Logo

Ein Aufschrei gegen den Ärzte-Marathon der chronisch Kranken

Mathias Morgenthaler am Samstag den 9. Februar 2013
Manfred Stelzig, Psychotherapeut und Psychiater

Manfred Stelzig, Psychotherapeut und Psychiater

Bei einem Drittel der Patienten, die einen Arzt aufsuchen, lassen sich keine organischen Ursachen für die Schmerzen finden. Der Irrweg durch Arztpraxen und Kliniken belastet die Betroffenen ebenso wie die Gesundheitskosten. Der Salzburger Psychiater Manfred Stelzig fordert in seinem Buch «Krank ohne Befund», dass frühzeitig auch psychische Ursachen sorgfältig abgeklärt werden. Download der PDF-Datei


Herr Stelzig, Sie sind ein vielbeschäftigter Psychiater und Psychotherapeut – warum haben Sie sich die Mühe genommen, in Nacht- und Wochenendarbeit ein Buch zu schreiben über Patienten, die jahrelang durchs Medizinsystem irren, ohne dass ihnen geholfen würde?

MANFRED STELZIG: Manche Bücher will man schreiben, andere sollte man schreiben – dieses musste ich schreiben. Fast täglich bin ich mit Patientinnen und Patienten konfrontiert, die einen ermüdenden Ärztemarathon hinter sich haben und dennoch nicht wissen, woher ihre Herzbeschwerden, ihre Atemnot, ihre Magen- und Kopfschmerzen oder ihr Knoten im Hals rühren. Im Gegenteil: Nachdem sie von Hausarzt zum Internisten, von diesem zu verschiedenen Fachärzten, schliesslich in eine Klinik und am Ende zur grössten Kapazität in einem Universitätsspital geschickt und überall auf Herz und Nieren geprüft worden sind, haben diese Schmerzpatienten nichts in der Hand ausser der mehrfachen Beteuerung, es fehle ihnen an nichts, sie seien körperlich kerngesund. Sie machen sich keine Vorstellung, wie verzweifelt und ausgelaugt diese Leute zum Teil sind, wenn sie zu mir in die Sprechstunde kommen.

Was läuft schief?
Das Problem ist, dass diese Patienten trotz «Doctor Hopping» krank bleiben ohne Befund, wie wir das in der Fachsprache nennen. Dieser Irrweg durch alle Instanzen könnte vermieden werden, wenn nach Ausschluss der naheliegenden organischen Krankheitsursachen in einem frühen Stadium eine psychosomatische Abklärung gemacht würde. In der wissenschaftlichen Literatur ist sehr gut belegt, dass rund ein Drittel der Patienten, die den Hausarzt aufsuchen, unter Beschwerden leiden, die keine organischen Ursachen haben. In erster Linie sind dies somatoforme Störungen, Depressionen und Angstattacken. Rund die Hälfte dieser psychisch verursachten Beschwerden werden nicht richtig diagnostiziert oder behandelt, was zum Phänomen der «dicken Patientenakte» führt; das belastet nicht nur die Patienten, sondern auch die Krankenkassen und somit uns als Prämienzahler. Diese x-fach weitergereichten Patienten verursachen 9-mal so hohe Kosten wie der Durchschnittspatient.

Sie haben Ihr Buch im Untertitel «eine Anklageschrift» genannt. Wen klagen Sie an?
Die Anklage geht an drei Adressaten: die Ärzte, die Patienten und das System. Viele Ärzte verstossen gegen die Sorgfaltspflicht, indem sie alle möglichen Abklärungen treffen, aber kein Gespräch über mögliche psychische Ursachen für die Beschwerden führen. Viele fühlen sich nicht dafür zuständig, weil sie kaum in Psychosomatik ausgebildet worden sind. Dazu kommen falsche Anreize, womit wir auf der Systemebene wären: Für den Arzt lohnt es sich nicht, mit dem Patienten ein längeres Gespräch zu führen, weil er diese Zeit nicht angemessen verrechnen kann – man könnte auch sagen: er kann es sich schlicht nicht leisten. Deshalb verschreibt er leichter ein EKG, ein Röntgen oder aufwändigere Untersuchungen, als psychischen Ursachen auf den Grund zu gehen. Der Patient macht das in der Regel gerne mit. Auch ihm ist die Psyche unheimlich, er fürchtet, für einen Simulanten gehalten oder als verrückt erklärt zu werden, wenn sich nichts Organisches findet. Daher willigt er viel lieber in teure Spezialuntersuchungen oder Operationen ein als in ein Gespräch mit einem Psychiater.

Wie therapieren Sie solche Patienten, die trotz Gesundheitsattest unter starken Schmerzen leiden?
Jeder Fall ist anders. Ich beschreibe im Buch einige Beispiele. Typisch war zum Beispiel der Patient, der fünf Monate lang von Arzt zu Arzt weitergereicht wurde, weil niemand eine Erklärung für seine Schmerzen in der linken Brust gefunden hatte. Ich verschrieb ihm ein antriebssteigerndes Antidepressivum, das in der Früh den Serotoninmangel ausglich, und eine kleine Dosis eines beruhigenden Antidepressivums, das half, die Schlafqualität wiederherzustellen. Nach zwei Wochen war der Patient vollkommen beschwerdefrei. Ein anderer Patient wurde sechs Mal mit Blaulicht auf die Intensivstation gefahren wegen Verdachts auf Herzattacke. Jedes Mal lautete der Befund: Der Mann ist körperlich kerngesund. Im therapeutischen Gespräch stellte sich heraus, dass ungelöste familiäre Konflikte diese Panikattacken ausgelöst hatten. Der beruflich stark eingespannte Mann litt unter den Vorwürfen seiner Ehefrau und darunter, dass er keine Beziehung zu seinen Kindern aufbauen konnte. Durch die Therapie verschwanden die Herzbeschwerden vollständig.

