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«Durchschnittsmenschen bringen eine Gesellschaft nicht weiter»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 21. Juli 2012
Markus Hengstschläger, Professor

Markus Hengstschläger, Professor

Warum passen wir uns ein Leben lang dem Durchschnitt an, statt unsere individuellen Talente zu stärken? Markus Hengstschläger, Professor für medizinische Genetik an der Universität Wien, plädiert für Artenvielfalt statt Durchschnittswahn. «Wir brauchen mehr Peaks und Freaks», sagt der streitbare Buchautor. «Der immense Anpassungsdruck macht uns unzufrieden, träge und krank.» Download der PDF-Datei


Herr Hengstschläger, Sie waren mit 24 Jahren Doktor der Genetik und hatten mit 29 Jahren Ihre erste Professur. Warum sind Sie so schnell unterwegs?
MARKUS HENGSTSCHLÄGER: Ich hatte das grosse Glück, dass die paar Talente, die ich habe, von meinen Eltern und meinen Lehrern früh entdeckt und gefördert worden sind. Und natürlich hielt ich mich früh an die Maxime: Üben, üben, üben! Wenn du nicht fleissig bist, nützen die schönsten Talente nicht viel. Sie wollen in harter Arbeit entwickelt werden. Ich habe diese Arbeit nie als Pflicht empfunden, weil ich mich leidenschaftlich für Genetik interessiere.

Sie sind nicht nur Fachmann für Humangenetik, sondern auch ein viel beachteter Buchautor. In Ihrem neusten Buch «Die Durchschnittsfalle» schreiben Sie, jeder könne Teil der Elite werden, wenn er seine Talente auspräge statt sich dem Durchschnitt anzupassen. Aus privilegierter Warte lässt sich leicht so schreiben. Wären Sie nicht der Sohn eines Uni-Professors und einer Lehrerin, hätten Sie es vielleicht nicht so weit gebracht.
Es ist gottseidank und gleichzeitig leider so, dass das Elternhaus noch immer einen starken Einfluss darauf hat, ob jemand später an die Universität geht oder nicht. Oder ob er in einem anderen Umfeld seine Talente zum Blühen bringt. Diese Korrelation gehört aber aufgebrochen. Wir leben doch nicht mehr in einer Zeit, in der alleine die Geburt über unsere Chancen entscheiden soll.

Von einem Genetiker würde man eigentlich eine andere Argumentation erwarten, nämlich die, dass mit der Geburt tatsächlich schon vieles entschieden ist.
Wir wissen heute, dass der IQ etwa zu 50 Prozent von unseren Genen und zu 50 Prozent von Umwelteinflüssen abhängt. Es kommt also sehr darauf an, wie jemand gefördert wird. Aber wir sollten hier nicht nur vom IQ reden. Für keinen bedeutenden Erfolg gibt es nur eine Talentvoraussetzung. Ebenso wichtig wie der IQ sind zum Beispiel soziale Kompetenz oder Beharrlichkeit. Entscheidend ist doch, ob wir als Gesellschaft unseren Kindern ein optimales Umfeld zur Entfaltung ihrer Talente bieten. Heute sind wir weit davon entfernt. Wohlhabende Eltern können es sich leisten, ihre Kinder früh zum Sport, in den Musikunterricht und ins Ballet zu fahren, so dass sie aus einer breiten Palette auswählen können. Viele sind aber schon stolz, wenn ihr Kind nicht auffällt, wenn es sich anstandslos anpasst. So tappen wir immer wieder in die Durchschnittsfalle. Das Schulsystem unterstützt dieses Denken. Alles ist auf das Ausmerzen von Fehlern angelegt, nichts auf die Entdeckung von Talenten.

