen haben. So konnte ich meine Talente und Begabungen entdecken, ohne den Erwartungen anderer ausgesetzt zu sein. Ich musste niemandem gefallen, es niemandem recht machen.

Heisst das, die Eltern sollten sich nicht zu sehr um ihre Kinder kümmern?

Heute wird zu viel gefördert, begleitet und optimiert. Damit nehmen wir den Kindern die Chance, sich selbst zu befragen, herauszufinden, was sie selber wollen. Ich durfte viel Zeit in Kinder- und Jugendgruppen verbringen, in Vereinen und mit Handwerkern. So fand ich heraus, was mich anzieht. Das ist heute nur noch wenigen Kindern vergönnt.

Warum?

Weil Eltern ihre eigenen Sehnsüchte, ihr ungelebtes Leben auf ihre Kinder projizieren. Man kann das Hirn im Laufe seiner eigenen Entwicklung ruinieren und das seiner Kinder obendrein. Kinder versuchen immer, die Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen – selbst wenn sie dagegen revoltieren, sind sie nicht weniger durch sie bestimmt. In beiden Fällen leben sie das Leben ihrer Eltern weiter. Etwas Eigenes aufzubauen gelingt nur, wenn wir früh die Erfahrung machen, dass wir die Gestalter unseres Lebens sind. Dafür braucht es Gelegenheiten, Freiräume ohne Förderung und Programm, auch ohne TV-Programm. Wird die Gestaltungskraft nicht entwickelt, bleibt nur die Hoffnung auf Veränderungen von aussen. Wer sich nicht als Autor seines Lebens wahrnimmt, ist den Verführungen der Unterhaltungsindustrie wehrlos ausgesetzt.

Woran denken Sie konkret?

In der freien Natur finden wir wunderbare Gestaltungsräume. Die meisten Spielzeuge in unserer Konsumgesellschaft dagegen rauben uns sämtliche Gestaltungsmöglichkeiten, sie reduzieren uns auf die Rolle der Ausführenden. Die Unterhaltungsindustrie verführt uns dazu, ihr permanent Aufmerksamkeit zu schenken, indem sie Banales für bedeutsam und aufregend erklärt. Weil sie viel zu früh Konsumenten werden, verlieren Kinder die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen.

Dieses Problem haben auch Erwachsene. Jedes neu eintreffende Mail, jeder Anruf wirkt attraktiver auf uns Büroarbeiter als die Vertiefung in anstrengende Denkarbeit.

Solange Sie sich auf jedes neue Mail stürzen, sind Sie ein Bedürftiger, getrieben von einem ungestillten Bedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit. Wenn man in sich ruht, ist man für all die blinkende Ablenkung weniger empfänglich. Wer aber auf jeden leuchtenden Knopf, auf jede neue Nachricht springt, der sollte sich fragen: Wie war das in meiner Kindheit und Schulzeit? Fand ich da genug Anerkennung und Zugehörigkeit? Wir sollten nicht über Smartphones, Facebook oder Gratiszeitungen schimpfen, die uns zerstreuen, sondern uns mit der Frage auseinandersetzen, was wir tun können, damit weniger Menschen mit dem Gefühl rumlaufen, sie seien nichts wert. Dagegen kann man etwas tun, auch in der Arbeitswelt. Wir müssen Bedingungen dafür schaffen, dass mehr Menschen einer Tätigkeit nachgehen können, die sie wirklich interessiert.

Die Erwartung, sich im Beruf verwirklichen zu können, ist ein relativ neues Phänomen.

Frühere Generationen kannten übergeordnete Instanzen, denen sie ihr Ego unterordneten. Wer religiös war, versuchte, gottgefällig zu leben, andere fühlten sich dem Arbeitgeber verpflichtet. Heute dominiert die nüchterne Lohnarbeit. Das ist eine ungesunde Entwicklung. Jeder hat das Recht, darauf zu pochen, dass er nebst Geld auch Erfüllung bekommt. Das ist dann der Fall, wenn er durch seine Tätigkeit zu einer Gemeinschaft gehört und wenn er dort in Freiheit und Verbundenheit zeigen kann, was er drauf hat. So erklärt sich auch der Pensionierungsschock: Man wird zwar von der Arbeitspflicht befreit, schwerer wiegt aber bei den Meisten der Verlust der Zugehörigkeit.

Sie kritisierten kürzlich in einem Interview, dass Unternehmen «Dressurmethoden» anwenden, um Fachidioten auszubilden, statt auch Querdenkern und Quereinsteigern eine Chance zu geben.

Das gilt für die auf reibungslose Effizienz getrimmten Konzerne. Aber im Mittelstand, der in der Schweiz und in Deutschland die Wirtschaft prägt, geht es unglaublich bunt zu und her, da sehe ich keine Stromlinienförmigkeit. Machen wir uns nichts vor: Effizienz und Massenproduktion, das können die Chinesen besser als wir. Unsere Chance besteht darin, innovativ zu sein und Neues zu erfinden. Dafür braucht jeder Arbeitgeber Mitarbeiter, die ihm etwas schenken, was er nicht gegen Bezahlung einfordern kann: die Lust am Nachdenken, die Freude an der Gestaltung. Und echte Freundlichkeit. Ein aufgesetztes Lächeln kann man antrainieren, echte Freundlichkeit entsteht nur, wenn ich in Kontakt bin mit meinen Talenten. Dies wiederum gelingt leichter, wenn Eltern ihren Kindern erlauben, eigene Wege zu gehen, statt vor lauter Ängstlichkeit darauf zu beharren, dass sie etwas Rechtes lernen, sprich: sich frühzeitig in ein Berufsschema zwängen lassen.