Das klingt jetzt fast zu schön, um wahr zu sein: Durch Psychopharmaka und Psychotherapie verschwinden chronische Beschwerden im Handumdrehen.
Es gibt tatsächlich solche Fälle. Ich erinnere mich auch an eine Bäuerin, die geschlagene sieben Jahre lang unter extremen Schmerzen in Schultern und Arm litt, ohne dass ihr Ärzte, Physiotherapeuten oder Orthopäden weiterhelfen konnten. Auch sie wurde 14 Tage nach Verschreibung eines dualen Antidepressivums schmerzfrei. Psychopharmaka sind in unserer Gesellschaft ebenso stigmatisiert wie psychische Leiden. Gegen diese undifferenzierte Betrachtung will ich mit meinem Buch ankämpfen. Es ist doch verrückt, dass Ärzte lieber unnütze Operationen anordnen oder Patienten eher zu unseriösen Wunderheilern gehen, als sich auf evidenzbasierte Psychosomatik einzulassen. Psychopharmaka sind beileibe kein Allheilmittel, aber manche Patienten mit Schmerzen ohne organische Ursachen sprechen sehr gut darauf an. In anderen Fällen braucht es eine Psychotherapie oder gezielte Bewusstseinsarbeit. Gut gemeinte ärztliche Tipps wie «Spannen Sie mal ein wenig aus» oder «Gönnen Sie sich zwei Wochen Ferien» helfen in den wenigsten Fällen weiter.

Manche psychischen Erkrankungen gehen auf Traumata zurück, in vielen Fällen ist aber ein Übermass an Stress für die Beschwerden verantwortlich. Warum sind so viele Menschen gestresst, obwohl wir – verglichen mit Menschen in Entwicklungsländern oder mit unseren Urgrosseltern – paradiesische Lebensumstände haben?
Ich sehe zwei Hauptfaktoren: Zum einen sind wir enorm stark durch das Streben nach Geldvermehrung geprägt. Arbeitsplätze werden laufend durchleuchtet und auf Rationalisierungsbestrebungen hin geprüft. Der Anspruch, ein Maximum an Leistungsfähigkeit und Rendite herauszuholen, erzeugt einen enormen Druck. Was sich nicht rechnet, erhält keine Akzeptanz. Zweitens leiden wir alle unter einer enormen Reizüberflutung. Alle paar Sekunden fordert ein neuer Stimulus unseren Organismus, was dieser einerseits als Belohnung, andererseits aber auch als Belastung und Bedrohung registriert. Es ist sehr schwierig geworden, sich zu entspannen und auf Distanz zu gehen zu den Dingen. Die natürlichen Freiräume für die Psyche werden immer rarer. Was früher selbstverständlich war und unsere psychische Gesundheit stärkte, müssen wir heute strikt planen: das trifft auf körperliche Bewegung an der frischen Luft ebenso zu wie auf Ruhezeiten ohne Unterbrechung. In einigen Dingen könnten wir von Entwicklungsländern lernen. In Bhutan etwa kümmert sich eine staatliche Glückskommission um die Währung Bruttoinlandglück. Vielleicht sollten auch wir in Westeuropa uns etwas mehr ums Glück und etwas weniger um Geld, Prestige und Leistungsoptimierung bis zur Selbstaufgabe kümmern.

Wie schützen Sie sich vor dem Ausbrennen?
Zentral ist, stets in Beziehung zu bleiben: mit der Familie und Freunden, die einem ungefilterte Rückmeldungen geben, aber auch – und das ist die schwierigste Aufgabe überhaupt – mit sich selber. Ich bin ein leidenschaftlicher Tennis-Spieler und Berggänger. Gerade Menschen, die jahrelang enormen Aufwand betrieben haben, um durch Leistung jene Anerkennung zu bekommen, die ihnen die Eltern verwehrt haben, tun gut daran, sich Zeit für die Begegnung mit sich selber zu nehmen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, aus der Rolle des Getriebenen oder des Opfers herauszufinden und im positiven Dialog mit sich selber ein Grundlevel an Geborgenheit und Stabilität zu erreichen.

Information und Kontakt:
M.Stelzig@salk.at

Das Buch:
Manfred Stelzig: Krank ohne Befund. Eine Anklageschrift. Ecowin Verlag, Salzburg 2013.

« Zur Übersicht

28 Kommentare zu „Ein Aufschrei gegen den Ärzte-Marathon der chronisch Kranken“

  1. phil barbier sagt:

    “Die Anklage geht an drei Adressaten: die Ärzte, die Patienten und das System.” Das ist so, weil bei uns die Aerzteschaft fuer die Gesundheit verantwortlich zeichnen muessen und der Patient gebeten wird, bei Eintritt saemtliche Befugnisse abzutreten. So verlernt der Mensch das Schielen, was in ganz, ganz vielen Faellen eine Grundursache fuer Heilung ist. Man muss schielen, um zu erkennen, was schief laeuft – geschichtlich, sozial und ethisch. Introspektion und eine freundschaftliche Beziehung zum Ich…..”1/3 aller Patienten ohne organische Ursachen”….anders wird das ja nicht gehen. Ich liebe MINT, im Anerkennen von Grenzen sind wir aber einfach nicht so stark….weil das nicht in MINTs Natur liegt….

  2. Ursina Gartner sagt:

    Zu einfach…
    Die Diagnose “psychosomatisch” ist hierzulande – vorab auch bei Arbeitgebern – immer noch mit Stigmata verbunden. Und ganz im Gegensatz zu Herrn Stelzig bin ich der Meinung, dass diese zu oft und zu rasch gestellt wird. Ganz abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass mit Psychopharmaka schon in zwei Wochen alles wieder heiter Sonnenschein ist…
    Vielmehr erscheint mir, dass durch die fortschreitende Spezialisierung immer weniger Ärzte da sind, die einen Patienten als “ganzen Menschen” sehen und damit mögliche Zusammenhänge von Beschwerden erkennen. Auch sollte bei Beschwerden “nicht organischen Ursprungs” viel mehr nach nicht selten ursächlichen, teils genetisch bedingten Stoffwechsel-Störungen oder Intoleranzen gesucht werden – und die Krankenkasse auch entsprechende Tests übernehmen. Damit wäre wohl vielen eher geholfen – physisch, psychisch und auch monetär.

