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839 Seiten zur Verbesserung der Führungskompetenz

Mathias Morgenthaler am Samstag den 6. Oktober 2012
Verspielt, systematisch, historisch: Drei neue Bücher über Führung.

Verspielt, systematisch, historisch: Drei neue Bücher über Führung.

Wer Führungsverantwortung trägt, hat die Qual der Wahl – auch bei der persönlichen Weiterbildung durch Lektüre. Über 12 000 Buchtitel zum Thema Führung listet Amazon auf - die Palette reicht von Konzernchefs, die ihre Memoiren geschrieben haben, bis zu Experten, die nie in der Praxis erprobt haben, was sie auf Papier dozieren. Wir haben drei sehr unterschiedliche Führungsbücher für Sie gelesen.

 

Benedikt Weibels Wort hat Gewicht: Er verfügt über reichhaltige Führungserfahrung (unter anderem 14 Jahre an der Spitze der SBB) und überdurchschnittliche Belesenheit. Zudem hat er als Honorarprofessor für praktisches Management an der Universität Bern in den letzten Jahren die Wissensvermittlung erproben können. Stand bei seinem letzten Buch «Von der Schublade ins Hirn» noch die Reflexion der Führungspraxis bei den SBB im Vordergrund, spannt Weibel den Bogen nun wesentlich weiter. Er sei der «Faszination des Themas vollständig erlegen», gesteht der 66-Jährige im Vorwort seines neuen Buchs über Führung, habe «Tausende von Seiten» gelesen und erstmals an sich «akute Symptome der Lese- und Schreibsucht wahrgenommen».

Von Napoleon bis Rudi Völler
Weibel erzählt im ersten Teil von «Mir nach!» die Geschichten sehr unterschiedlicher Führungspersönlichkeiten: Feldherren wie Friedrich der Grosse oder Napoleon werden da vor dem Auge des Lesers wieder lebendig, Kirchenfürsten und Äbte kommen zu Wort; Machiavelli und Haile Selassie lassen erahnen, wie selbstgerecht und brutal an Höfen geführt wurde; am Beispiel von Revolutionshelden wie Robespierre, Lenin und Buenaventura Durruti wird augenfällig, wie Machtverhältnisse umschlagen können; auch das Wirken der Manager im engeren Wortsinn beleuchtet Weibel und hält sich dabei an bekannte Figuren wie Jack Welch, Lee Iacocca, Henry Ford oder Steve Jobs.
Deren Tätigkeit wirkt allerdings beinahe unspektakulär im Vergleich mit den Abenteurern, die Weibel als grosse Führungspersönlichkeiten in Erinnerung ruft: Magellan, der 1519 zu einer Seefahrt aufbrach, die drei Jahre dauerte und 247 von 265 Männern inklusive dem Kapitän den Tod brachte; Robert Falcon Scott und Roald Amundsen, die sich 1910 ein mörderisches Rennen um die Eroberung des Südpols lieferten; und Ernest Shackleton, der zwar nie mehr als 27 Mann geführt und keine seiner Ziele in der Antarktis erreicht hat, aber dennoch als eine der grössten Führungspersönlichkeiten in die Geschichte eingegangen ist. Und weil Weibel ein Sportfan ist, lässt er es sich nicht nehmen, diverse Fussballtrainer zu zitieren, die ebenfalls in Extremsituationen um Befehlsgewalt und Kontrolle kämpfen.
Der langjährige SBB-Chef widmet diesem beschreibend-analytischen Teil des Buches knapp zwei Drittel der gut 300 Seiten. In den Teilen 2 und 3 abstrahiert der Manager von all den Einzelfällen und wagt den Versuch, ein Muster erfolgreicher Führung zu skizzieren. Zunächst identifiziert er 21 Themen, die für jede Führungskraft relevant sind. Der langjährige SBB-Chef greift auch Themen auf, über die Führungskräfte ungern reden: die dunklen Seiten der Macht, der schmale Grat zwischen Unbeirrbarkeit und Ignoranz, die Einsamkeit der Machthabenden.
Auf den letzten zwölf Seiten zeigt Weibel dann Mut zur Einfachheit und bricht erfolgreiche Führung auf lediglich sieben Schlüsselfaktoren herunter: Sachverstand, Leidenschaft, «Alpha-Gen», Tatkraft, Team-Building, Beharrlichkeit und eben: Einfachheit. Der Weg zur finalen Einfachheit ist nicht immer unbeschwerlich, aber lohnend für alle Chefs, die sich wieder einmal übers Tagesgeschäft hinaus ein paar grundsätzliche Fragen stellen möchten.