«Wir sind alle nur Kümmerversionen dessen, was wir sein könnten», lautet eine Ihrer Überzeugungen. Liegt das daran, dass wir uns zu früh dem Arbeitsmarkt anpassen?

Den Arbeitsmarkt gibt es nicht, es gibt nur unterschiedliche Unternehmen und unterschiedliche Ängste. Bei den Unternehmen verändert sich vieles. Jene, die zur Erreichung kurzfristiger Ziele auf Peitsche und Incentives setzen, gibt es noch immer. Ich sehe aber auch viele, die ganz ernsthaft auf Beziehungskultur setzen. Unternehmen, in denen die Mitarbeiter ihren eigenen Lohn mitbestimmen, in denen Führungskräfte einen Teil der Boni an ihr Team abgeben. Ich sammle solche Beispiele und publiziere sie auf kulturwandel.org. Diese neue Arbeitswelt wächst rasch, die Unternehmen, die dazugehören, haben keine Schwierigkeiten, neue Talente zu finden.

Was raten Sie jemandem, der 20 Jahre in einem traditionell geführten Grossunternehmen Karriere gemacht hat und trotz Unwohlsein den Absprung nicht schafft, weil er sich an die Annehmlichkeiten gewöhnt hat?

Er soll sein Standbein vorerst beibehalten und sich ein Spielbein aufbauen, mit dem er kleine Schritte in eine neue Richtung machen kann. Mit der Zeit wird sich der Radius vergrössern. Oft findet man auch im angestammten Beschäftigungsfeld Gestaltungsspielräume. Oder man findet ein neues Feld, in dem man die erworbenen Fähigkeiten besser zur Entfaltung bringen kann. Das verspricht mehr Erfolg als der radikale Bruch. Konkret: Wenn ein Jurist genug davon hat, den Amtsschimmel zu reiten, kann er sich beim WWF oder bei Greenpeace engagieren – da hat er bessere Erfolgschancen als wenn er sich als Fischer in der Südsee eine neue Existenz aufzubauen versucht.

Sie unterstützen die Bewegung Millionways und die gleichnamige Stiftung. Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Wir leben alle so dahin, lassen uns leben und treiben, stellen aber die entscheidenden Fragen nicht, die da lauten: Was will ich wirklich? Warum will ich hier unterwegs sein? Was kann ich bewegen? Diese elementaren Fragen liegen oft tief verborgen, zugeschüttet mit Alltagsmüll, verdrängt durch Geschäftigkeit. Die heutige Wirtschaftswelt basiert meist auf Wachstum statt auf Ethik – dadurch werden Menschen gefördert, die funktionieren, aber nicht mehr sie selbst sind. Wir werden belohnt dafür, unachtsam mit uns und unserem Umfeld zu sein. Mit der Bewegung Millionways wollen wir zu einer Gesellschaft beitragen, in der es normal ist, das Potenzial jedes Einzelnen zu entdecken, zu fördern und auszuleben. Bislang ging das nur, wenn Einzelne überdurchschnittlich viel Kraft, Mut und Energie hatten – denn geholfen wurde einem selten. Oft wurde man sogar entmutigt und entfernte sich von den eigenen Träumen aus rationalen Beweggründen und scheinbaren Zwängen.

Wie wollen Sie das ändern?

Indem wir jeden Einzelnen dazu befähigen, ein klares Bewusstsein seiner Talente und Begabungen zu entwickeln. Dann braucht es die Bereitschaft von Arbeitgebern, solche selbstbewusste Berufsleute auch einzustellen. Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, als arbeitender Mensch zu funktionieren, sondern als lebender Mensch zu existieren. Millionways fungiert als Anlaufstelle für Menschen, die ihr wahres Potenzial erkannt haben oder erkennen wollen – und für Unternehmen, die auf solche Mitarbeiter setzen. In gewisser Weise holen wir nach, was die Schule versäumt, weil sie noch immer mehr wie eine Erbsensortieranlage funktioniert.

Machen Sie es sich mit dieser pauschalen Kritik an der Schule nicht etwas zu einfach?

Die Schule wird von jeder Gesellschaft so betrieben, wie es zur Erhaltung dieser Gesellschaft erforderlich ist. Im Fabrikzeitalter brauchte es Pflichterfüller, die auf Belohnung und Bestrafung reagierten. Heute braucht es Menschen, die ihr Potenzial nicht entfalten konnten und deshalb zum bedürftigen Konsumenten taugen. So gesehen macht die Schule alles richtig. Als Hirnforscher, der sich fragt, was ein Mensch alles sein könnte, bin ich aber nicht glücklich über unser Schulsystem. Es macht viele unserer Kinder zu Optimierern und Schnäppchenjägern, deren Expertise darin besteht, mit wenig Aufwand gut über die Runde zu kommen. Das prädestiniert sie dazu, billig Schrott zu erstehen und auf den Weg der kollektiven Verblödung einzubiegen.

Welche Alternativen schlagen Sie vor?

Es gibt sie schon, die anderen Schulen, wie die Initiative «Schulen der Zukunft» zeigt. Ich war gerade auf einem Kongress mit 1200 Teilnehmern in Zürich. Da gibt es jahrgangsübergreifend Lernbüros statt Frontalunterricht, die Schüler legen selber einen Plan fest, wie sie sich durch eine Sequenz von Aufgaben durcharbeiten. Sie holen sich Hilfe bei älteren Mitschülern und melden sich zur Prüfung an, wenn sie bereit sind. Es gibt Fächer wie Verantwortung, wo sich Kinder um Senioren oder Zootiere kümmern. Wenn alle Schulen so funktionieren würden, müssten 90 Prozent der Läden an der Zürcher Bahnhofstrasse mangels Nachfrage schliessen – und nicht nur dort.

Sie rufen also zum Konsumverzicht auf in eine Zeit, in der uns alle Ökonomen predigen, dass wir dringend weiteres Wachstum brauchen?