Erwarten Sie nicht etwas gar viel von der Schule, wenn Sie die individuelle Talentförderung an Lehrer delegieren wollen?
Es ist klar, dass die Schule das im heutigen System nicht alleine leisten kann. Allerdings wäre es schon heute möglich, mehr Stärken zu fördern, statt alle Energie darauf zu verwenden, Schwächen auszumerzen. Was passsiert denn, wenn ein Kind eine sehr gute und vier schlechte Noten nach Hause bringt? Man ignoriert die Exzellenz und setzt alles daran, die schlechten Noten in durchschnittliche zu verwandeln. Ein rein defizitorientiertes System ist talentfeindlich und führt uns mit Vollgas in die Sackgasse des Durchschnitts. Das setzt sich bis zur Studienzulassung fort. Der Numerus Clausus etwa ist aus meiner Sicht ein falscher Weg. Warum muss man eine gute Note in Geographie mitbringen, um Arzt werden zu dürfen? Viel zu vieles ist auf den Durchschnitt ausgerichtet. Aber Durchschnittsmenschen bringen eine Gesellschaft nicht weiter. Wir brauchen Peaks und Freaks, um künftigen Herausforderungen gewachsen zu sein. Wer einen neuen Weg gehen will, muss den alten verlassen.

Ihre Kinder sind 13- und 16-jährig. Freuen Sie sich, wenn sie mit vier schlechten und einer sehr guten Note nach Hause kommen.
Unsere Kinder hatten heuer wieder ein recht gutes Zeugnis. Wichtig ist, dass man in solchen Fällen vor allem über die sehr gute und nicht nur über die schlechten Noten spricht. Das Ziel kann doch nicht sein, dass alle alles mittelmässig beherrschen. Es gibt so viele unentdeckte Talente. Und die Menschen, die sie besitzen, werden dann aus falschem Anpassungs- und Sicherheitsdenken heraus Juristen oder Informatiker, weil es das angeblich immer braucht. Ich habe mich 1986 für ein Genetik-Studium entschieden, obwohl das damals nicht sehr modisch war – aus dem einfachen Grund, dass ich mich brennend dafür interessiert und einige Fähigkeiten mitgebracht habe. Viele Menschen geben sich leider damit zufrieden, etwas Bestehendes zu reproduzieren. Sie vergeuden ihr Talent. Da die Zukunft grösstenteils nicht vorhersehbar ist, tun wir gut daran, uns als Gesellschaft möglichst breit aufzustellen. Gefragt ist nicht Anpassung, sondern Ausprägung der individuellen Stärken. Hier fordere ich eine Bringschuld des Staates ein: Er soll die Kinder in Ganztagesbetreuung darin unterstützen, ihre Talente zu finden und auszuprägen. Eltern sind mit dieser Aufgabe oft überfordert. Wir brauchen daher auch staatlich besoldete Talentscouts.

Und nach Abschluss der Schule oder der Studien sollen diese Talentierten dann als brave Funktionsträger die Erwartungen der Wirtschaft erfüllen. Gerade in Konzernen sind ja nicht in erster Linie Querdenker gefragt, sondern Fachleute, die ein enges Aufgabenprofil ausfüllen.
Das ist in der Tat ein Dilemma. Wir brauchen mehr Rulebreaker und Querdenker in Unternehmen. In der Theorie wissen alle, dass das Humankapital respektive die Innovation der wichtigste Wert jedes Unternehmens ist. In der Praxis ist oft genug alles darauf angelegt, dass es gut gemanagt, kontrolliert, verwaltet werden kann. Unternehmen, die so funktionieren, werden geringe Überlebenschancen haben. So wie wir als Gesellschaft, die aus lauter Angepassten besteht, keine Zukunft haben. Wissen Sie, was mein Traum ist?

Sagen Sies uns.
Dass Eltern wieder stolz sein dürfen, wenn ihre Kinder anders sind. Wenn alle verschieden sind, fällt keiner mehr auf. Dieser immense Anpassungsdruck macht uns unzufrieden, träge und krank. Ich vermisse die Lust, etwas Neues zu schaffen, einen eigenen, individuellen Weg zu gehen. Das meine ich, wenn ich mit Nachdruck sage, jeder könne heute Elite sein. Ein guter Handwerker ist nicht weniger Wert als ein Professor, Lionel Messi spielt zwar Fussball wie kein anderer, aber zur Lösung der Probleme dieser Welt trägt er vermutlich nicht mehr bei als Sie mit Ihren Artikeln oder ich mit meinen Büchern. Ich bin strikt gegen jede Wertung. Die einzige Richtschnur sollte sein, ob wir unser Talent vergeuden oder veredeln.