Der 6-Seiten-Ansatz für Chefs in Eile
In akuter Führungsnot wird das Buch des ehemaligen SBB-Chefs vermutlich nicht weiterhelfen. Da greift ein Manager besser zu einem nüchternen Ratgeber, der sich wie ein Nachschlagewerk nutzen lässt. Das «CEO-Handbuch» des Wiener Managementberaters Michael Hirt funktioniert genau so. 36 Führungsthemen sind da auf wenigen Seiten abgehandelt, das Ziel ist nicht Vertiefung des Wissens, sondern sofortiger Nutzen und Komplexitätsreduktion.
Worauf soll eine Führungskraft in den ersten 100 Tagen nach Amtsantritt besonders achten? Wie gestaltet man die Unternehmenskultur? Welche Fettnäpfchen gilt es zu vermeiden, wenn plötzlich die Medien etwas von einem wollen? Und wie bereitet man eine Übernahme vor? Solche Fragen beantwortet das Buch in aller Knappheit. Wem selbst die sechs Seiten pro Kapitel noch zu lang sind, der findet davor jeweils ein Executive Summary, denn «Zeit ist ein kostbares Gut», wie der Herausgeber auf dem Buchrücken schreibt. Deswegen habe niemand, der in Führungsverantwortung stehe, die Musse, sich durch die Bibliotheken voller Führungsliteratur zu kämpfen. Etwas mehr als sechs Seiten bräuchte es bisweilen aber schon. Hirt und sein Team tragen dem Rechnung, indem sie zu jedem behandelten Thema eine Auswahl an weiterführender Literatur anbieten.

Wie übt man sinnvoll Macht aus?

Wie übt man sinnvoll Macht aus? (Foto: Colourbox)

Selbstverwirklichung nach Plan
Zielen die Bücher von Weibel und Hirt darauf ab, dass angestellte Chefs ihren Spielraum bei der Führung andere besser nutzen, handelt das Buch «Business Model You» weniger von Management als von Selbstführung und Selbstverwirklichung. Auf witzige, teilweise etwas chaotische Art und Weise wird dem Leser hier vermittelt, dass er alles, was er über gute Geschäftsmodelle gelernt hat, auf sich selber anwenden kann. Das Buch knüpft am Bestseller «Business Model Generation» an und wurde wie dieses von einer Online-Community entwickelt, an der sich 328 Menschen aus 43 Ländern beteiligt haben. Anhand vieler Beispiele zeigt es, wie es gelingen kann, aus den eigenen Interessen und Leidenschaften heraus einen Beruf zu entwickeln, statt sich in einem Job abzumühen, der einem die rare Freizeit finanziert.
Das Buch, das neu in deutscher Übersetzung vorliegt, eignet sich hervorragend zum Selbststudium, gibt es doch viele konkrete Anleitungen, wie jeder das auf sein Leben zugeschnittene Geschäftsmodell entwerfen und realisieren kann, wenn er erst einmal die neun Bausteine eines Geschäftsmodells verinnerlicht hat. Wie das Vorgängerbuch, das schon mehr als 400’000-mal über den Ladentisch ging, lebt auch «Business Model You» von der Mischung aus spielerischer Gestaltung, inhaltlicher Systematik und anregender Beispiele. Erfreulich aus Schweizer Sicht: Der Grundstein zu den beiden Büchern, die zuerst in Amerika zu Bestsellern wurden, ist in der Schweiz an der Universität Lausanne gelegt worden, als Doktorand Alexander Osterwalder mit Professor Yves Pigneur ein Thema für seine Dissertation suchte. Selten hat eine Doktorarbeit eine solche Breitenwirkung entfaltet.

Die Bücher:

Benedikt Weibel: Mir nach! Erfolgreich führen vom heiligen Benedikt bis Steve Jobs. NZZ Libro, Zürich 2012. 312 Seiten. 39 Franken.

Michael Hirt (Hrsg.): Das CEO-Handbuch. Optimal vorbereitet für Ihre Position an der Spitze. Vdf Hochschulverlag Verlag, Zürich 2012. 272 Seiten. 44 Franken.