Blinder Konsum, der die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen in Kauf nimmt, ist keine Lösung, sondern wesentlicher Bestandteil unseres Problems. Massenproduktion ist eine Ersatzbefriedigung einer Gesellschaft in grosser Identitätskrise. Aus der Neurobiologie wissen wir: Wenn wir die Beziehungen verbessern zwischen den Nervenzellen, sprich für bessere Konnektivität sorgen, dann erreichen wir mehr mit geringerem Ressourcenaufwand. Das ist in meinen Augen auf die Wirtschaft übertragbar. Der Wettbewerb in der heutigen Form richtet uns auf Dauer zugrunde. Das Zeitalter der Einzelkämpfer neigt sich dem Ende zu, wir sollten lernen, uns besser zu verknüpfen und mehr zu teilen. Jede andere Haltung ist so sinnlos, als würde die Leber mit Milz und Lunge darum kämpfen, wer die Macht über den Körper hat.

Sie erklären selber in Ihrem Buch «Männer, das schwache Geschlecht», dass Männer meistens den Wettbewerb suchen, sich an äusserem Erfolg orientieren, um so das Gefühl der Bedeutsamkeit zu bekommen. Das sind schwierige Voraussetzungen für mehr Kooperation.

Das stimmt, Männer versuchen – mehr als Frauen – sich zu beweisen und allen zu zeigen, was sie können. Wenn ein Mann sich dann noch minderwertig fühlt, ist er zu allem fähig – im Guten wie im Bösen. Van Gogh und Hitler wären undenkbar mit intaktem Selbstwertgefühl. Wenn es stimmt, dass wir als Gesellschaft an einem Wendepunkt stehen und die Zeit der Einzelkämpfer vorbei ist, dann ist es eminent wichtig, dass junge Menschen früh die Erfahrung machen, per se bedeutsam zu sein, unabhängig ihres Leistungsausweises. Auf dieser Basis werden Innovation und Kooperation möglich. Wer getrieben ist vom Geltungsdrang, handelt langfristig immer destruktiv.

Wie stark ausgeprägt ist Ihr eigener Geltungsdrang? Neurobiologen sind unglaublich populär geworden, Sie treten als Welterklärer, Medienstar und Bestsellerautor auf und entfernen sich damit ein gutes Stück vom wissenschaftlichen Terrain.

Wenn Wissenschaft nur in reiner Analytik und der Zerlegung des Wissens in immer weitere Bestandteile besteht, entferne ich mich tatsächlich davon. Wir brauchen nicht endlos viele kleine Mosaiksteinchen, sondern Menschen, die das Vorhandene zu einem sinnvollem Gesamtbild zusammenfügen können. Ich bin mehr Synthetiker als Purist. Ich spreche ungern über das Gehirn, ohne den Körper, die Familie, die Gesellschaft einzubeziehen. Ich sehe meine Aufgabe darin, ein Brückenbauer und Ermächtiger zu sein, die grossen Linien herauszustreichen. Das 20. Jahrhundert war geprägt durch Konkurrenz und Machbarkeit. Wenn ich das richtig sehe, wird das 21. Jahrhundert im Zeichen der Selbstorganisation und Potenzialentfaltung stehen. Versuchen wir, dafür gute Bedingungen zu schaffen, statt die alten Muster zu zementieren.

Information und Kontakt:
www.gerald-huether.de
www.millionways.org

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37 Kommentare zu “«Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei»”

  1. Walter Schneider sagt:

    Falsch. Die Wirtschaft wird immer Einzelkämpfer brauchen.

  2. Gerhard Kalterer sagt:

    Die Lektüre bestätigt mein Vorurteil: Neurobiologen sind die neuen Esoteriker. Das einzige, was diese Menschen feststellen können, ist die stärkere oder schwächere Durchblutung von Gehirnarealen. Als sagte das etwas darüber aus, WAS diese Durchblutung zu bedeuten hat oder als könne man wissen, was in diesen Arealen geschieht. Der Rest ihrer Wissenschaft ist vor allem Mutmassung und Hypothese, hier noch gemischt mit einem kräftigen Schuss Kulturpessimismus (die Eltern sind funktionale Krüppel und erziehen ihre Kinder genau gleich etc.).

  3. Thomas Allmendinger sagt:

    Not macht erfinderisch, Wohlstand macht dumm. Was soll’s, zu grübeln und sich den Kopf zu zerbrechen? Wir haben schliesslich Glaubens- und Meinungsfreiheit, und da ist alles irgendwie richtig! Fernsehen und Internet kommen ohne abstraktes Denken aus. Da wird alles leicht verdaulich serviert. Hauptsache, man ist dabei. Hauptsache, man glaubt, man hätte eine eigene Meinung – wie es alle glauben. Falls man berufstätig ist, nimmt man täglich an Sitzungen teil und muss aufpassen, dass man dabei nicht einschäft. Hauptsache, der Lohn ist Ende Monat auf dem Konto. Hauptsache, man hat Fun und amüsiert sich!

  4. Alfons Tittler sagt:

    Vielen Dank, Herr Schneider, für den hochdifferenzierten Kommentar. Natürlich wird es immer Einzelne brauchen, die Ihren Job besonders gut erledigen, und es gibt ja, wenn man so will, auch im organischen Körper eine Steuerungshierarchie. Aber weder eine Milz noch ein Hirn können für sich alleine existieren. Auch wenn sie Ihren Job noch so gut erledigen. Es soll ja sogar Fälle gegegben haben, wo ein wundervolles Hirn zusammen mit einem gesunden Herz den Weg zum Kompost gehen musste, nur weil ein lächerlicher Wurmfortsatz nicht mehr richtig mitgemacht hat. Und wieviele Firmen gehen heute bachab, aufgrund eben einer überhöhten (Selbst-)Einschätzung des “Einzelkämpfers”. Ein weniger digitales Denken würde eben schon helfen. und “falsch” ist eben nicht immer das Gegenteil von “richtig”, auch wenn es so viel einfacher wäre.