  3. Enrico Saum sagt:

    Herr Stelzig’s nettes Spielchen auf “hohem” Niveau, wäre ein passender Titel. Die bösen Ärzte sind schuld, wir Psychiater sind die grossen Heiler und haben die Lösung. Meine Erfahrung in Heimbetrieben hat mich ganz anderes gelehrt. Ja, Ärzte erzielen in 0,0.. % der Fällen kein Resultat. Das habe ich (in über 15 Jahren) von der Psychiatrie genau umgekehrt erlebt. Wenn die Patienten aus der Psychiatrie kamen, war alles noch viel schlimmer. Sie haben jedoch ein paar schöne Sätze aus der Psychiatrie-Sprechstunde mitgebracht, aber das war dann schon alles. Einzige Ausnahme, wenn sie mit Medikamenten “ruhig gestellt” wurden. Da konnte temporär von “Besserung” gesprochen werden. Sonst viel Bla-Bla aus der Psychiatrie, und vor allem am Freitag Nachmittag um 16h00 (x-fach erlebt) stehen die Patienten ohne (Vor-)Ankündigung vor der Tür, weil sie angeblich geheilt sind.
    Richtig ist, dass da auch ein systemischer Fehler vorliegt. Nämlich, so lange wie das Schwarzpeter Spiel Psychiatrie versus Ärzte weiter geht. Schade, dass so gebildete Leute nicht mehr Vernunft entwickeln können.

  4. Martina Mueller sagt:

    Er hat sicher Recht, aber nur z.T. Wann geben die Ärzte endlich zu, niemals alles zu wissen? Unsere Medizin und Forschung basiert immer noch zum grössten Teil auf untauglichen, kaum übertragbaren Tierversuchen. Wir nutzen nur einen Bruchteil unseres Hirns, die Erforschung von Zusammenhängen steckt in den Kinderschuhen. Was keinen Blockbuster generiert, wird ignoriert. In hundert Jahren werden sie sagen: das war Mittelalter.

  5. Monica Ruoff sagt:

    Ich möchte die Patienten in zehn Jahren sehen, denen mit der Verordnung eines dualen Antidepressivums vorübergehend geholfen werden konnte. Als eine mit Psychopharmaka gesundheitlich und sozial ruinierte Person fände ich es entschieden hilfreicher, Herr Stelzig würde seinen Patienten ebenfalls Tennis und Bergsteigen empfehlen. Zu glauben, dass Menschen mit psychoaktiven Substanzen langfristig geholfen werden kann, ist ebenso absurd, wie wenn man ihnen Alkohol empfehlen würde, der Angstzustände auch vorübergehend verschwinden lässt. Zwar litt ich schon lange an depressiven Verstimmungen, doch arbeitsunfähig und später invalid wurde ich erst, nachdem ich mich medikamentös behandeln liess. Seit ich 2007 sämtliche Psychopharmaka absetzte und der Schulpsychiatrie den Rücken zukehrte, geht es mir inzwischen zwar besser, doch blieben Schäden zurück, die meine Lebensqualität massiv beeinträchtigen und voraussichtlich irreversibel sind, von den Kosten, die ich deswegen verursache, gar nicht zu reden.

  6. Geraldine May sagt:

    Schade, dass Herr Stelzig, wie so viele andere Fachleute auch, Ihre Methode als Allheilmittel preist. Als Körper- und Gesprächstherapeutin habe ich das grosse Privileg meinen Klientinnen und Klienten mit genügend Zeit begegnen zu dürfen. Das hilft den Klienten indem Sie sich ernstgenommen fühlen und mir als Therapeutin indem ich abschätzen kann wen oder was es als nächstes braucht… Wir sollten anfangen das Gesundheitssystem als das zu erkennen wozu es eigentlich diesen sollte: ein System FÜR die Gesundheit; und wir alle, ob Allgemein-,oder Facharzt, Psychologe oder Körpertherapeut, Patient oder Klient, tragen Verantwortung unseren bestmöglichsten Teil dazu beizutragen.

  7. Roland sagt:

    Ich wurde jahrelang als Simulant hingestellt und mit Psychopharmaka vermeindlich ruhig gestellt, bis ich notfallmässig am Dünndarm operiert werden musste, weil ein Darmdurchbruch drohte. Es fehlt an gut ausgebildeten Hausärzten und es hat viel zu viele überbezahlte Spezialisten. Mein ehrlich bemühter Hausarzt hatte jeweils gerade mal 10 Minuten Zeit für mich, dann war Schluss. Im Gegensatz zu den Spezialisten versuchte er mir zuzuhören, nur waren seine Mittel begrenzt. Beim Facharzt sass ich 30 Minuten und mehr im Sprechzimmer und das Ergebnis war enttäuschend, genau wie die gesalzene Rechnung die Positionen enthielt für die der Facharzt gar keine Leistung erbracht hat, einfach so, weil der das darf, wie ich mir von der Krankenkasse sagen lassen musste. Gebt den Hausärzten wieder eine gute Basis, damit diese etwas verdienen und ihre Arbeit gut machen können. Im Grundsatz gebe ich aber Herr Stelzig Recht: Der Druck in unserer heutigen Gesellschaft ist riesig und manch einer kommt damit nicht klar. Ihn als chronisch Kranker zu bezeichnen, finde ich übertrieben.

  8. daniela wyss sagt:

    hm, was kann denn ein arzt ausrichten, wenn politiker arbeitsgesetze (nachtarbeit und co.), nahrungsmittelgesetze, familien auseinander reissen und damit soziale umfelder verunmöglichen, den menschen im wert auf leistung reduzieren, auf sozialämter, der strasse, beim natelkauf, zu potentiel kriminellen usw., bestimmen, die krank machen?
    nein, um die massen gesund zu halten, müsste man ganz wo anders anfangen.
    aber die ärzte könnten protestieren. und manche tun es eben nicht, weil sie davon”leben”. viele meines erachtens zu gut, betrachten patienten nicht als patienten , sondern als goldgrube.
    allein desswegen soll sich jeder überlegen, ob er sich noch privat versichern lassen will………………er könnte dann gegen seinen willen am leben erhalten werden, weil der privatversicherung wegen, der “rubel” wie von selbst läuft!

  9. bernardi sagt:

    viele aerzte erkennen die sache ,wollen aber möglichst viel absahnen ,bis es der patient merkt dass er da verschaukelt wird.