Kontakt und Information:
www.meduniwien.ac.at/medizinische-genetik

Das Buch:
Markus Hengstschläger: Die Durschnittsfalle. Gene – Talente – Chancen. Ecowin, Salzburg 2012.



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24 Kommentare zu “«Durchschnittsmenschen bringen eine Gesellschaft nicht weiter»”

  1. Gerhard sagt:

    Lesenswert

  2. Stephan sagt:

    Etwas Bildungsdiversität würde in der Tat die Schweiz beleben. Schade, dass in gewissen Kantonen der Rahmen dafür nicht gegeben ist!

  3. Robert Schmidt sagt:

    Nur mit sogenannten “Durchschnittsmenschen” kommt die Gesellschaft weiter. Wenn die Abwaschmaschine tropft, wenn die Waschmaschine klemmt, wenn das Fenster den Regen hereinlässt brauchen wir den Handwerker. Wir sind voll von Technik umgeben, auch die ganzen IT-Geschichten die unsere Klimaanlage und das Auto beherrschen brauchen Unterhalt und Reparatur; auch die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung werden von Durchschnittsmenschen unterhalten und repariert. Ist die Luft in den hohen Sphären der Wissenschaft schon so dünn geworden, dass man das nicht mehr weiss?

  4. Beat sagt:

    Guter Artikel. Spricht mir aus der Seele.

  5. maja sagt:

    wie kommen sie bloss auf die Idee, dass ein Handwerker ein Durchschnittsmensch sein muss?

  6. JeSuis sagt:

    Sich so zu entfalten ist Praktisch unmöglich. Wird von der Gesellschaft schlicht nicht toleriert! Respektive man macht sich das Leben schwer, was eigentlich ganz interessant ist. PaPaParadox!

  7. Heinz Müller sagt:

    “Wird von der Gesellschaft schlicht nicht toleriert!”

    Ja und? Darum geht es doch. Es ist ganz egal, was die Gesellschaft denkt.

  8. Marie V.Roth sagt:

    Im Prinzip hat er recht. Bloss ist es nicht zu Ende gedacht. Nicht der Norm zu entsprechen ist das eine. Es erfordert von Gesellschaft und Umfeld, sehr viel Tolleranz und auch die Kraft und den Willen, “Freaks” zu “ertragen” und zu fördern etc. Die Frage stellt sich, ob Freaks ihrerseits in der Lage und Willens sind, ihrem Umfeld dann mit ebnso viel Tolleranz und Differenziertheit zu begegnen. Ich fürchte, dass dies eine Ueberforderung sein könnte. Der Zugewinn an Innovation wäre sicher zu wünschen, Vermutlich wäre aber das Defizit an sozialer Verantwortung – sollte es viele davon geben – so verherend, dass letztlich, unter dem Strich, der Nutzen für die Gesellschaft zu gering wäre. Jede Gesellschaft schützt sich. Das ist wohl der Grund, weshalb Durchschmittlichkeit und Mittelmass “gefördert” werden. Es ist an den Peaks und Freaks zu beweisen, dass sie auch Sozialkompetenz haben können. Und Emphatie. Ansonsten bleibt die These eine Variation des “Sozialdarvinismus”, der, bewiesenermassen, keine Gesellschaft “weiterbringt”. .

  9. Filo Sof sagt:

    Und sie denken: wenn es alle schaffen, zur Elite zu gehören, bringt das die Gesellschaft weiter? Die Lösung aller Probleme der Menschheit? Mitnichten. Man kann es drehen und wenden – die Menschen lösen die Probleme niemals. Zu sehr ist das Ichdenken verbreitet. Da liegt der Hund begraben. Nebenbei: in meinem Bekanntenkreis gibts viele Akademiker. Ich finde garnicht, dass sie aus der Masse herausragen.