  5. marc westermann sagt:

    Der Mittelstand ist eben gut, weil er von einzelnen kreativen Unternehmern geführt wird. Der Mittelständler steht in der Pflicht, nimmt seine Verantwortung wahr und trägt auch die Folgen seines Tun und Handelns. Ebenso ist es in der Wissenschaft, wo echter Fortschritt nur durch einzelne Individuen entsteht. Das allein genügt aber nicht. Das forschende Individuum, um Fortschritte zu erzielen, muss auch imstande sein, sich dem Mainstream zu entziehen. Die Meta-Ebene bleibt tabu, denn nur einfache Fragestellungen führen zu neuen Erkenntnissen. Wohl dem, der das Leitmotiv “publish or perish” bachab schickt.

  6. Einige Kommentare sind typisch “Mann” Alles, was sie mit dem Verstand nicht erklären können, wird als “Esoterik” abgestempelt.
    Es sähe anders auf unserem Planeten aus, wenn die sogenannten “Etablierten” endlich begreifen, dass nicht der IQ, sondern der EQ entscheident ist! Herzdenken ist gefragt.

  7. “Einzelkämpfer” dieser Begriff enthält nichts positives, Einzel = allein, Kämpfer = Krieger! Das ist keine gute Zukunftsmelodie und fordert tägliche Opfer, die zu verhindern wären.
    Menschen sind keine Objekte, die dazu erzogen werden sich selbst zu versklaven.
    Leider trägt unsere Gesellschaft diese traurige Maske und das schon viel zu lange!

  8. Gerhard Mersmann sagt:

    Hüther outet sich so: „Ich sehe meine Aufgabe darin, ein Brückenbauer („Pontifex“) und Ermächtiger („Potentat“) zu sein“. – Er gibt zu Protokoll: „ … ich wollte Lokführer werden, später Zoodirektor.“ – Das ist er ja geworden: ein „Opinion-Leader“ (Lokführer), der den Leuten („Zoo-Insassen“) geduldig erklärt, warum sie hier im Zoo (auf der Erde) leben.

  9. fischer sagt:

    Hier kann man doch nur sagen endlich ist die Bestätigung vollkommen, für die bereits seit Jahren gelebte gestuerte Bedürfnisgesellschaft. Der Bürge ist doch schon lange nicht mehr eigens selber mündig, den er konsumiert alles aus derr Werbung auf Teufel komm raus.Es fängt doch bereits im Kindergarten an, wo Kleider Leute, und abgeblich auch Kinder machen sollten. Doch die Gesellschaft ist sie auch mündig?

  10. Cécile Wolfsteiner sagt:

    Nichts ist absolut…losgelöst
    Ethik ist sicher ein Schlüsselwort unserer Gesellschaft, und darum sollten wir die Welt und unser Tun auch immer wieder mal mit einem gewissen Abstand betrachten und mit gesundem Menschenverstand hinterfragen. Denn oft fehlt uns genau dieser – wir sind so vertieft in unser kurzfristiges, “erfolgsorientiertes” (erfolgsorientiert deshalb in Klammer, weil evolutionstechnisch gesehen, unser Bemühen keinen nachhaltigen Erfolg bringt) Schaffen, dass wir die damit herforgebrachten Absurditäten nicht mehr erkennen (oder wir erkennen Sie und sind nicht in der Lage zu reagieren). Oder ist es noch im Bereich des Normalen, dass wir einer Gesellschaftsschicht unmöglich finanzierbare und in den Ruin treibende Kredite gewähren um im ganz grossen Stil Kapital daraus zu schlagen oder eine gewisse Berufsgruppe sich eine so richtig krasse Dürre wünscht um den Gewinn zu maximieren? Vielleicht ist es normal und gehört zum Masterplan, denn wie uns die Erdgeschichte lernt, sind Aufstieg und Zerfall schon fast mathematisch miteinander verknüpft.
    Und trotzdem – der Mensch hat die Fähigkeit und damit auch eine gewisse Pflicht es besser, anders zu machen. Und solange wir auf dem Planeten Erde wandeln, sollten wir das auch immer wieder mal tun. Denn, wie gelesen, es ist Blödsinn, dass Leber mit Milz und Lunge darum kämpfen, die Herrschaft im Körper zu übernehmen.

  11. Hanspeter Niederer sagt:

    Hammergute Aussagen in diesem Interview. Es ist in der Tat erschreckend, wie es die Wachstums- und Konsum-Ideologie geschafft hat, aus mehr oder weniger intelligenten Menschen eine Herde von verblödeten Konsumenten auf allen Kanälen zu machen, die zudem darauf abgerichtet sind, der gesellschafts-und menschen-zerstörenden Konkurrenz-Ideologie zu frönen. Kleines Beispiel für dieses destruktive Verhalten : ein Paar sitzt im Restaurant und beide starren unablässig auf ihr Handy. Traurig, sehr traurig – und langfristig sehr gefährlich, weil total frustrierte, “sinnlose” Menschen erhebliches Gewaltpotenzial in sich aufstauen. Anderes Beispiel: “wir müssen besser als unsere Mitkonkurrenten sein”. Frage: was passiert mit den unterliegenden Mitkonkurrenten? An die Wand stellen und entsorgen, weil sie sonst Sozialhilfe beziehen wollen/müssen? Unfassbar idiotische, destruktive Glaubenssätze, die die menschliche Gesellschaft steuern.