  10. Christian Bolliger sagt:

    Interessant ist, dass Manfred Stelzig dann diese ‘nicht-organischen’ Ursachen zum Teil mit pharmazeutischen Mitteln behandelt. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass viele psychische Leiden entweder eine organische Ursache haben oder von organischen Ko-Faktoren stark beinflusst werden. Die seit der Antike postulierte Trennung von Körper und Geist lässt sich vor dem Hintergrund des heutigen Erkenntnisstandes nicht aufrecht halten. Es wären vermehrt integrative Ansätze – ich vermeide, das von Esoterikern unmöglich gemacht wordene Wort ganzheitlich – notwendig, welche die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigen. Um dies zu verwirklichen wären sehr gut und breit ausgebildete Gesundheitsmanager notwendig, welche die Patienten mit diffusen Störungen beraten, sie zu den verschiedenen Spezialisten schicken, die Arbeit der Spezialisten koordinieren und sich als Anwalt des Patienten verstehen. Solange aber die Hausärzte, welche die Gesundheitsmanger sein sollten, für die Konsultationen schlechter gestellt sind als die Spezialisten lassen sich solche Modelle nicht verwirklichen.

  11. Stefan Baumann sagt:

    Guter Ansatz. Was mich aber stört ist das darus, dass von Ärzten keine organischen Ursachen gefunden werden, geschlossen wird, dass es keine solchen gibt. Dieser Schluss ist erst zulässig wenn die gesammte Funktionsweise des Menschen zu 100% erklärt ist, also wahrscheinlich nie.

  12. Martin Zahnd sagt:

    Funkstrahlung macht depressiv, und leider haben wir immer mehr davon.
    Und das ist genau noch der kleine Zusatz, der die Krankheit ausbrechen lässt.
    Ich würde da den Ärzten gar kein Vorwurf machen, unserer Forschung aber schon.
    Zum Glück konnte ich mich “selber” heilen und dem Burnout knapp entkommen.

  13. Maria Halder sagt:

    Ich habe den ganzen Marathon auch hinter mir. War klar ersichtlich krank, aber eine Ursache wurde nicht gefunden. Ich hoehrte Worte wie psychisch, Hypochonder etc. Ich habe die Sache dann schlussendlich geloest, indem ich keine Spezialisten mehr besucht habe, sondern mich hinters Internet und Buecher geklemmt habe. Die Ursache war hormonell und konnte relative leicht mit botanischen Extrakten und einer totalen Umstellung der Ernaehrung geloest werden. Ich habe mich inzwischen selbst auf Endokrinologie weitergebildet und lese Fachliteratur. Ich glaube nicht mehr an Aerzte und werde sie in Zukunft so gut als moeglich meiden.

  14. Christoph sagt:

    Der Hausarzt hat heute das Problem, dass ihn die Krankenkassen mobben. Für vieles bekommt er nicht genug Geld gesprochen, die Wartezimmer sind überfüllt. Jedes Röntgen gibt ein Geschrei, vor allem, wenn dann nichts drauf ist. Ich gehe mit den Kommentatoren einig, dass nicht alles psychisch erklärt werden kann. Auch wenn Psychopharmaka hilft, sind wohl organische Ursachen der Grund des Übels. Anscheinend fehlt dem Körper dann was bestimmtes. Die Pharmaindustrie stellt zwar enorm viele Pillen her, aber an einer ganzheitlichen und umfassenden Dignostik ist weit und breit nichts zu sehen. Der Spezialist für den Magen findet nichts, weil es an einem Hormon, einem Enzym oder Aminosäure fehlt. Ist auch klar, dafür ist er nicht ausgebildet, da kann er nichts finden.
    Das Grundwasser ist Hormonversuecht, Nahrungsmittel werden mit Kunstdünger hochgezogen, Fertigprodukte sind mangelhaft und mit allerlei Zusatzstoffen versetzt um sie maschinell besser verarbeiten zu können… Nein, die Zeit in der wir leben mag materiell reichlich gefüllt sein, aber ob das ein Ersatz für ein ausgewogenes und gesundes Leben ist? Früher konnte man nur gesund essen weil es nichts anderes gab, heute musst dafür den Doktor machen und eine Menge Geld ausgeben.

  15. aNNeTTe Hesselbarth sagt:

    die basis allem ist für mich als einer von jahrelangen (13 jahre seit meinem folgenschweren unverschuldetem unfall ) längst zermürbend, dauererschöpfend, und chronisch – diagnostizierten erkrankungen und syndromen, aber unter anderem dabei auch (von ärzten …) nicht diagnostizierten/diagnostizierbaren (?) symptomen und schmerzerkrankungen betroffenen ist ein empathisches gegenüber, der/die ACHTSAM und AUFMERKSAM zuhören kann, mich als klientin nicht “schubladisiert”, sondern mir als beratungs – und begleitung suchender mit RESPEKT auf augenhöhe begegnet, MICH als individuum betrachtet und bereit ist, sich in diesem setting von 50 – 60 minuten ganz auf mich zu konzentrieren, sich auf mich einzulassen und mich als klientin in den focus des settings stellt, ohne sich dabei ständig von aussen stören zu lassen, oder mir für mich und meine für mich zermürbenden situation unwesentliches von sich zu erzählen (bsp. leidenschaftlicher tennisspieler …)
    denn solches zeigt mir ganz deutlich, dass er/sie nicht “bei mir und nicht mit mir” ist, meine erkrankungen, syndrome und multiplen symptome, die mir mein leben schwer genug machen gar nicht wahrnehmen kann, oder deren auswirkungen und vegetativen dysfunktionen schlicht nicht wirklich kennt, uns klienten (und mich) daher auf die “psychoschiene” abschiebt und unsere für uns oft sehr schwerwiegenden und völlig erschöpfenden leiden (bei mir ist das so) einfach mal mit einem psychoaktiven medikament “stillen” will – wo aber angeblich doch gar “nichts diagnostizierbar” sei … was sich wiederum für mich total selbst widerspricht , sich selbst in frage stellt und wie eine “verzweifelte, oder ungeduldige blindbehandlung auf gut glück” anmutet.
    als von mehrschichtigen schmerzerkrankungen, einem schweren schleudertrauma, einem moderaten schädelhirn-trauma mit heftigen vegetativen dystonien und einigen anderen, plötzlich und aus einem vormals völlig gesundem (!) und sehr lebendigem körper und geist durch meinen schweren unfall (vor 13 ! jahren) ausgelösten chronischen erkrankungen (insulinpflichtiger diabetes II, restless legs, hashimoto-s., schlafapnoe-s. mit c-pap beatmung, unfall-schmerzbedingten bewegungseinschränkungen und erheblichen neurovegetativen störungen …) betroffene fühle ich mich dadurch weiterhin und erneut nicht ernst genommen und gehe daher auch eher mal meiner intuiton nach und suche mir andere wege.
    zugegeben klammere ich mich inzwischen oft aus tiefer verzweiflung an verschiedene (ausgewählte !) komplementäre, bzw. alternative “strohhalme”, denn bei diesen therapeuten, bzw. therapeutisch tätigen werde ich zumindest mit meiner geschichte, meiner vita und dem vorhergegangenen trauma und den sich daraus zeitgleich, bzw. zeitnah zahlreich entwickelten und zusehends immer heftiger werdenden symptomen, syndromen, oder chronifizierungen ERNST GENOMMEN, kann mich so gut ich noch kann aktiv an meiner behandlung beteiligen, bzw. werde AUF AUGENHÖHE miteinbezogen und bekomme das gute gefühl, dass mir mein gegenüber ACHTSAM, EMPATHISCH, AUFMERKSAM, mit offenen sinnen, einem gesunden menschenverstand, mit humor und dem nötigen ernst gleichermassen, einer grossen portion menschenkenntnis, intuition und dem ziel, meine selbstheilungskräfte wieder zum funktionieren zu bringen, nicht nur “klinisch” und auf puren verdacht medikamentös, sondern vielmehr MENSCHLICH mit EMPATHIE, AKTIVEM ZUHÖREN und MIT ZEIT (!) begegnet .