  10. Pablo sagt:

    @Robert Schmidt
    Einen guten Handwerker mit einem Durchschnittsmenschen gleich zu stellen, kann wohl nur Ausdruck von ” Durchschnittsdenken ” sein. Es wäre eventuell angebracht, dass Sie sich bei allen guten Handwerkern entschuldigen . Wenn der Autor sagt, jeder könne heute Elite sein, dann meint er eben gerade nicht die Klischees wie Wissenschaftler oder Unternehmer sondern eben Querdenker (vom Durchschnitt oft auch als Spinner bezeichnet), die den Mut haben, neues zu erschaffen oder mindestens zu erdenken und kund zu tun. Dass schafft nur , wer eine gute Portion Zivilcourage besitzt und den Mut hat, mit Leidenschaft , etwas Neues gegen jede Kritik und Widerstand zu verteidigen. Vielen Dank dem Autor, der eben gerade diesen Mut beweist. Der Artikel trifft voll ins Schwarze. (PS, bin übrigens kein Handwerker sondern ein “Pseudoelitärer” Ingenieur …:-)

  11. guido grrrr sagt:

    «Der immense Anpassungsdruck macht uns unzufrieden, träge und krank.»

    C’est comme ca !

  12. Siswis D sagt:

    Es hat ja keiner gesagt, dass dann jeder ein Peak oder Freak wird. Die Masse wird immer noch existieren. Aber abwerten muss man sie deshalb nicht. Soziologen sind schon lange der Meinung, dass beispielsweise der Wert einer Putzfrau für die Gesellschaft wichtiger ist als der eines Börsianers. Und solche Beispiele gibt es viele.

    Ich kenne viele Peaks und Freaks. Keiner davon ist intolerant. Sie leben meist lieber etwas zurückgezogen, weil sie den Mainstream anstrengend finden. Aber hochmütig oder asozial werden sie deswegen nicht. Ihre fliessende Kreativität lässt ihnen gar keine Zeit dafür. Egal ob Astrophysiker, Künstler oder Phantast. Abheben tun sie – falls überhaupt – erst wenn sie zu Promis mutieren und ihnen jeder in den Allerwertesten kriecht, weil er auch etwas von ihrem Ruhm abhaben will. Auch das hab ich schon mehrfach beobachtet.

    Die Peaks und Freaks müssen gar nichts beweisen. Das haben sie längst. Quer durch die komplette Geschichte der Menschheit. Es ist die Masse, die die Individualität erstickt und vernicht und nicht der Individuelle, der die Gesellschaft zerstört. Ganz im Gegenteil – wie Herr Hengstschläger richtig erkannt hat – sind es die Peaks und Freaks, die als Pioniere jeweils die ersten Schritte in eine neue Zukunft tun und neue Möglichkeiten entdecken und schöpfen.

  13. Rahel sagt:

    Vielen Dank fuer dieses tolle Interview!
    Ich werde hoffentlich die Talente meiner Kinder feststellen und foerdern koennen. Es braucht tatsaechlich mehr Freiraum in der Schule, dem Studiyum und der Berufswelt fuer Eigeninitiative, Talententfaltung und Kreativitaet… das wuerde uns allen zugute kommen.

  14. bitta sagt:

    hübscher Gedanke, nur bezahlt die Zugehörigkeit zu einer Elite, welche auf dem Markt nicht gesucht ist, keine Miete.

  15. Andi sagt:

    Er habe sich 1986 für das Genetik Studium interessiert, obwohl das damals nicht sehr modisch war. Come on! 1986 war der Mega Boost des Faches Molekulare Genetik und Genetic Engineering. Das war die Zeit, als die ersten rekombinanten Produkte bereits auf dem Markt waren, als Amgen und Genentech Schlagzeilen machten. 1986, das ist 13 Jahre nach der Initialzündung der Gentechnik (1973, Arber, Restriktionsenzyme)…..

  16. christof vetsch sagt:

    eine welt voller v.i.k. (very important kids), welche von ihren eltern in den musikuntericht, ballet und sport gefahren werden, oder habe ich etwas falsch verstanden?