  12. Regina sagt:

    Ich habe an millionways geschrieben und war sehr enttäuscht davon. Ich wollte denen eh nochmal schreiben. Man kann zum Beispiel auch ankreuzen “Ich will wissen, was ich gut kann”. WIr dann aber gefragt, was man kann. Wenn man aber nix kann? Wenn man schon immer ein Loser war? Ist es bei denen genauso scheiße wie in der Gesellschaft sonst auch. Ausser der Freundlichkeit und dem Duzen kam ich mir auch nicht anders behandelt vor als bei nen ganz normalen Arbeitsvermittlung.

  13. Peter Lindemann sagt:

    Wenn alles nur so einfach wäre… Aber Theorie und Praxis liegen oft weit auseinander. Theoretiker gehen von Ideallösungen aus, doch die Wege dahin können ebenso in Sackgassen führen. Ist ja schön, was Hüther hier sagt, die “Wahrheit” aber dürfte irgendwo, wie so oft, in der Mitte liegen. Nicht jeder Mensch will dauernd innovativ sein und was sollen wir mit all den inflationären Erfindungen anfangen? Doch wieder nur konsumieren, sonst macht die Produktion keinen Sinn, wenn es niemanden interessiert. Also dem Konsum mehr entsagen, wäre ein Weg, wieder mehr zusammen spielen, plaudern usw., um die Zeit auszufüllen…Aber es gibt noch 1000 andere Theorien. In den Geisteswissenschaften scheiden sich dann eben buchstäblich die Geister! Was in den Naturwissenschaften seriös erkannt wird, kann dann eben so oder so oder so interpretiert werden und schon haben wir wieder den Zwist, den Krampf uä.

  14. Albert Baer sagt:

    @Thomas Allmendinger

    “Not macht erfinderisch, Wohlstand macht dumm.”

    Mittlerweile wissen wir dass solche Sprüche jedem neurologischen Wissen widersprechen. Zu dumm, wenn dann ganze Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme auf solchen falschen Sprüchen aufbauen.

    Hier etwas Gehirnkunde:

    Neurologisch macht Not (Stress) nur “erfinderisch” betreffend der Bekämpfung der Not. Der “Erfindergeist” ist also sehr eingeschränkt, denn Stress/Anspannung/Not geht immer mit einer Verengung der Hirnaktivität (“Tunnelblick”) auf die Überwindung des aversiven Reizes einher (Überlebensmechanismen).

    Wahre Kreativität hingegen braucht ein Gehirn, dass sich sicher, entspannt und neugierig fühlt.

  15. Tuor sagt:

    Als ich vor Jahren meine Tochter einmal danach fragte, was die schlimmste aller Strafen für sie wäre, dann sagte sie zu mir “Nimm mir bitte niemals mein Handy weg, sonst bin ich am Ende”. Diese Aussage stimmt bedenklich, aber sie reflektiert den heutigen Zeitgeist. Die Abhängigkeit der ständigen Erreichbarkeit macht die Menschen zu Opfern der Technik. Sei es beim Bahnfahren, beim Autofahren, beim Sport, ja sogar beim gemütlichen Nachtessen zu zweit, ohne Handy geht nichts. Das muntere Treiben geht an der Arbeit unvermindert weiter. Jedes neu eingehende Mail muss sofort gelesen werden…. man könnte ja etwas verpassen. Die heutige Menschheit verhält sich wie ein Hamster im Hamsterrad. Sie tritt wie verrückt, aber sie dreht sich nur im Kreis, bis zur totalen Erschöpfung. Warum wohl haben so viele Leute ein Burn out Syndrom? Die Reizüberflutung und die lauernde Gefahr, etwas zu verpassen, treibt die Menschen in den kollektiven Wahnsinn. Moral, Anstand und Ehtik bleiben dabei auf der Strecke. Hauptsache ist, ich war dabei, koste es was es wolle oder frei nach dem Motto “nach mir die Sinntflut”

  16. Roman sagt:

    Das meiste was der Professor hier erzählt macht Sinn und kann hilfreich sein. Der erste Satz aber, der verdeutlicht, dass er auf dem Holzweg ist, ist dieser: “Wir müssen Bedingungen dafür schaffen, dass mehr Menschen einer Tätigkeit nachgehen können, die sie wirklich interessiert.”. Das ist eine nicht realisierbare Utopie, die der Steuerzahler nicht bezahlen will und die Privatwirtschaft nicht kann. Ein Unternehmen muss wirtschaftlich sein um Arbeitsplätze anbieten zu können. Solcherart philantropisch dominierte Fantasien können die Entwicklung der sozialen Wohlfahrt nur bremsen. In der reichen Schweiz ist es noch vergleichsweise leicht sich selbst zu verwirklichen. Man braucht nur etwas in der Welt herumzureisen um festzustellen, dass der grösste Teil der Menschen auf diesem Planeten Lichtjahre davon entfernt ist, die Erwerbsarbeit zu leisten die sie wirklich interessiert. Oder wie soll man sich bitte ehrlich für den Job als Müllmann, Tellerwäscher, Liftboy, Fliessbandarbeiter, Holzsammler oder änliches interessieren?

  17. Walter Kunz sagt:

    Hoffentlich erhört man diese Aufschlussreichen Worte nicht und das, vor Allem auch in unseren verschiedensten Schul- und Bildungkommisionen.

  18. Maria Baumann sagt:

    Es wird Zeit, dass diese ganze Generation von 68igern, Post68igern und sonstigen Jüngern dieser 30ig jährigen Eso- und Pseudorevolutionäre bald einmal verschwunden sein wird. Auf was es ankommt hier und überall und allzeit ist genau die Leistung und die Elastizität und das Innovative des Einzelnen, was hier andauernd kritisiert wird. Wir können keine Gesellschaft auf lauter Staatsgläubigen und Beamten auf- und weiterbauen. Der Osten wird uns in allem überflügeln, wenn wir nicht bald einmal zu einer vernünftigen Haltung hier zurückfinden. Es kann sich nicht jeder dauend entspannt und neugierig finden. Solche sagenhaft “kreativen” Wohlfühlphasen gab es übrigens nie in der Geschichte des Menschen.