    möge IHNEN solches NIEMALS selbst passieren !!!

    neben den fatalen gesundheitlichen malessen und dem komplett aus dem leben geschleudert sein, ist es vor allem die fürchterliche abhängigkeit von der wahrnehmungsfähigkeit, mitunter aber sogar auch von der “gunst” der bürokratischen “fall-bearbeiter”, zu denen ich inzwischen vor allem auch die mehr,- oder wie leider selbst schon erlebt (und sogar schon einmal einklagen musste) leider eher weniger aufmerksam zuhörenden, und mich in 3-4 stunden superanstrengend befragenden “gut”achten, die sich an uns chronisch kranken menschen “goldene stethoskope” verdienen, sich aber zum teil weit über ein halbes jahr für die anfertigung des “gut”achtens zeit lassen, zum teil dann auch erst nach jurstischer aufforderung handeln, es dann oft sehr interpretatorisch und mit teils komplett verdrehten und verkehrten daten widergegeben, in denen ich mich zum teil kaum wiedererkenne, was mich an der wahrnehmung und nach einem knappen jahr vor allem an der widergabefähigkeit zweifeln, mich dauererschöpft, zermürbt und nahezu verzweifeln lässt …

    möge keinem der leser, dem autor, oder dem spezialisten je solches geschehen – und doch kann das leben innert zehntelsekunden – zu JEDER ZEIT ganz plötzlich komplett aus seiner ursprünglich unbeschwerten, fröhlichen, erfolgreichen und ursprünglich kerngesunden “umlaufbahn” in einen persönlichen “supergau” geschleudert werden … dann braucht manN/frau menschen, die einen wirklich dabei unterstützen, sich das leben wieder zurück erobern zu können, oder zumindest helfen wollen, es wieder lebenswerter zu machen …

    es kann JEDEM und JEDER passieren – mögen SIE davon verschon bleiben !

  16. aNNeTTe Hesselbarth sagt:

    PS : ich bitte die wortauslasser, interpunktionsfehler, “wechstabenverbuchsler” und mein für einige sicher zu emotionales statement zu entschuldigen – es ist zeugnis von meinem schädel-hirntrauma und meiner verlorenen kognitiven ehemals grossen fähigkeiten mich uaszudrücken und zu schreiben. ich bin nach diesem langen statement total geschafft und kann mir daher meine zeilen nie nochmal durchlesen, weil dann ALLES vor meinen augen komplett verschwimmt und ich die worte zwar hintereinander weglesen könnte, aber den satzsinn nicht mehr zusammen bekomme – so passieren dann die sicher zahlreichen fehler …

    PARDON !

  17. Rohrbach sagt:

    Ich wurde ebenfalls fast zwei Jahre lang von Praxis zu Praxis geschoben ( insgesamt 10 Ärzte) und schliesslich landete ich in einer Palliativklinik und wurde mit den Worten entlassen: “Melden Sie sich wieder bei uns, wenn es Ihnen besser geht.” Ich wurde als Simulant abgestempelt. hatte zu diesem Zeitpunkt das Vertrauen in die Aerzten völlig verloren und fand mich mit meinem Schicksal ab, auch wenn ich tagtäglich unter extremen Nervenschmerzen litt.
    Jahre später wurde ich wegen einer frischen Borreliose über lange Zeit mit Antibiotika behandelt- und siehe da, die Schmerzen, die ich jahrelang mit mir rumgetragen hatte, waren verschwunden! Diagnostiziert wurde dann tatsächlich, dass ich schon mal eine Borreliose durchgemacht hatte, die man damals aber als solche nie diagnostiziert hatte.
    Was ich damit sagen möchte: Es gibt sie tatsächlich, die psychisch bedingten Krankheiten. Doch meine Erfahrung ist, dass man viel zu schnell auf die psychische Schiene gestellt wird. Mir und meiner Familie wäre einiges an Leid erspart geblieben, wenn ich von all den Ärzten, die ich konsultiert hatte, auch erst genommen worden wäre.

  18. Peter Banz sagt:

    @Ursina Gartner: Vielen Dank für diesen Kommentar. Besser kann man es meines Erachtens nicht sagen.

  19. Peter Banz sagt:

    @Monica Ruoff: Was ihnen passiert ist, tut mir sehr leid. Sie können von sich jedoch nicht pauschal auf andere schliessen. Es gibt tatsächlich Leute, die Psychopharmaka brauchen und auch auf lange Sicht besser mit ihnen als ohne fahren. Das Problem ist, dass Psychopharmaka viel zu schnell und wahllos verschrieben werden und die bestehenden Risiken verharmlost.

  20. Maya Eldorado sagt:

    Körper Seele und Geist gehören untrennbar zusammen. Wird ein Glied krank, sind die anderen immer auch mit einbezogen. Von den Aerzten (auch Psychiatern) wird man in erster Linie behandelt. Begleitung findet im besten Fall begleitend statt.