  17. Sebi sagt:

    Stellt euch doch nicht so an… Alles was er sagen will ist: Geht EUREN Weg, egal was die Gesellschaft sagt, egal was die Wirtschaft sagt, egal was sonst wer sagt. Das hat alles NICHTS mit Akademikertn oder was weiss ich was zu tun. Die Elite, dass sind für ihn diejenigen, die ihr Gebiet – sei es nun theoretische Physik oder Fahrradreperatur oder was weiss ich – perfektionieren und weiterentwickeln.
    Bei Kommentaren, wie “hübscher Gedanke, nur bezahlt die Zugehörigkeit zu einer Elite, welche auf dem Markt nicht gesucht ist, keine Miete.” muss ich einfach nur den Kopf schütteln… Natürlich… Pass Dein Leben der Wirtschaft an.. Lieber ein teures Haus und ein Auto als deine Freiheit zu nutzen und das zu tun, was du tun willst… Als würde man seine Seele für eine volle Brieftasche verkaufen…

  18. Verena Hunziker sagt:

    @Sebi – ich kann über den zweiten Teil Ihres Kommentars auch nur den Kopf schütteln… Ich schätze, so manchen Fahrradmechanikern, die mit Leidenschaft ihren Beruf ausübten, ist irgendwann (vielleicht sogar ziemlich schnell) doch die Lust an der Arbeit vergangen, als sie feststellen mussten, dass sie sich vom Lohn keine anständige Wohnung und nur jedes zweite Jahr Ferien leisten konnten. Ganz zu schweigen von einer grösseren Zahnreparatur oder davon, eine Familie zu ernähren… Damit sich Menschen möglichst frei entfalten können, braucht es m.E. in erster Linie ein bedingungsloses Grundeinkommen.

  19. Marie V.Roth sagt:

    Eigentlich wollte ich mit meinem obigen Beitrag provozieren. Ist mir definitiv nicht gelungen. Dafür gelingt es ihnen, Sebi mich zu provozieren. Die Frage ist doch einfach, was es bedeutet ” die Gesellschaft weiter zu bringen”. 1 Mia Menschen kämpfen täglich mit dem Hungertod. Einige Milliarden ums rudimentäre Ueberleben.Viele leben im Krieg oder sind Vertriebene. In der 1. Welt ist der grösste Teil froh, wenn er sich einen Platz ergattern und ihn halten kann. Eine klitzekleine Minderheit kann es sich leisten ” zu tun, was du tun willst”. Sicher ist es gut, Talente und Querdenker zu fördern. Sicher wäre es wunderbar, wenn jeder seine Individualiät voll entfalten könnte. Glückoptimierung. Im Idealfall auch vom Staat “gefördert”. Auch gut. Aber ich bezweifle, ob das “die Gesellschaft weiterbringt” wenn das Selbstzeweck ist und nicht Mittel zu mehr Gerechtigkeit.