  19. Peter Laternser sagt:

    Ein gutes Interview und ein interessantes Thema. Es weist uns auf die Tatsache hin, dass jeder Mensch bestimme (angeborene) Stärken und Schwächen hat, die durch die Schule nur bedingt beeinflusst werden können, solange wir diese unter Presigeüberlegungen betrachten müssen..

    Wem es gelingt -ob mit oder ohne Schule – seine Stärken im Leben, bei der Arbeit und/oder in der Freizeit, zum Tragen zu bringen und die Schwächen damit in irgeneiner Form kompensieren kann, bekommt die Chance gute Erfahrungen zu machen und ein aktives Leben zu führen. Es wir einem meistens nichts geschenkt. Doch das gehört zum Spiel.

  20. Albert Baer sagt:

    @Maria Baumann

    “Solche sagenhaft “kreativen” Wohlfühlphasen gab es übrigens nie in der Geschichte des Menschen.”

    Wir müssen ja nicht so weitermachen und z.B. diese Liste in alle Ewigkeit* fortführen oder?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Kriegen

    * Ewig wird es dann eher nicht weitergehen, haben wir doch immer noch reichlich Atom- und auch Chemische/Biologische Waffen mit denen wir uns alle mehrmals ins Nirvana befördern können.

  21. Beat Schwab sagt:

    Hier eine kleine Geschichte zum Thema Tellerwäscher oder spät68er: Ein Mensch besuchte einen Steinbruch und sah drei Männer mit Hammer und Meissel Steine behauen. Er fragte den ersten, was er tue ? Er behaue diesen Stein, war die Antwort. Der zweite blickte auf und sagte auf dieselbe Frage: Ich verdiene hier Geld für meine Familie. Der dritte strahlte und sagte: Ich baue mit an einer Kathedrale.
    Ich freue mich für jeden Menschen, der Sinn in seiner Arbeit sucht und findet. Im Zürcher HB ist seit Jahren eine Frau im Rollstuhl, welche alle vorüberhastenden Menschen segnet.

  22. Martin sagt:

    Wir brauchen mehr Einzelkämpfer – solche, die sich nicht beim ersten Funken Kritik klein kriegen lassen. Heute geben viele dem Druck des Mainstreams nach. Das ist einfach nur langweilig. Einheitsbrei. Milz und Lunge konkurrieren nicht, das ist aber heute auch in der Wirtschaft so. Die Swisscom ist nicht die Konkurrenz der Swatch Group.
    Die Welt, in der es nur Einheitsbrei gibt, wäre langweilig, keine Vielfalt mehr. Nur Apple-Geräte statt auch von Google, Microsoft, usw.? Wäre doch langweilig. Nur noch bei Migros einkaufen statt auch bei Coop, Volg, oder dem kleinen Tante Emma Laden um die Ecke.
    Und wer bestimmt wohin die Reise geht? Wohl auch nur der Stärkere und nicht das Kollektiv, wie es auch heute schon oft der Fall ist.

  23. Peter Colberg sagt:

    Zitat: “Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, als arbeitender Mensch zu funktionieren, sondern als lebender Mensch zu existieren.” Ein nettes Prinzip, aber leider für die meisten Menschen ohne Reichtum völlig unerreichbar, da es doch etwas mehr braucht als Luft und Wasser um über die Runden zu kommen. Tatsache ist aber auch das die meisten Arbeitnehmer nur als anonyme produzierende “Zahnräder” der jeglichen Unternehmen sind, wo ganz oben nur die Erträge zählen. Wer nicht pariert, ist draussen.

    Zudem sind Konsum und Materialismus der gegenwärtigen Epoche auch ein Zeichen einer Gesellschaft, wo fundamentales Denken über den Sinn und die relative Leere des Lebens durch den Konsumrausch auf dem Abstellgleis geblieben ist. Nachdenken und kreativ sein wird in der Westlichen Gesellschaft, wo das Leitmotiv “ich habe, also bin ich wer” das kollektive Denken regiert, doch eher verpönt.

    Das dabei nur der stärkere gewinnt bedeutet auf Dauer eine immer grössere Spaltung der Gesellschaft, da die Rationalisierung der Produktion auch immer weniger gut bezahlte Arbeitsplätze zur Folge hat, und viele deswegen ausgeschlossen werden. Interessant ist aber auch das die glücklichsten Menschen oft diejenigen sind die am wenigsten besitzen, und die dennoch bereit sind mit anderen zu teilen. Letztlich muss aber jeder persönlich das gesunde Mittelmass und sein Glück finden.

  24. “Ich musste niemandem gefallen, es niemandem recht machen” – welch ein Humbug.

    Okay, ich gebs zu, er ja möglicherweise als gemachter Professor aus dem Mutterleib erschienen – musste niemandem gefallen, keine Prüfungen bestehen.

    Mit, so lässt er schlussfolgern, dem exakt richtigen Mass an Selbstvertrauen.

    Van Gogh und Hitler im gleichen Atemzug, um zu sagen?: Hände weg von den Farben – sieht bloss, wie es bei Hitler passiert ist? (Doch wohl eher die Geschichte vom Apfel neurobiologisch verpackt. So oder so, ich kauf’s nicht ab).
    Indirekt uns vorzuschwärmen, wie wundervoll unsere Kinder wären, ohne ihn zwar funktionierend aber nicht sich selbst, wenn er der Vater wären.
    Wie die Wirtschaftswelt wäre, wenn er, “Ermächtiger”, dazu ermächtigt würde.