Alexander Osterwalder, Tim Clark, Yves Pigneur: Business Model You. Dein Leben – Deine Karriere – Dein Spiel. Campus Verlag, Frankfurt/New York 2012. 255 Seiten. 35.50 Franken.

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6 Kommentare zu „839 Seiten zur Verbesserung der Führungskompetenz“

  1. Gene Amdahl sagt:

    Diese Bücher sind ja ‘schön’. Leider kann man ‘führen’ nicht erlernen, sondern man muss dazu auch noch ‘berufen’ sein.
    Zu viele sind gar nicht dazu berufen zu führen. Darum gibt so viele mittelmässige und grottenschlechte Führungskräfte.
    Sie sind in Führungsposition gehievt dank einem Netzwerk in den meisten Fällen oder dank dem Peter-Prinzip.

  2. Philipp Rittermann sagt:

    “führungsverantwortung” lernt man nicht aus büchern, sondern bringt a) die notwendige verantwortung für die mitarbeiter und das unternehmen” schon mit, und ist b) nachhaltig als unternehmer, (und nicht als manager – grosser unterschied!!), tätig; ist c) auch bereit von erfahrenen und kompetenten mitarbeitern zu profitieren, (was sehr selten bei unseren mba-heini’s der fall ist, da die das gefühl haben, dass sie mit einem für tchf 30 “gekauften” diplömchen schon die weisheit mit löffeln gefressen haben); und d) verfügen wahre führungsverantworliche auch über die nötige sozialkompetenz – und auch im heutigen hektische umfeld – über die zeit, um entscheidungen mit bedacht zu fällen. zu guter letzt – und dies ist wohl das a-und-o der grundvoraussetzung, ist “charakter” gefragt, (was immer dies auch bedeuten mag….). problematisch ist, (ich habe das mehrfach erlebt), dass nur wer beständig nickt, in’s obere kader berufen wird. denn da streichelt man sich vornehmlich lieber gegenseitig über die köpfe, als – gerade in schwierigen situationen – mit der notwendigen selbstreflektion- und -kritik ans werke zu gehen. da dieses dito gremium, gerade in grösseren firmen/konzernen, aufgrund der überhöhten löhne wie pech und schwefel zusammenhält, somit auch nicht über alle stufen transparent kommuniziert, stellt sich zwangsläufig bei vielen mitarbeitern ein grosser vertrauensverlust ein. -> die loyalität ist tot, es lebe die loyalität…..!

  3. Adrian Leibundgut sagt:

    Bravo Herr Rittermann. Sie bringen es absolut auf den Punkt. – Damit ist über die Bücher, die interessante Anschauungen vermitteln nichts gesagt. Ein Punkt wäre noch zu erwähnen: Die stupide “Ständigverfügbarkeit”, die dann dazu führt, dass nichts mehr wirklich konzentriert gemacht wird.

  4. Philipp Rittermann sagt:

    hier noch was treffendes zur modernen äh-führungskraft….. -> http://t2.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcTpu_PtlstEGwiJZLkCm_bYfEcqCu2r3y3aUrGnX3qU7wmQz8wZcw

  5. will williamson sagt:

    Sicher nicht schädlich wäre es, wenn die angehenden oder arrivierten Führungskräfte wieder einmal Peter F. Drucker lesen würden. Dort finden sie Qualität. Ebenfalls empfehlen kann man “Hoch lebe die Organisation” von Robert Townsend (Droemer Knaur, 1970), der dem Leser einführend mitteilt: “Dieses Buch… ist für jene geschrieben, die den Mut, die gute Laune und die Energie aufbringen, eine Kleinfirma oder den Teil eines Riesenbetriebes so zu leiten, als ob die Leute dort wirklich Menschen seien.”

  6. kurt vanossi sagt:

    Und vergessen ist der Kern der Geschichte, nämlich dass es ohne Indianer keine Häuptlinge gibt und ohne Soldaten keine Generäle. Zum ersten. Und zum zweiten, dass die Katapultierung auf die Bühne immer nur dem Zuall zu verdanken ist und nie den Fähigkeiten. Und zum dritten, dass es eben nicht immer ja sogar in den wenigsten Fällen die Leute zur Beförderung trifft, die überhaupt dafür geeignet sind. Bester Beweis dazu: dass so ein Buch überhaupt auf den Markt kommt.


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