    Ich selbst hatte eine sehr schwer traumatische Kindheit. Zum Glück ist einem das als Kind nicht bewusst. Die Schuppen sind mir erst später von den Augen gefallen. Die Folgen bekam ich überall an Leib und Seele zu spüren. Ein Beispiel will ich hier aufführen.Ich weiss noch genau. Das begann in der dritten Klasse. Neben vielem Anderem stellte meine Mutter auch sehr hohe Ansprüce an mich, was die Schule betrifft. Ich sollte ein gutes Beispiel sein für die anderen Kindern und überhaupt für die Menschheit. Um das zu erreichen machte sie mir viel Angst. Ich bekam dann auf dem Schulweg meist starke Bauchschmerzen. Die regelmässig so stark wurden, dass es so wirkte wie wenn Messer in meinem Bauch herumwühlten und es mir diesen fast zerriss. Oft zogen mich die Schmerzen so stark zusammen, dass ich wie ein Sackmesser zusammenklappte. Mir machte das sehr angst, entschied mich aber, der Mutter nichts zu sagen, weil ich zur Ueberzeugung kam, dass da Tabletten sowieso nichts nützten. Ich war da der Ansicht, dass die Mutter schuld an meinen Schmerzen war und sie darauf ansprechen, hätte meine Lage nur verschlimmert.
    Weil ich auch immer wieder hörte, dass man sich wegen mir immer ärgern müsse, kam ich im gleichen Alter zur Ueberzeugung, dass meine Mutter mich gerne hätte, wenn ich nicht mehr da wäre. Ich überlegte hier und her, war verzweifelt, kam dann aber schlussendlich zur Ueberzeugung, dass ICH leben will und dass ich nur warten und aushalten müsse, bis ich gross bin.
    Ich habe sehr viele Uebergriffe erlebt, körperlicher, wie auch seelischer Art.
    Dazu zu sagen ist, dass jedes Kind von den Eltern und seiner Umgebung geprägt ist. Das ist einfach so. Aber manchmal ist das halt so happig, dass das gegen das eigene Leben gerichtet ist.

    Wie ich endlich von zuhause los kam, konnte ich mein Leben selbst in die Hände nehmen, stellte aber fest, dass die Haltung, die mir in der Kindheit eingebläut wurde, mir sehr hinderlich in der Entfaltung war. Bei den Psychiatern (3 maliger Versuch), machte ich die Erfahrung, als sie meine Geschichte hörten, sie mir zuallererst mal Psychopharmaka geben wollten. Ich hielt dagegen, dass ich zäh und stakr sein, sonst wäre ich ja gar nicht mehr auf Erden. Da sie nicht bereit waren, das ohne zu versuchen, bin ich davongelaufen.
    Mit ca 38 Jahren bin ich dann per Zufall an die anthroposophische Medizin geraten. Das war der entscheidende Anfang und dauert immer noch an. Da habe ich doch die Erfahrung machen dürfen, dass ich beinahe über Nacht ca. 5 cm “grösser” geworden bin und meine Füsse brauchten plötzlich neue Schuhe, 2 Nummern grösser. Ich staunte sehr und konnte es fast nicht glauben, dass das mich dermassen zusammengepresst hatte. Ein Bein, das man mir als Jugendliche operieren wollte, weil es ein wenig verdreht war (ich wegerte mich, das zu tun), richtete sich “von selbst” gerade. Ich bin jetzt mit meinen 65 Jahren beweglicher, als als Kind. Und es geht immer weiter. Auf dem Weg habe durfte ich auch einen Menschen kennenlernen, der mich im wahrsten Sinne des Wortes begleitet. Er unterstützt mich dabei, auf meinem Weg die eigenen Recourcen freizubekommen und mit deren Hilfe, der Heilung immer näher zu kommen.

    Ich wünsche allen Menschen, die Schlimmes erlebt haben und unter den Folgen leiden, den Mut haben auf sich zu hören und einen Menschen, der sie dabei vollumfänglich unterstützt. Durch meine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen frage ich mich auch immer mehr, ob nicht viele Altersgebresten aus eben solchen Traumatisierungen bestehen, die sich im Leib niederschlagen. Entsprechende Begegnungen und Erlebnisse hatte ich schon..

  21. Andreas Stricker sagt:

    Le Malade Imaginaire.
    Dann muss es im Kopf, der Psyche sein. Dann ist man eben psychisch krank – nein nicht unbedingt! Was ist mit neuen oder seltenen Krankheiten, die etwas mehr als die standard Test benoetigten ? Was, wenn das Gesundheitssystem auf Grund seiner Struktur es einfach nicht hinkriegt eine saubere Diagnose zu stellen ?
    Das ist in meinem Fall mit meiner chronischen Zeckenboreliose geschehen.
    Waerend 17 Jahren ging meine Gesundheit lansngsam bergab. Muedigkeit, chronische Schmerzen, und ploetzlich auftretende Entzuendungen machten mir das Leben so schwer, dass ich beinhame meinem Job und meine Lebenslust verlor. Einzig mein Hund verhinderte, dass ich meinem Leiden ein Ende setzte. Waehrend 10 Jahren ging ich von Arzt zu Arzt und habe alles abgecheckt. Am Ende hiess es: Alle Werte sind super, sie sind psychisch krank. Doch meine Psyche war total in ordnung, was kaputt war, ist das Gesundheitssytem. Erst als ich eien Arzt gefunden hatte, der sich eine Stunde (!) statt der ueblichen 10 Minuten Zeit nahm, sich mit mir hinsetzte, und meine Krankheitsgeschichte sorgfaeltig mit mir duchging, erhaertete sich der Verdacht, es koennte doch noch was von dem unbehandelten Zeckenbiss vor 17 Jahren uebrig sein. Komplizierte und teure (von der Kranken kasse nicht gedeckte) Analysen der DNA und Huellenproteine bestetigen die Praesenz von Spirochaen, den Erregern von Zeckenkrankheiten. Nach 6 Monaten Behandlung mit verschienen Antibiotika ging es mir viel besser. Die Schmerzen nahmen ab und ich hatte wieder viel mehr Energie.
    Was war schief gelaufen, wieo dauerte es 17 jahre bis ich behandelt wurde ?
    1. Der Assistenzarzt, dem ich damals 1993 in der Notaufnahme den infiszierten Zeckenbiss (hatte den typischen geroeteten Ring um die Bissstelle) gezeigt hatte, war so muede, dass er die Gravitaet der Situation nicht erfasste und mich ohne Antibiotika nach Hause schickte, was mein Leben total veraenderte.
    2. Die Medizin ist im Sachen Zeckenboreliosenforschung stark im Hintertreffen, da die Symptome bei jedem patient anders sind und sich die Krankheit of schleppend ueber mehrere Jahre hinweg entwickelt.
    3. Das Gesundheitswesen ist zerbrochen, da man versucht moeglichst allen zu einem erschwinglichen Preis zu helfen, hat man keine Zeit mehr um zu “Denken”. Das wiederum treibt dann die Kosten in die Hoehe, weil der Patent wieder und wieder beim System anklopft. Weniger waere also mehr !
    4. Meine Krankheitsgeschichte ist nigends zentral abgelegt, so dass die verschiedenen Spezialisten darauf zugreifen koennten. Jeder Arzt krtzelt seine eigenen Notizen und heftet die Laborbefunde dazu. Der naechste Arzt beginnt wieder von vorn. Wichtige Hinweise zu einer erfolgreichen Diagnose gehen so verloren.