    “Will niemandem gefallen, es niemandem recht machen” – meiner Meinung nach übersieht Herr Hüther eine Kleinigkeit.

    Sich Selbt.

  25. Christophe sagt:

    Ein Grossteil dieser Kommentare ist offensichtlich von Angst geprägt. Leider können richtige, menschenfreundliche Aenderungen nicht durch die Angst vor dem Unbekannten und das Verharren in alte Systeme stattfinden. Oder wie Einstein sagte: “Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.” In diesem Artikel sehe ich nichts “Esoterisches”, ausser was Esoterik wirklich bedeutet: in sich hinein gehen und mal gucken, was alles dort auch noch vorhanden ist. Und das ist im Normallfall mit dem Verstand nicht möglich. Das geht nur mit dem Herz. Danke für das interessante Interview!

  26. @Frau Baumann :”Es wird Zeit, dass diese ganze Generation von 68igern, Post68igern und sonstigen Jüngern dieser 30ig jährigen Eso- und Pseudorevolutionäre bald einmal verschwunden sein wird. Auf was es ankommt hier und überall und allzeit ist genau die Leistung und die Elastizität und das Innovative des Einzelnen, was hier andauernd kritisiert wird”.

    Jawohl Frau Baumann, wir brauchen stattdessen Menschen vom Schlage einer Bundeskanzlerin, die anders, als Lafontaine es einst gefordert hat, das Beste aus West und Ost zu einer Synthese zusammenzuschmelzen, das Gegenteil daraus gemacht hat: Sie hat all ihre Gegener eiskalt abserviert! Es ist bedauerlich, dass viele Menschen aus der Vergangenheit nichts gelernt haben.
    Und so scheinen Naturkatastrophen, wie wir sie jetzt erlebt haben, unabdingabr zu sein, da es das Volk zusammenschweißt und wissen lässt, worauf es im Leben eigentlich wirklich ankommt!

  27. Schoppmeier sagt:

    sehr guter Artikel, gibt Hoffnung

  28. Wie wahr!
    Problem Nr. 1: Völlig dumm machende Unterhaltung im Stil von Harry Potter (sinnfrei), wo Kinder regelrecht in den Schwachsinn getrieben werden durch die Verquickung von “dead real” und Zauberei. Dies sind nicht MÄRCHEN (auch dem Kind erkennbar ein Märchen…), sondern ein giftiger “Zaubertrank” aus “Wahrem” und Fantasy. Nicht tötet die Phantasie mehr, als Fantasy…!

    Problem Nr. 2: Dazu passende Produktwelt, Mischung aus Humbug (materiell gesehen) und Pseudogeist (Statussymbolik). Ich denke an die Bahnhofstrasse…!

    Problem Nr. 3: Das neoliberale Hintergrundprogramm, dass es per se nur noch um den monetären Profit geht und sonst NIX!

    Problem Nr. 4: Eltern, die selbst so tief in die Widersprüche der Wirtschaft verwickelt sind, dass sie Kindern nicht helfen können, sich ein Bild von diesen Widersprüchen zu machen.

    Ergo: Schulen von Heute vermitteln Stoff von Gestern an die Erwachsenen von morgen!

    Fazit: Keiner hat die Verlogenheit seiner Zeit besser erkannt, als Friedrich Nietzsche! Damals ging es um Religion, heute um Schule.
    Ausser mit seinem Hitler/Van Gogh-Vergleich, dem ich nicht ganz zu folgen vermag, stimme ich Herrn Hüther in jedem Punkt zu!

  29. @Hanspeter Niederer, 15. Juni 2013: Hammergut ist nicht nur das Interview, von grosser menschlicher Klasse zeugt auch Ihr Kommentar. Jeder einzelne Satz erfrischend schnörkellos und lebendig bzw. ein Volltreffer auf den berühmten Nagel mit dem Kopf. Ich habe Ihren Kommentar mit Hochgenuss und tiefster Zustimmung gelesen – eine echte Wohltat! Herzlichen Dank dafür!

  30. Walter Kunz sagt:

    Anbei eine leichte Verbesserung zum Kommentar vom 15. Juni 2013 um 15:43: Hoffentlich ÜBERHÖHRT man diese Aufschlussreichen WORTE NICHT und das, vor Allem auch in unseren verschiedensten Schul- und Bildungkommisionen.

  31. Herrlich, wie die Kommentare – jeder auf seine Art – das Interview untermauern und bestätigen…Ich amüsiere mich bestens.
    Natürlich beschreibt Herr Hüther einen Idealzustand. Aber wie soll man jemals dahin kommen, wenn alle gleich wieder rufen: Geht nicht, weil…!
    Und wohin wären wir denn gekommen, wenn nicht ab und zu ein schlauer Kopf sich für Idealzustände eingesetzt hätte? Wir sässen immer noch in der Höhle. Aber zum Glück sind alle Menschen verschieden, kennen und beurteilen die Welt aus ihrer eigenen Sicht und aufgrund ihrer eigenen Kindheits- und Schulerfahrungen und reagieren unter Druck wie eh und je: Mit Angriff, Flucht oder Totstellen (auch genannt Ignoranz). So wird es denn auf ewig so weitergehen … ausser wir machen mal die Augen auf und verlassen unsere vermeintliche Wohlfühlzone der vermeintlichen “Tatsachen”.
    Danke für das Interview! Auch der Bildungskongress in Zürich war sehr spannend und aufschlussreich – und nötig. Wer mit Kindern zu tun hat (unsere Zukunft, wohlgemerkt!), kann den Unterschied erleben, wenn sich Potential entfalten darf!