  20. Sacha Meier sagt:

    Der Pauschalisierung dieses Artikel möchte ich energisch widersprechen. Nur eine fortschrittliche, aufstrebene Zivilisation wie z.B. China, Singapur, Taiwan oder Südkorea brauchen Querdenker und innovative Köpfe – nicht jedoch solche, die ihren Zivilisationszyklus gerade im Begriff sind zu beenden und dem Untergang geweiht sind. Genau in diesem Stadium befindet sich aber die gesamte westliche Zivilisation (inklusive der Schweiz). Hier braucht es 200% konformistische und mediokre Menschen. Dass das so ist, kann ich aus eigener Erfahrung als 50 jähriger arbeitsloser forschender Elektroingenieur sagen, der Technologien im Bereich der angewandten Quantenphysik mitentwickelt hat, die von derart disruptiver Natur sind, dass sie das Potenzial aufweisen, die Pfründe unserer grossen, börsenkotierten Konzerne empfindlich anzugreifen. So ist es nur folgerichtig, dass mich meine Hochschule entliess, alle meine Publikationen und Patente amtlich klassifiziert wurden; d.h. Abordnungen des VBS und NDB entfernten alle Exemplare aus den Hochschulbibliotheken – und meine Professoren, wie auch meine Wenigkeit wurde mit einem Technologietransferverbot (Maulkorb) belegt – womit auch meine physische Bewegungsfreiheit eingeschränkt wurde. Heute bin ich in psychiatrischer Behandlung wegen den daraus resultierenden Depressionen und zwecks Konformisierung – damit ich nach einer möglichen IV-Umschulung in einen gefragten konformistischen Beruf (z.B. Immobilientreuhänder, Sozialarbeiter, etc.) wenigsten noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalte.
    Fazit: Talente, die nicht in unser heutige westliche Vorstellung von Konformismus und Mediokrität passen, sind eher schädlich als nützlich und werden gar pathologisiert. Ein Isaac Newton, Albert Einstein, Wolfgang Pauli, Max Planck oder Albert Einstein würden heute als unnütze, nichtkonformistische und Asperger-Syndrom-Geisteskranke therapiert und würden der Fürsorge übergeben. Fördernswert sind heute im Westen alle sozialen, kulturellen, sportlichen und finanziellen Talente. Menschen mit Begabungen in technisch-naturwissenschaftlichen Feldern sollten so früh wie möglich in ein asiatisches Land umziehen. Dort wird man ihre Talente erkennen und fördern, sodass sie sich später zum Nutzen der dortigen Zivilisation (und der Menschheit insgesamt) entfalten können.

  21. Roli sagt:

    Wow… genau die Vielfalt dieser Artikel macht unsere Gesellschaft aus. Unsere Gesellschaft funktioniert doch nur, weil jeder Mensch andere Interessen und Vorlieben hat. Ist nicht die Vorliebe zu einer Sache ein Anzeichen eines Talents? So entwickelt sich doch jeder/jede individuell und rundet die Gesellschaft mit seiner Persönlichkeit und seinem Talent ab.
    Wichtig ist doch dass sich ein Kind entfalten kann und nicht unter falscher Wegleitung der Eltern anstelle eines Physikers einen Anwalt werden muss, oder anstelle eines Schreiners einen Maler.
    Es geht weder um das Geld noch um das Ego. Die Vorlieben und das Talent der Kinder erkennen und diese unterstützen ist schon eine Förderung an und für sich. Das Kind kann sich so gut entfalten und hat mehr Spass am Leben und leistet dadurch auch mehr in den Dingen die es nicht gerne macht und entsprechend schlechter ist.

  22. Urs sagt:

    Bestellt.

  23. Holger Wahl sagt:

    Das ganze Thema der Förderung, egal welcher Talente oder mit welchen Schwerpunkten, entbehrt eines grundsätzlichen Punktes: das Urvertrauen, das Kinder brauchen, um sich überhaupt auf sich, auf ihre Umgebung einlassen zu können, um Unabhängigkeit entwickeln und auch gegen Widerstände ein eigenes Leben in Angriff nehmen zu können. Das ist keine Frage von Musik- und Chinesischunterricht oder Geld, sondern von Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern, anstatt sie in Krippen, Horte und andere “Kinderverwaltungseinrichtungen” abzugeben. Wir sind keine Automaten, die mit Wissen gefüttert und mit Vitaminen optimiert werden können, sondern in erster Linie soziale Wesen, deren Fähigkeit zur Interaktion primär aus der Eltern-Kind-Beziehung heraus entsteht.

  24. Mustafa Kilic sagt:

    Brillantes Interview und sehr erstaunlich wieviele Kommentarschreber die Aussage nicht verstanden haben. Es geht hier nicht um das “bilden einer neuen Elite”. Es geht lediglich um das fördern der Talente ohne das man immer auf den wirtschaftlichen Nutzen schielt. Den eines ist klar ‘ was man gerne macht, macht man gut. Es kann sich also durchaus auch um eine talentierten Schreiner handeln oder halt Atomphysiker – das spielt wirklich keine Rolle. Aber es ist schon so – generell versuchen wir Schwaechen auszumerzen anstatt Staerken zu fördern.