    Was ich mir wuenschte, waere nicht einfach den Patienten als “Malade Imaginaire” abzustempeln, sondern ihn zuerst zu einer speziellen Task Force schicken, die das Krankheitsbild aus den Bruchstuecken der verschiedenen Aerzte zusammensetzt und hollistisch analysiert.
    Meine These widerspricht Dr. Stelzig. man muss nicht mehr psychoanalysen machen sondern das kranke Gesundheitssystem heilen. Vielleicht kriegt man dann auch die Kosten in den Griff.
    Ideen dazu gibt es: zentrale Verwaltung der Kranheitsgeschischte, On-Line Triage Apps fuer Diagnosen, etc.

  22. Charles Dupond sagt:

    @ Rohrbach (10. Februar 2013 um 11:52):

    So wie ihnen geht es vielen. Dass ein Arzt keine organische Ursache findet, heisst noch lange nicht, dass keine solche vorliegt. Abgesehen davon hat gemaess WGO-Abkommen jeder Mensch Anspruch auf Wohlbefinden und nicht nur auf die ambulante Schlosserung fotogen kaputter Knochen….

  23. Die andere Seite wird hier unterschlagen: Es gibt schlicht viel zu viel unfähige Ärzte in der Schweiz. Das sind Leute, die nur kennen, was sie seit 30 Jahren jeden Tag machen, die nie gelernt haben in Zusammenhängen zu denken- oder überhaupt selbständig zu denken.

    Wenn ein Patient “ohne Befund” ist, heisst das nicht, dass es keinen Befund gibt, sondern nur, dass die Ärzte keinen gefunden haben. Beim aktuellen Qualitätstandard in der medizinischen Ausbildung heisst das schlicht nichts.

    Das modische Dreckswort vom “Doktor-Hopping” kann man von der anderen Seite her sehen: Die Ärzteschaft und Versicherungsgewerbe sind augenscheinlich der Meinung, dass jeder konsultierte Arzt sowieso das gleiche zu denken, das gleiche zu sagen hat. Demzufolge täte es Hans was Heiri keine Rolle spielen, ob der Patient den richtigen Arzt findet oder nicht, weil sowieso alle die falschen sind.

  24. Psycho Girl sagt:

    Es gibt auch das Gegenteil: dass nämlich alles auf “die Psyche” geschoben wird, weil die richtige Diagnose nicht gestellt wird. Genau das ist uns passiert – mir selber und meinen Kindern. Nach Jahren teuerer Therapien – die nicht schädlich waren, aber halt das gesundheitliche Übel nicht kurierten – kam ich selber auf die richtige Diagnose und seither sind wir psychisch und physisch fit.

  25. Daniel Lawni sagt:

    Ich leider selber seit über 5 Jahren an chronischen Schmerzen und haben die besagte Odyssee von Arztbesuchen und Therapien selber durchlebt. Auf dieser Odyssee habe ich sehr viel gelernt und mittlerweile geht es mir auch deutliche besser. Basierend auf diesen Erfahrungen erlaube ich mir folgendes Feedback:

    Mit Herrn Stelzigs grundsätzlicher Anklage gegen Ärzte, das System UND Patienten bin ich vollkommen einverstanden. Chronische Schmerzen sind sehr komplex und jede genannte Gruppe hat noch sehr(!) viele Hausaufgaben zu erledigen. Leider konzentriert sich Herr Stelzig danach im Artikel nur auf eine weitere vermeintliche Wunderlösung: Psychotherapie und Psychopharmaka

    Herrn Stelzigs Aussage zeigt eines der Kernprobleme in der Behandlung chronischer Schmerzen: Es wird versucht, Patienten mit isolierten Methoden zu behandeln wobei die einzelnen Anbieter meinen, sie hätten die beste Methode… Schmerzexperten wissen aber eigentlich längst, dass chronische Schmerzen multimodal (d.h. mit verschiedenen Ansätzen gleichzeitig) behandelt werden müssen. Bei mir selbst hat eine Kombination folgender Behandlungen geholfen:

    – viele (teure) Untersuchungen, um die schlimmsten Ursachen auszuschliessen (bringt Gelassenheit und Motivation selber etwas zu unternehmen)
    – Viel Bewegung und Sport (mindestens 3x wöchentlich richtig austoben), sofern der Arzt sein ok dazu gibt. Zu Beginn verstärkte Sport meine Schmerzen, nach wenigen Wochen setzte aber der positive Effekte ein. Ja, es braucht Überwindung!
    – ergonomischer Arbeitsplatz
    – Psychotherapie durch einen spezialisierten Schmerzpsychologen. Hier geht es darum zu lernen, wie man mit Schmerzen im täglichen Leben umgeht und Stressfaktoren zu identifizieren und zu eliminieren.
    – die passende Physiotherapie
    – Bei Bedarf Schmerzmedikamente und Antidepressiva zu Schmerzlinderung und Entspannung
    – Führung eines Schmerztagebuchs um den Verlauf der Schmerzen protokollieren zu können (bspw. etwas modernes wie CatchMyPain.com)

    Mit einer Kombination all dieser Elemente habe ich es geschafft, innerhalb eines Jahres eine sehr deutliche Besserung zu erreichen. Jetzt führe ich wieder ein (fast) normales Leben, obwohl ein Teil der Schmerzen geblieben ist. Zuvor hatte ich viele einzelne Massnahmen ausprobiert, die kaum etwas genützt haben.