  32. Daniel sagt:

    Immer und überall wenn das Thema sinnvolle Arbeit und Selbsverwirklichung angesprochen wird, kommen Kommentare wie: “dann werden wir von anderen, effizienteren Volkswirtschaften überflügelt” oder “das können wir uns doch nicht leisten”. Das ist eine Mentalität welche auf einem kausalen Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und materiellem Wohlstand beruht. Aus meiner eigenen Erfahrung verschiebt sich jedoch für jede(n) der das beginnt zu machen was ihm/ ihr wirklich gefällt, Wohlstand und Geld (bzw. auch Status, etc) nach unten auf der Prioritätenliste. Ich kenne Mensche die sehr viel aufgegeben habe für ihre Erfüllung und trotzdem viel zufriedener sind (mich eingeschlossen). Nur ein Mensch der sich überwinden muss zu arbeiten, erwartet dafür eine möglichst hohe Entlöhnung (oder Anerkennung) weil ihm/ ihr suggeriert wird, dass es das Glück irgendwo zu kaufen bzw. zu erzwingen gäbe. Gibt’s aber nicht, den nur wir selbst wissen was uns glücklich machen kann. Der Rausch nach Produkten und Titel ist immer bloss schnellebiger Ersatz für ein nicht erfülltes Leben. Ein solches Marketing-Leben ist eine Farce, weil es nicht unser eigen ist. Ich kann auch nicht verstehen, was daran esoterisch sein sollte, spricht es doch die Eigenverantwortung des Individuums an, seinen eigenen Weg zu finden.

  33. Philipp M. Rittermann sagt:

    es ist die art und weise wie agiert wird. innerhalb jedes teams braucht es einen enscheider. wichtig sind transparenz, eine durchgängige kommunikation von unten bis oben, sowie eine durchgängige führung durch zielvereinbarung. das allerwichtigste überhaupt ist die übergeordnete glaubwürdigkeit innerhalb des unterfangens und der involvierten personen. der einzelkämpfer hat, falls der diese kriterien erfüllt, als entscheider und durchsetzer, nach wie vor eine wichtige und notwenidge funktion. was es hingegen nicht braucht, sind die vielen “schönwetter-manager”, die sich sobald die windstärke zunimmt, aus dem staub machen. und von denen gibt es leider zur zeit mehr als genug. auch schaden diese meist rein monetär fixierten egomanen den unternehmen, da sie alles andere als nachhaltig agieren und sich deren loyalität zur hauptsache aufs eigene portemonnaie beschränkt.

  34. Herzlichen Dank für dieses Interview. Es zeigt doch auf, wo unser derzeitiges Gesellschaftssystem hin steuert und was notwendig (das was die NOT wendet) wäre, um aus diesem zerstörerischen Kreis ein Stück herauszukommen. Ich arbeite viel mit Unternehmen zusammen und meine Erfahrung ist, dass größter Wert auf Kooperation gelegt wird, weil es das einzige ist, um entweder komplexe oder rasch zu erledigende Aufgaben zu meistern. Gerade kleine und mittlere Unternehmen brauchen Teamplayer und keine Einzelkämpfer. Nur ist leider unser Bildungssystem (Österreich) genau anders programmiert und extrem schwer reformierbar. Da bin ich schon sehr froh, dass es Leute gibt wie Gerald Hüther, die aufzeigen, es geht auch anders. Danke!

  35. lindal sagt:

    Nur in der Gemeinschaft sind wir stark! – Wer dies erkennt, wird seinen Kampf als Einzelner aufgeben und sich als eigenständiges Individuum in die Gemeinschaft einbringen und als ein Gemeiner darin aufgehen.

    Schon in der Quantenphysik hat man erkannt, dass jeder Partikel mit anderen Partikeln verbunden ist, und dass die Kombination der Partikel mehr ist als die Summe davon.

    In jedem Teamsport ist jedem Teammitglied klar: Nur als Mannschaft erreicht man den individuell gewünschten Erfolg.

    Einzelkämpfer wird es immer geben. Doch ist es unser aller Aufgabe jeden Menschen integrieren zu lassen in die Gemeinschaft und ihm in Liebe die Hand zu reichen.

    Wer mit dem Herzen spricht wird nie ein Einzelkämpfer sein!

  36. karin müller sagt:

    gerald hüther ist einer der wenigen menschen, die wirklich ganzheitlich denken – obwohl er eher aus einer biologistischen forschungsrichtung kommt. es geht auch darum, den blick vom detail wieder aufs ganze zu richten, und wie z.b. richard david precht es fordert, in projekten zu unterrichten und nicht in einzelnen fächern. wie eben mathematik, sprache, biologie, kultur, physik, pädagogik, psychologie etc. zusammenhängen, formuliert gerald hüther in seinen zahlreichen büchern und vorträgen. es gäbe ein paar grundsätze, an denen man sich richten könnte: z.b. rahmenbedingungen zu schaffen, in denen die menschen verstehen, was sie tun, mitgestalten können/müssen und einen sinn in ihrem tun erkennen. die ganze sinnlosigkeit in unserem blinden wachstumswahn und egotrip, worin wir finanziellen reichtum mit lebensqualität verwechseln, produziert ja gerade depressive menschen. meine 12jährige tätigkeit in einem grosskonzern hat die ganze neugier, meinen gestaltungswillen und mein selbstbewusstsein komplett gebrochen und ich wurde zum verblödeten hamster im gehorsamsrad des profitstrebens… solche menschen sind dann nicht sehr kreativ, sind krank und kosten uns viel zu viel… DAS können wir uns nicht mehr leisten!!

  37. thessa sagt:

    dieser artikel schenkt mir wieder hoffnung, danke. ist gut zu wissen, dass man nicht alleine ist mit einem solchen denken.

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