    Die Zahl und Inhalte der Kommentare zeigen, welches Interesse für dieses Thema besteht. Hier noch eine Anklage (resp. ein Wunsch) an die Zeitung: Wie wäre es mit einem ausführlichen Artikel über chronische Schmerzen, der die Komplexität chronischer Schmerzen angemessen berücksichtigt? Hierfür wären Interviews mit verschiedenen Schmerzexperten gefragt, die nicht eine einzelne Methode propagieren. Es herrscht viel Aufklärungsbedarf! Die Meinungen und Schmerzgeschichten von Patienten wären ebenfalls interessant…

  26. Andres Stäubli sagt:

    Während 2 Jahren hatte ich ebenfalls “unerklärbare Schmerzen”. Ich konnte meinen Beruf Programmierer nicht mehr ausüben. Dann aber fand man die Ursache doch noch, eine CIDP (Chronisch Inflamatorische Polyneuropathie). Diese Krankheit, so steht es auch in Studien, kann oftmals erst nach mehreren Monaten bis Jahren nachgewiesen werden (ENG, Biopsie). Ich warne davor Menschen mit Schmerzen zu versuchen ohne Grund zum “Psycho” zu stempeln.

  27. Gerda Schuurman sagt:

    Immer noch wird “Kranksein” mit Aufmerksalkeit belohnt. “Beschäftigtsein ebenso. Und man hat ja die Wahl.
    Hingegen wird “Zufriedensein mit dem man hat schwerstens bestraft und nur Wenige trauen sich daher einfach zufrieden zu sein.

  28. Pia Landert sagt:

    Bei den meisten Fällen mit solchen unspezifischen körperlichen und psychischen chronischen Symptomen dürfte es sich um eine Histaminose handeln (z.B. auf Grund einer Mastzellaktivitätsstörung/Mastozytose oder auf Grund einer Histamin-Intoleranz (enzymatische Histamin-Abbaustörung). Histamin, der wichtigste von über sechzig beteiligten Mediatoren, ist ein körpereigener Botenstoff, Entzündungsmediator, Neurotransmitter etc., der fast alles im Körper mit reguliert und entsprechend durcheinander bringen kann. Trotz enormem Leidensdruck kann hier der Arzt bei einer Routineuntersuchung keine auffälligen Parameter finden und es gibt auch noch keine zuverlässige Labordiagnostik, sondern nur die versuchsweise Eliminationsdiät, auf Grund der eine Verdachtsdiagnose gestellt werden kann. Mehrere Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Da diese weit häufiger zum Arzt gehen als die Gesunden, wundert es mich nicht, dass diese einen Drittel der Arztbesuche ausmachen.

    Fast jeder Arzt macht leider den Fehler, auf eine psychische/psychosomatische Erkrankung zu schliessen, wenn er nichts finden kann. Das muss sich ändern, denn den erfolglosen und teuren jahrzehntelangen Ärzteodysseen könnte leicht ein Ende gesetzt werden. Eine Ernährungsumstellung mit wenn nötig medikamentöser Unterstützung kann das Problem lösen. Die Histaminose ist erst in den letzten Jahrzehnten umweltbedingt aufgekommen und man versteht sie erst seit kurzem gut genug, um den Betroffenen helfen zu können. Dieses Wissen hat noch nicht Eingang in die Lehrbücher und Hörsäle gefunden und ist noch viel zu wenigen Ärzten bekannt. Die SIGHI bietet auf ihrer Histaminintoleranz Website einen guten Einblick ins komplexe Thema: http://www.histaminintoleranz.ch.

    Jeder Mensch ist psychischen Belastungen ausgesetzt. Die einen stecken das gut weg, andere werden krank unter dem Druck. Der Reporter fragt zu Recht: “Warum sind so viele Menschen gestresst, obwohl wir – verglichen mit Menschen in Entwicklungsländern oder mit unseren Urgrosseltern – paradiesische Lebensumstände haben?” Stress sowie nervliche Erregung jeglicher Art setzen Mastzellmediatoren frei. Histaminose-Betroffene sind wegen daueraktivierten Mastzellen empfindlicher auf psychische Belastungen. Diese Belastungen gehören aber lediglich zu den zahlreichen Auslösern. Sie stellen nicht die eigentliche (körperliche) Ursache dar.

    Ein weiteres Problem wird im Artikel angesprochen: Für Ärzte ist es einfacher, teure Untersuchungen anzuordnen, als in einem längeren Gespräch die Ursache einzugrenzen. Die Histaminose lässt sich aber nur diagnostizieren, wenn der Patient zuerst gründlich instruiert wird, um dann in weiterer Detektivarbeit das Tagebuch seiner langwierigen Ernährungsexperimente auszuwerten. Daher kommt wohl das fehlende Interesse der Ärzteschaft, sich mit diesem Krankheitsbild zu befassen.
    Und so gehen denn die Betroffenen weiterhin von Spezialist zu Spezialist und lassen alle erdenklichen Untersuchungen mehrfach wiederholen in der Hoffnung, endlich erlöst zu werden. Bitte machen Sie diesen verzweifelten Hilfesuchenden zu all ihrem Elend nicht auch noch Vorwürfe, sondern geben Sie ihnen den entscheidenden Tipp, was die Ursache ihres Leidens sein könnte!


Blogs

Hauptstädter Adventskalender (22)

Outdoor Der plattgewalzte Nerv

Meistgelesen in der Rubrik Blogs

Werbung

Ausgang? Agenda!

Kino. Musik. Kunst. Bühne. Literatur. Feste. Und was sonst noch so läuft in der Region.

Werbung

Politisch interessiert?

Diskutieren Sie mit. Wir lesen uns im Blog - auf Deutsch oder Französisch.

Publireportage

Wettbewerb Belle Epoque

Gewinnen Sie ein nostalgisches Weekend in Kandersteg.

Vergleichsdienst

Günstiger in die Ferien!

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.

Werbung

Auswärts essen? Die Gastrokolumne.

Per Mausklick zur Gastrokritik: Wo es der Redaktion am besten mundet, kommen vielleicht auch Sie auf den Geschmack.

Publireportage

BLS-Tageskarte

Jeden Tag nur 200 Stück: Sichern Sie sich Ihre BLS-Tageskarte für Ausflüge mit Bahn, Bus und Schiff durch die halbe Schweiz.